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28. April 2007, 14:31 Uhr

Das Ziel der Ziele

In wenigen Wochen soll Prinz Harry in den Irak ziehen - und radikale Milizen rüsten auf. Berichten zufolge plant bereits eine Spezialeinheit die Entführung des Prinzen. Das britische Außenministerium derweil eisenhart: "Unter keinen Umständen wird Geld gezahlt, auch nicht für einen Royal." Von Shila Behjat

Prinz Harry in Kampfmontur: "Unter keinen Umständen wird Geld gezahlt, auch nicht für einen Royal"© Ian Holding/AP

Eine große britische Fernsehstation - es könnte Sky, sein, oder BBC -bekommt ein Video zugespielt, wahlweise läuft es zunächst auf Al-Dschasira. Darauf: eine Person, die Augen verbunden, in Fesseln auf dem Boden knieend. Eine vermummte Gestalt hält eine Kalaschnikow an die Schläfe der Person. Daneben eine andere, ebenso vermummte Gestalt, sie fuchtelt mit den Armen wie wild, redet ohne Unterlass - arabisch, persisch?

Jeder kennt diese Bilder, hat sie gesehen - und weiß, dass sie angesichts der Kriege im Irak und Afghanistan wiederkommen werden. Sie sind die neuen Waffen in einer neuen Welt des Krieges. Ab Mai soll Prinz Harry als Truppenführer eines Aufklärungskommandos in den Irak ziehen. Dann könnte er auf einem solchen Video zu sehen sein, mit verbundenen Augen, auf dem Boden kniend. Doch daran scheint im Vereinigten Königreich niemand auch nur denken zu wollen.

Zur Begrüßung die Ohren abschneiden

Ein Prinz zieht aus, um die Sicherheit des Königreichs in der Ferne zu verteidigen - Prinz Andrew, Duke of York, hat es im Falkland-Krieg vorgemacht. Und ist zum Helden geworden, zum Schmuck des Königshauses. Doch die Zeiten haben sich geändert: Heute kursieren in den Milizenlagern im Irak Bilder von Harry, er ist das "Ziel aller Ziele" - und in der "Green Zone" wollen sie ihn begrüßen, indem sie ihm die Ohren abschneiden.

Sicher, die Briten sorgen sich um den jüngsten Spross von Thronfolger Charles. Vor dem Hintergrund des blutigsten Monats im Irak mit elf Toten unter den britischen Soldaten beginnen sie Fragen zu stellen: Darf ihr geliebter Harry, Sohn der wunderbaren Lady Di, Bruder des noch mehr geliebten William, zu Kanonenfutter gemacht werden?

Die Milizen bilden schon Sondereinheiten

Angesichts der über 130 Geiselnahmen in den letzten vier Jahren ist jedoch die Gefahr weit höher, dass auch Harry entführt wird. Einem Zeitungsbericht zufolge haben radikale Schiiten zu diesem Zweck bereits eine Sondereinheit gebildet. "Unser Ziel ist es, Harry gefangen zu nehmen", sagte Abu Mushtaba, ein Kommandant der Mahdi-Armee, der britischen Zeitung "The Guardian". Es gebe Informanten in den britischen Stützpunkten, die der Miliz die Ankunft des Prinzen sofort melden würden.

Nicht nur die Mahdi-Armee werde versuchen, Harry als Geisel zu nehmen, sondern "alle, die die Briten und Amerikaner hassen", sagte der Kommandant. Die Entführung werde die Briten dazu zwingen, "sich vor uns hinzuknien und mit uns zu reden". Das britische Außenministerium gibt sich dennoch gelassen: Alles nur Propaganda.

"Unter keinen Umständen wird Geld gezahlt"

Wie viel bekommt man wohl für einen Prinzen - mehrere Millionen, gar Milliarden? In jedem Fall wohl eine immense Summe, für die unter Umständen der Steuerzahler aufkommen müsste. Doch das "National Audit Office", das die Haushaltsausgaben als unabhängiges Organ in Interesse des Steuerzahlers überwacht, ist, gelinde gesagt, "puzzeled". Sprecher Barry Lester spricht gegenüber stern.de von einem "hypothetischen Ereignis", das so "unwahrscheinlich sei", dass man dazu keinerlei Stellung beziehen könne.

