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25. Februar 2008, 08:27 Uhr

Sex für gute Noten

Thomas A. soll einen schwunghaften Handel mit Doktortiteln betrieben haben. Als Gegenleistung für gute Noten soll der Juraprofessor von den Studentinnen Sex verlangt haben. Erneut beginnt heute in Hildesheim der Prozess gegen den 53-Jährigen. Von Uta Eisenhardt

Thomas A. stand bereits Ende Januar vor Gericht. Sein Prozess wird neu aufgerollt© Nigel Treblin/DDP

Thomas A. hatte einen Lehrstuhl und eine Schwäche für Blondinen. Außerdem soll seine finanzielle Situation recht angespannt gewesen sein. Diese Konstellation mündet nun in einen einmaligen Strafprozess um Sex und Titelhandel.

Doch der Prozess gegen den Juraprofessor platzte nach nur einem Verhandlungstag. Dem 53-Jährigen, der an der Leibniz-Universität in Hannover den Lehrstuhl für bürgerliches und internationales Privatrecht bekleidete, wird Bestechlichkeit in 78 Fällen vorgeworfen. Er soll 69 minder qualifizierten Juristen den Weg zur Promotion geebnet haben. Dafür zahlte ihm das "Institut für Wissenschaftsberatung" in Bergisch-Gladbach zwischen Oktober 1996 und Mai 2005 rund 185.000 Euro. Außerdem soll er mehrere Studentinnen protegiert haben, die sich mit Sex revanchierten.

Bessere Noten durch Sex

Der erste Anlauf des Prozesses vor dem Landgericht Hildesheim endete bereits nach Verlesung der Anklage. Anschließend rügte ein Verteidiger einen formalen Fehler bei der Besetzung der Schöffen sowie die Verhandlung vor einer Wirtschaftsstrafkammer. Nach Meinung des Anwalts bedarf es bei diesem Verfahren keiner Wirtschaftskenntnisse, deshalb müsse vor einer allgemeinen Strafkammer verhandelt werden. Diesem Einwand folgten die Richter nicht, wohl aber dem ersten. Darum startet heute der Prozess noch einmal.

Gemeinsam mit Thomas A. sitzt auch eine seiner ehemaligen Geliebten auf der Anklagebank. Der 30-jährigen Simone S. wird Bestechung in sieben Fällen vorgeworfen. Der Professor soll die Klausur und die Hausarbeit der ehemaligen Studentin, mit der er Ende 2001 eine sexuelle Beziehung begann, zu wohlwollendend benotet haben. Außerdem besorgte er ihr einen Job als studentische Hilfskraft an seinem Lehrstuhl. "Wesentlicher Grund für Notengebung und Anstellung ist die sexuelle Hingabe der Angeklagten gewesen", sagte Oberstaatsanwalt Rainer Gundlach, als er vor vier Wochen zum ersten Mal die Anklageschrift verlas.

Bestechung in 69 Fällen

Der dritte Angeklagte ist einer von zwei Geschäftsführern jenes in Verruf geratenen Wissenschaftsberatungsinstitutes aus Bergisch-Gladbach. Das Institut sieht sich als Ansprechpartner für berufstätige Akademiker, die eine externe Promotion planen. Diese würden oft an der Überlastung des Hochschulsystems scheitern, argumentieren die Berater auf ihrer Website. Dort steht: "Sie können im Optimalfall durch unsere legale Unterstützung Ihren Arbeitsaufwand für die Promotion um bis zu 50 Prozent reduzieren."

Jene legale Unterstützung bestehe in der Suche nach einem geeigneten Thema, einem geeigneten Doktorvater und einer geeigneten Fakultät. Auch bei der Literaturrecherche, Erstellung von Grafiken sowie bei der Durchführung von empirischen Untersuchungen und Berechnungen könne man helfen. Der 53-jährige Instituts-Geschäftsführer Martin D. muss sich in diesem Prozess wegen Bestechung in 69 Fällen verantworten.

Kunden waren Juristen aus ganz Deutschland

"Der Schwerpunkt des Verfahrens liegt auf den Promotionsverfahren und weniger auf den Beziehungen des Angeklagten zu den Studentinnen", sagte Richter Peter Peschka zu Beginn der ersten Verhandlung. Die Kunden des Institutes waren Juristen aus ganz Deutschland, darunter ein Richter am Sozialgericht, ein Oberregierungsrat und viele Anwälte. 28 der Interessenten hatten ihr Examen nur mit "ausreichend" abgeschlossen, 37 mit "befriedigend". Wer als Jurist promovieren will, muss aber mindestens mit der Gesamtnote "vollbefriedigend" abschließen.

