In Schuhsohlen versteckt sind die Zünder für die Bomben der islamistischen Sauerland-Gruppe nach Deutschland gebracht worden. Doch ob der Jugendliche, der die Ware von Istanbul mit in die Bundesrepublik nahm, von dem Schmuggel wusste, ist unklar - im Prozess gegen die vier mutmaßlichen Terroristen verweigerte er die Aussage.

Die Zünder für ihre Bomben wurden in Schuhen nach Deutschland geschmuggelt: der Angeklagte Atilla Selek (l.) und der Angeklagte Daniel Schneider© Federico Gambarini/DPA
Ein damals erst 15-jähriger Jugendlicher soll im September 2007 die Zünder für die Bomben der mutmaßlichen Sauerland-Terroristen nach Deutschland geschmuggelt haben - in einem Paar Schuhe. Der heute 17-Jährige verweigerte am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf jedoch jede Aussage, weil die Bundesanwaltschaft in der Sache auch gegen ihn ermittelt. Der Deutsche tunesischer Herkunft wollte auch keinen der Angeklagten als Empfänger der Schuhe identifizieren. In früheren Vernehmungen soll er den mutmaßlichen Rädelsführer Fritz Gelowicz auf Fotos als die Person erkannt haben, der er die Plastiktüte mit den Schuhen übergeben hat.
Bundesanwalt Volker Brinkmann kommentierte das Schweigen des Zeugen in ungewohnt scharfen Worten. Ihm sei zwar egal, ob er eine Aussage mache, sagte er an den 17-Jährigen gewandt: "Aber Ihnen sollte es nicht egal sein." Er wisse noch nicht recht, ob er den Zeugen anklagen solle - doch er müsse sich im Klaren sein, wie sein Verhalten gedeutet werden könne. "Daraus kann ich meine Schlüsse ziehen."
Statt des Jugendlichen sagte ein Ermittler des Bundeskriminalamtes aus, der ihn im September 2007 verhört hatte. Erst nach einem Tränenausbruch habe der Junge in einem Vier-Augen-Gespräch zugegeben, die ominöse Tasche bei einer Türkei-Reise in einer Istanbuler Moschee von einem Unbekannten namens "Abu Obeida" erhalten zu haben. Er sei mit dem Fremden ins Gespräch gekommen, weil beide aus Deutschland stammten. Dabei habe ihn dieser gebeten, die Dinge für einen Freund mitzunehmen. Ob der 17-Jährige vom brisanten Inhalt der Schuhe wusste, ging aus der Aussage nicht hervor.
Der Jugendliche brachte die Tüte mit Schuhen und Hose demnach von Istanbul nach Deutschland und erhielt dafür 100 Euro für ein Bus-Ticket. Der Mann, der die Tüte abholen werde, sei ihm als deutsch aussehend beschrieben worden. Nach seiner Rückkehr nach Braunschweig habe ihn dann ein Mann angesprochen, er habe ihm die Tüte übergeben. In den präparierten Schuhsohlen waren laut Anklage 20 Zünder aus tschechischer Produktion versteckt.
Als Reaktion auf das Schweigen des 17-Jährigen hörte der Senat am Mittwoch auch zwei Justizbeamte und einen Dolmetscher als Zeugen. Alle drei gaben an, dass der Jugendliche zuvor im Saal Blickkontakt mit den Angeklagten Gelowicz und Attila Selek aufgenommen und ihnen zugelächelt habe. Mehrere Verteidiger betonten, dass man aus diesem Lächeln nicht auf eine Bekanntschaft zwischen dem Zeugen und den Angeklagten schließen könne. Gegen den 17-Jährigen wird wegen des Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung eines Explosionsverbrechens ermittelt.
Die zum Islam konvertierten Deutschen Gelowicz und Daniel Schneider, der Deutsch-Türke Selek und der Türke Adem Yilmaz wollten laut Anklage mit Autobomben möglichst viele US-Bürger in Deutschland töten. Sie sollen eine deutsche Zelle der Islamischen Dschihad-Union (IJU) gegründet haben. Die Männer müssen sich unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags verantworten. Schneider wird zudem versuchter Mord vorgeworfen, weil er bei seiner Festnahme auf einen Polizisten geschossen haben soll.