Sogar die sonst wortgewandte Sprecherin des Außenministeriums reagiert perplex auf die Frage nach der Haltung der britischen Regierung im Falle einer Geiselnahme: "In der Vergangenheit war die Handhabe, dass die britische Regierung keinerlei Gelder an Geiselnehmer bezahlt hat", sagt sie. Und als Mitglied der königlichen Familie? Da muss Jenna Blackburn schlucken, sie stockt. "Darüber haben wir uns keine Gedanken gemacht, ich muss das überprüfen lassen." Später am Tag dann die Antwort: "Unter keinen Umständen wird Geld gezahlt, auch nicht für einen Royal."

Kriegsheld Andrew ist der nächste in der Thronfolge

Der ehemalige Verteidigungsminister Michael Portillo hingegen kritisiert, dass Harry so leichtfertig sein Leben aufs Spiel setzt. "Hätte Prinz William drei Kinder, dann wäre es etwas anderes", sagt Portillo. "Aber in der jetzigen Situation hat Harry eine wichtige Rolle." Denn da wäre ja noch etwas, neben dem Irak: Früher oder später wird ein Thron zu vergeben sein. Und auch wenn Prinz William sich nicht mit einer ähnlichen Begeisterung in die Schlacht stürzt - "you need to have a back-up", meint Portillo.

Geradezu skurril: Sollte auch Harry in der Thronfolge ausfallen, wäre der nächste in der Abfolge kein geringerer als Prinz Andrew: der Kriegsheld, der Harry so gern sein möchte.