Der Jura-Professor konnte die erforderliche Ausnahmegenehmigung der Fakultät besorgen. Legal war das jedoch nur, wenn ihn die vorgelegte Dissertation überzeugt hätte. Doch nach Ansicht der Ermittler überzeugten ihn vor allem die 4100 Euro, die er pro Kandidaten von dem Institut kassierte. Das wiederum knöpfte jedem Kunden für die Dissertationshilfe zwischen 17.000 und 25.000 Euro ab.

Derzeit wird die Verhandlungsfähigkeit geprüft

Eigentlich hätte dieser Prozess insgesamt fünf Angeklagte vereinen müssen. Doch das Verfahren gegen den zweiten Geschäftsführer des Wissenschaftsberatungsinstitutes wurde abgetrennt. Bei dem 67-Jährigen wird derzeit die Verhandlungsfähigkeit geprüft. Das Strafverfahren wegen Bestechung gegen eine ebenfalls beschuldigte Studentin wurde bereits im November separat erledigt. Die 31-jährige ehemalige Geliebte des Professors bekam im Wintersemester 2003/2004 ein wohlwollendes "Ausreichend" in der Übung "Vertragsrecht II". Für diese Bestechung zahlt sie derzeit eine Geldbuße in Höhe von 1800 Euro an die Straffälligenhilfe e.V. Hildesheim. Das Verfahren gegen sie wurde eingestellt.

Eine dritte Studentin, gegen die ebenfalls ermittelt wurde, war im Sommersemester 2004 den Offerten des Professors nicht gefolgt. Er hatte ihr einen Job als studentische Hilfskraft angeboten und sie zu einem Kongress nach Bremen eingeladen. Im Prozess wird sie nun als Zeugin gehört. Sollten der Professor und der Geschäftsführer kein Geständnis ablegen, wird das Gericht auch die Kunden des Instituts als Zeugen laden müssen, so der Sprecher des Hildesheimer Landgerichts, Jan-Michael Seidel. Die meisten der etwa 140 von A. betreuten Promotionskandidaten haben bereits Geldbußen und Geldstrafen bezahlt. Einige Taten waren zum Zeitpunkt der Ermittlungen bereits verjährt.

Für Annette Voges, die den Jura-Professor verteidigt, ist noch nicht erwiesen, ob ihrem Mandanten überhaupt Bestechlichkeit vorgeworfen werden kann. Schließlich entschied nicht nur Thomas A. über die Vergabe des Doktortitels. Ihrer Meinung nach müsste der Jura-Professor sich lediglich wegen Vorteilsnahme rechtfertigen - ein Delikt, das mit höchstens drei Jahren Haft bestraft wird. Für Bestechlichkeit im besonders schweren Fall dagegen können bis zu zehn Jahre Haft aufgerufen werden.

