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12. November 2007, 07:36 Uhr

Britisches Mädchen klagt Marco an

Schwere Vorwürfe gegen Marco W.: Die englische Schülerin Charlotte will sich mit einem Schlag gegen eine Vergewaltigung durch den deutschen Schüler gewehrt haben. Der Anwalt des 17-Jährigen schloss eine Verurteilung seines Mandanten aufgrund dieser Aussagen jedoch aus.

Der deutsche Schüler Marco W. ist seit Monaten in der Türkei inhaftiert© DPA

Im Verfahren gegen den in der Türkei inhaftierten deutschen Schüler Marco hat der Anwalt der 13-jährigen Britin Charlotte den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung konkretisiert. Charlotte sage, sie habe Zudringlichkeiten Marcos mit einem Schlag abgewehrt, bestätigte ihr Anwalt Ömer Aycan. Sie habe geschlafen, als Marco sich auf sie gedrängt habe. Das Mädchen hatte in Großbritannien amtlich ausgesagt.

Zu einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", wonach Charlotte im Protokoll ihrer Videovernehmung Marco ausdrücklich der versuchten Vergewaltigung beschuldigte, wollte Aycan keine Stellungnahme abgeben. Marcos Anwalt Michael Nagel sagte: "Die öffentliche Diskussion über den Inhalt der Aussagen von Charlotte und Marco dient nicht der Wahrheitsfindung." Ein Jugendverfahren finde aus guten Gründen - nämlich zum Schutz aller Beteiligten - unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Beschwerde in Straßburg angekündigt

Der 17-Jährige Marco aus Uelzen ist angeklagt, in den Osterferien die 13-jährige Britin sexuell missbraucht zu haben. Er bestreitet die Vorwürfe. Weil er seit April in Untersuchungshaft sitzt, haben seine Anwälte für die kommende Woche Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg angekündigt.

Der Vorwurf der Vergewaltigung werde durch die Aussage der 13- Jährigen nicht bestätigt, sagte Nagel. "Eine Verurteilung von Marco auf der Grundlage des Aussageprotokolls ist rechtlich ausgeschlossen." Die Vorwürfe beruhen Nagel zufolge auf einem "großen, folgenschweren Missverständnis". Notwendig sei deshalb eine Versöhnung der Familien statt einer Verhärtung der Fronten.

Charlottes Anwalt hatte den Vorwurf des Missbrauchs und der versuchten Vergewaltigung mehrfach bekräftigt. Bereits im Juni war das Mädchen selbst von mehreren Medien zitiert worden. "Als ich plötzlich zu mir kam, also erwachte, fühlte ich den Beschuldigten auf mir", sagte die Britin demnach. "Ich schubste ihn weg. Dabei bemerkte ich aber eine Feuchtigkeit auf meinem Körper. Danach sind wir zum Arzt gegangen." Die 13-Jährige sagte damals demnach weiter: "Von einer Vergewaltigung kann keine Rede sein. ... Aber das Ganze ist ohne meine Einwilligung geschehen."

Mutter: Marco geht es nicht gut

Einen Bericht von stern.de, dass der Richter Abdullah Yildiz nicht wie beantragt den Prozess abgeben darf, wollte Charlottes Anwalt zunächst nicht bestätigen. Er habe aber etwas Derartiges gehört. Yildiz wollte den Fall abgeben, nachdem die Verteidigung einen Befangenheitsantrag gestellt hatte. Die nächste Verhandlung soll am 20. November stattfinden. Die Anwälte von Marco W. argumentierten, Yildiz habe eine Anfrage an britische Behörden so formuliert, dass der Eindruck entstehen könne, ihr Mandant sei schuldig.