(mit DPA)
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Rosenengel (29.04.2007, 18:04 Uhr)
Nachttrag für UKARGIE
Aprospo Deutschland hat den II. Weltkrieg angestiftet: England hat zu einem großen Teil Mitschuld, haben doch England und Frankreich den "Beistandspakt" mit Polen aus ganz egoistischen Gründen gemacht: Ihnen paßte das starke Deutschland im Herzen Europas nicht.
Und England und Frankreich hatten schon zuvor einen geheimen Angriffsplan gegen Rußland! ausgearbeitet. England ging es nicht um den Beistand Polens, England ging es um einen Kriegsgrund zur Beseitigung eines mächtigen Rivalen im Herzen Europas.
Deshalb wollte das französische Volk auch zuerst nicht in einen Krieg für Polen/England gegen Deutschland mitmachen. Gerade dieser "Beistandspakt" ermutigte Polen in seiner Politik gegen Deutschland und brachte Hitler dazu einzumarschieren. Die Engländer hatten es wieder geschafft, Völker gegeneinander auszunutzen.
Rosenengel (29.04.2007, 17:55 Uhr)
UKARGIE
Nun, etwas bessere Geschichtskenntnisse wären besser.
Deutschland hat nicht die Monarchie gegen den Nationalsozialismus getauscht. Zwischen dem Ende der deutschen Monarchie und dem Machtantritt Adolf Hitlers liegen 15 Jahre, die Weimarer Republik.
Und was ist nach dem II. Weltkrieg vom britischen Empire übriggeblieben? Es wurde immer kleiner. Die USA haben es verstanden, die Engländer abzulösen.
Napoleon wurde nicht von den Engländern "beseitigt", sondern von einer Konförderation von Staaten. Neben Rußland auch Preußen. Den Stoßseufzer von Wellington: "Gott gäbe es wird Nacht, oder die Preußen kommen!", kennt jedes Kind.
Was Euer Prinz macht, interressiert mich überhaupt nicht, nur die deutsche Regenbogenpresse, der immer Schlagzeilen fehlen.
Wie dessen Werbewirksamer Kriegseinsatz aber aussehen wird, sieht man schon an der Spezialeinheit, die ihn dort beschützen soll. Wäre er Zuhause geblieben, wäre das dem britischen Steuerzahlern billiger gekommen.
UKARGIE (29.04.2007, 10:36 Uhr)
Womit einmal bewiesen waere...
dass die Deustchen stinkneidisch auf die Britische Monarchie sind, seitdem sie selber die Monarchie gegen die Nazi Dikatatur eingetauscht hatten, den zweiten Weltkrieg anstifeteten, verloren und endeten mit einen geteilten Land, das in Schutt und Asche lag.
Moderne Laender wie Canada, Australien, New Zelandd, um nur 3 der 16 Koenigreiche innerhalb des Britischen Commonwealth zu nennen, die nach der Unabhaegigikeit, die Staatsform der Monarchie und Koenigin Elizabeth II als Staatsoberhaupt beibehielten, wissen warum die konstutionelle Monarchie die bessere Staatsform ist. Die Abschaffung der Monarchie in Australien wurde in einem Refenredum in 1999 von den Aussies abgelehnt.
Aber in Deutschalnd kennt man keine Referenda, dort werden Buerger nicht gefragt. dort wo alles sooooo demokratisch sein sollte, in einer Republik!
Grossbritannien geniesst seit der Glorious Revolution von 1685 ununterborchene politische Stabilitaet. Spanine wurde erst wieder demokartisch nach der Restaurierung der Monarchie. Frankreich endete mit einem Dikatator namens Napolen, den die Briten erledigten mussten, Italien ist ein politischer Zirkus und Griechenland total korrupt, Deustchland entdete in Schutt und Asche und wird auf Ewigkeit als boeses Land Europas stigmatisiert.
Laender wie: Nederlands, Daenemark, Norwegen und Schweden sind auch Moanrchien und all exemplarisch in Punkto Demokratie und politischer Stabilitaet, das kann man kaum von keiner Republik sagen.
Dagegen Britain gilt als die Mutter alle Parlamente und der moderne Demokratie, trotzt einer 1,000-Jaehriger Monarchie. Nach 10 Jahren Tony Blair, es wurde wieder bewiesen, wie gut es ist dass wie die Monarchie haben, zumindest man kann auf sie verlassen. Je laenger Tony Blair in der Macht bleibt desto staerker wird die Monarchie.
HRH Prince Harry hat das Recht und die Pflicht fuer 'Queen and Country' zu kaempfen, als haben alle seine Vorgaenger getan.
gudrun13 (29.04.2007, 10:23 Uhr)
Keine Sorge!
Harry bleibt den Briten erhalten als
Held der zwar kämpfen "wollte" aber
es aus durchaus nachvollziehbaren
Gründen nicht durfte ... die Zahl der Prinzen im Empire ist bekanntlich begrenzt. Er wird trotzdem als Held in die Geschichte eingehen.
Diaula (28.04.2007, 16:00 Uhr)
Des Menschen Wille
Wenn er unbedingt in den Krieg will, so soll man ihn lassen.
Nur soll man dann auch akzeptieren, dass der Gegner im Irak mit den Waffen kämpft, die er hat und sich überdies die Kampftaktik nicht von den Briten vorschreiben lässt.
AndyG (28.04.2007, 15:19 Uhr)
Warum verbieten die das nicht?
Ich verstehe nicht wie man das zulassen kann. Er gefährdet da nicht nur sich sondern auch das Leben seiner Kameraden im Irak.
Wenn er unbedingt in den Krieg will soll er halt nach Afghanistan wo die Lage etwas sicherer ist.
gudrun13 (28.04.2007, 15:03 Uhr)
Womit wieder einmal bewiesen wäre ...
gut dass die Monarchie in D - obwohl wir einen "Kaisers Franz", "einen "roten Baron" und eine Tennis"gräfin" haben - oder vielleicht auch genau deshalb, abgedankt hat. Und so soll es auch bleiben. Die Zeit für Monarchien in Europa und anderswo ist abgelaufen ... über kurz oder lang wird es sie nicht mehr geben. Gut so.
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