Von Uta Eisenhardt
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Bunsenbrenner (28.02.2008, 05:28 Uhr)
Die armen "Opfer"
Man kann sie ja nur bedauern die Opfer, die - obgleich unfähig - Leistungsnachweise bis hin zu Doktortiteln unrechtmäßig erworben haben und dann wie "Simone S" mit einer albernen Geldstrafe davonkommen und ihre Titel, etc. behalten können. Oder ist es doch "voll befriedigend"? Da es sich hier um Juristen handelt, könnte man meinen, eine Krähe hacke der anderen kein Auge aus; ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Motte07 (26.02.2008, 18:03 Uhr)
@Malt
dann behalten Sie doch ihre Meinung für sich, wenn man sie nicht kommentieren darf. Ansonsten hat Flashback völlig recht: Sie benutzen ein Thema um völlig abstruse Vorwürfe gegen einen Politiker loszulassen, der mit diesem Fall nichts, aber auch gar nichts, zu tun hat.
Schreiben Sie doch was im Natascha-Kampusch-Thread, dort finden Sie bestimmt auch was, was Schröder Schlimmes verbrochen hat.
bernie-abg (26.02.2008, 12:06 Uhr)
Ich kann die ganze Aufregung...
...nicht verstehen.
Der Herr Professor bereitet seine Student doch optimal auf die Gepflogenheiten in der "realen Welt" vor.(*grins*)
Malt (26.02.2008, 11:58 Uhr)
@flashback02
Da Ihre Meinung sich aber nicht aufs Thema bezieht, sondern nur auf die Meinung anderer User (ja, so ist eben MEINE MEINUNG), ist diese eben sehr wohl unqualifiziert! Und ob SIE das nervig finden oder nicht, ist mir, ehrlich gesagt, scheißegal! Wenn ich Ihnen erzählen würde, was ich alles nervig fidne, würde ich morgen noch hier sitzten. Also sparen sie sich und ersparen somit mir bitte in Zukunft Ihre Meinung zu meiner Meinung, wenn sie NICHTS mit dem Thema zu tun hat. Davon mal abgesehen dass es schon eine dreiste Anmaßung ist, wenn sie sich herausnehmen wollen zu wissen, welche politische Einstellung ich hege... ich wüsste nicht, das wir beiden schon zusammen Schweine gehütet hätten.
unheilig (25.02.2008, 18:45 Uhr)
löl
na wenn ich mal zum anwalt gehe,dann hoff ich der hat sich nicht auch hochgeschlafen muhaaaaa
flashback02 (25.02.2008, 17:36 Uhr)
@Malt
Den Zusammenhang kann ich nicht erkennen, weil er von Ihnen an den Haaren herbeigezogen ist. Leute wie Sie (egal ob links, liberal, konservativ oder was auch sonst) versuchen immer und unentwegt aus jedem Thema eine politische Schelte für andere herauszuschinden. Ich finde so etwas nervig, das ist nicht unqualifiziert, sondern meine Meinung.
Aprotheus (25.02.2008, 16:40 Uhr)
Spitze des Eisbergs!
Seien wir uns doch mal ehrlich, so geht es ja in vielen Unis! Früher wars ja genau so. Im süden Europas kauft man sich ja auch einfach einen Doktortitel,wieso soll es bei den "Braven Deutschen" anders sein?
Ein Skandal jagt geraden den anderen ... was kommt wohl nächste Woche?
Malt (25.02.2008, 11:55 Uhr)
@flashback02
Wenn Sie nicht fähig sind, den Zusammenhang zu erkennen, sollten Sie sich vielleicht nicht dazu äußern!
Auf der einen Seite hat ein Mann seine Stellung ausgenutzt, um zusätzlich Geld zu verdienen und evtl. Sex zu haben... allerdings ist hier noch nichts bewiesen.
Auf der anderen Seite hat ein Mann, allerdings nachweislich, seine Stellung dazu benutzt, um an einen gut bezahlten Posten zu kommen für den er während seiner Amtszeit die Grundlage geschaffen hat. Natürlich um Geld zu verdienen... und vermutlich exorbitant mehr als der Herr Prof.. Aber stimmt: bei dem Prof. haben die Studenten freiwillig bezahlt, bei Schröder wurde einfach einen Staatsbürgschaft für 1 Milliarde gezeichnet... ohne das jemand davon wusste... da wurde dann zurückgerudert, als es rauskam. Nur mal so: Für 1 Milliarde Steuergelder zahlen rund 4500 Menschen Ihr Leben lang Lohnsteuer.... WAS also ist der für die Gesellschaft schädlichere Vorgang? Wenn Ihnen der von mir in Zusammenhang gestellte Vergleich nicht gefällt, dann behalten Sie Ihre Meinung doch am besten für sich und sagen das nächste mal was zum Thema anstatt Anderen unqualifiziert Ihre Meinung in Abrede stellen zu wollen. Wie wär's damit?
guinness.1 (25.02.2008, 10:05 Uhr)
Das ist doch an jeder Uni so
Wenn Angebot und Nachfrage sich einig sind, dann läuft das eben so. Selten wird das so öffentlich bekannt wie hier. In meinem Studiengang wußte jeder Student, welcher von den Professoren Anlaufstelle für willige Studentinnen ist, und welche Gegenleistung es dafür gibt, einschl. der Summe, die alternativ gezahlt werden konnte. Und das schon vor Jahren.
Mich wundert immer, wieso die Leute so überrascht sind, daß es Bestechung in ALLEN Sparten auch in Deutschland gibt.
flashback02 (25.02.2008, 09:58 Uhr)
@Malt
Der Juraprofessoren Sex Prozess hat mit Gerhard Schröder genauso wenig zu tun wie mit einem der CDU Spendenskandale, irgendeiner PDS Stasivergangenheit oder FDP Steuerhinterziehung. Hallo? Der Wahlkampf ist vorbei! Kann man Dinge nicht einfach mal als "Mensch" betrachten? Geht einem schon echt auf den Keks, das alles und jeder nur durch die Propagandabrille betrachtet wird. Das ist echt gruselig, fleischgewordene Parteizombies im Internet ^^
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