In einem "Spiegel"-Interview sagte die Mutter des 17-Jährigen, dass es ihrem Sohn nicht gut gehe. "Er leidet an Neurodermitis, die sich durch die seelische Belastung jeden Tag verschlimmern kann." Martina W. darf ihren Sohn in der Regel ein Mal pro Woche für zehn Minuten in Haft besuchen.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 110)
 
Nobilitatis (14.11.2007, 18:22 Uhr)
Sachsenwini
Machen Sie sich mal keine Sorgen über den tufang. Der hat normalerweise überhaupt keine substanzielle Meinung. Dafür schimpft er gern auf alle und jeden. Auf gegenteilige Meinungen kann er nicht argumentativ reagieren. Am besten ignorieren.
babysnake (13.11.2007, 12:25 Uhr)
sachsenwini und Schnaafpaaf
Danke für Ihre Erwiderungen. Ich persönlich sehe auch, daß zu Hoffnung, trotz bestehender Beweislage immer noch wenig Anlaß besteht! Die Frage ist nur, wie man Marco auf eine Erfolg versprechende Weise helfen kann. Es wurde einfach auch sehr viel Porzellan zerschlagen durch ungeschickte Einlassungen seitens der Medien und Politiker. Ich würde mir wünschen, daß unsere Politik hier in künftigen Fällen etwas mehr Feingefühl walten läßt.
sachsenwini (13.11.2007, 11:59 Uhr)
@ tufang Sie meinen also,
die Bundesrepublik sollte Überweisungen an Frau Heather Mathers in Oldham leisten damit Charlotte sich plötzlich erinnert, dass sie doch mit Marco auf ihre eigenes Verlangen hin im Bett war und dass sie ihm auch vor Zeugen versichert hätte, dass sie 16 Jahre alt sei?
Dann wäre auch Charlotte nicht mehr traumatisiert und würde wahrscheinlich auch ganz schnell nach Antalya fliegen und vor Gericht aussagen.
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Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Nebenklage darauf hinaus will und dass derartige Fälle in der Türkei stillschweigend so gehandhabt werden. Aber meiner Meinung nach hat dazu der Prozess schon zuviel internationales Interesse erregt, als das man ihm mit so einem Kuhhandel beenden könnte.
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Das erinnert ja schon an den Gefangenenhandel der DDR. Dann wäre auch kein Tourist im Ausland mehr sicher vor Anzeigen und der Menschenhandel könnte zum großen Geschäft werden.
Schnaafpaaf (13.11.2007, 11:57 Uhr)
@babysnake; Empfehlung
Ich stimme Ihnen in Bezug auf den aktuellen "Spiegel"-Artikel zu. In der von Ihnen völlig zutreffend als "angenehm unaufgeregten" Form wird allerdings auch deutlich aufgezeigt, wie ausweglos bzw. verschlimmernd bislang eingelegte Rechtsmittel gewirkt haben. Offen vorgebrachter Protest, gar politischer, und sei er noch so gerechtfertigt nach diesem absurden bislang 7-monatigen Verstoß gegen alle menschlichen und moralischen Vorstellungen von Gerechtigkeit, führt nur zur Verhärtung des Gerichts, sprich des Richters. Und das ist das Ungeheuerliche, dass sich unser Rechtsempfinden und das Schicksal des Marco W. den Befindlichkeiten und dem Gutdünken eines EINZIGEN türkischen Richters zu unterwerfen haben - ohne Ausweg.
tufang (13.11.2007, 11:42 Uhr)
Bundesregierung
Wenn die Bundesregierung die Angelegenheit mit England Diplomatisch nicht regelt egal was es KOSTE dan ist MARCO definitiv 5 Jahre(min.) im KNAST.
Darüber diskotieren ob RICHTIG oder FALSCH oder ob die TÜRKEI richtig handelt sind nur dummes Geschwätz und nütz der Marco nicht.
TG
sachsenwini (13.11.2007, 11:42 Uhr)
@ babysnake … Wenn man die neuesten Veröffentlichungen in der SZ und im Spiegel aufmerksam liest,
kann man in den Kommentaren zwischen den angeblichen Protokollzitaten viel angebrachte Zweifel und viel Ironie herauslesen. Es ist auch gar nicht sicher woher diese Sätze stammen.
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Ömer Aycan wollte dazu keine Stellungnahme abgeben und auch Marcos Anwälte wollten den Bericht nicht kommentieren.
Einer der Anwälte, Matthias Waldraff, sagte: "Wir halten uns an die Vorschriften, dass in einem nicht- öffentlichen Verfahren außerhalb des Gerichtssaals nicht aus Vernehmungsprotokollen zitiert wird."
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In meinem Beitrag vom 12.11.2007, 18:58 Uhr habe ich einige Links zu Veröffentlichungen über die Aussagen Charlottes zusammengestellt.
Beim Vergleich dieser Aussagen muss jedem auffallen, wie aus einem Petting so nach und nach eine Vergewaltigung konstruiert werden soll.
Es werden ein hilfloser schlafender Zustand Charlottes und eine energische Abwehrreaktion betont. Gleichzeitig versucht man die anwesenden Zeugen auszuschalten, da sie wegen Tiefschlaf und schalldichter Balkontür nichts wahrnehmen konnten. Plötzlich finden sich auch Zeugen, die bestätigen sollen, dass Marco das tatsächliche Alter Charlottes wusste.
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Die sieben Monate wurden von der Nebenklage mehr oder weniger geschickt genutzt um alle Details zu Marcos Nachteil umzufrisieren.
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Ich glaube nicht, dass das Gericht darauf hereinfallen würde, wenn überhaupt derartiges dem Protokoll stehen sollte.
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Marcos Anwälte werden sich sicherlich darauf vorbereitet haben und scheinen dem kommenden Prozesstag sehr gelassen entgegen zu sehen.
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Wahrscheinlich hat dieses Mal die Nebenklage doch etwas zu dick aufgetragen.
babysnake (13.11.2007, 10:50 Uhr)
Empfehlung
Meine Empfehlung an die Diskutanten im Forum ist, sich den aktuellen "Spiegel" zu kaufen, der die Geschichte angenehm unaufgeregt und nüchtern darstellt und dennoch die Dimension dieser menschlichen Tragödie erkennen läßt, denn um nichts anderes handelt es sich. Nicht grundlos steht auch in der Headline "...Drama um eine angebliche (!) Vergewaltigung". Warum wohl? Ist der "Spiegel" schlecht informiert? Es gibt nämlich keinerlei Indiz, schon gar keinen Beweis für eine "Vergewaltigung". Es wird sich auch nach sieben Monaten kein "Beweis" mehr herbeizaubern lassen, allenfalls lassen sich noch ein paar präparierte "Zeugen" zu Aussagen überreden. Dennoch finde ich die in den Foren regelmäßig stattfindenden Kultur- und Nationalkriege, in denen auf Andersdenkende mit dumpfen und teilweise demagogischen, unter jedem Niveau befindlichen Parolen eingedroschen wird, als sehr erschreckend. Ich dachte, wir wären weiter! Ich vermisse die Kompetenz, sich an der Sache orientiert auseinanderzusetzen. Alles andere hat hier nämlich nichts verloren.
magic_whispering (13.11.2007, 10:05 Uhr)
und da ist wieder Ömer Ayan
eine Woche vor dem nächsten Verhandlungstag, weiß dieser Winkeladvokat wieder wie das Gericht entscheiden wird.
Ist er Richter und Anwalt der Gegenseite in einem. Gibt er dem Richter Anweisungen wie dieser zu verfahren hat?
Warum wollte dieser Richter sich vom Fall entbinden lassen? Weil Charlottes Aussage in seinen Augen so absurd ist, dass er nicht weiß wie der den Prozess führen soll ohne das Gesicht zu verlieren?
Charlotte ist schon ein Phänomen. Sie schläft urplötzlich ein. Muss sich aber vorher schon zum Schlafen bereit gemacht haben, da sie ja nur Slip und Boxershorts trug oder trägt man in England erst Slip und dann Boxershorts und darüber dann die Jeans?
Sie machte sich also zum Schlafen fertig und schmiß trotzdem nicht Marco raus?
Nun gut sie schlief also urplötzlich ein und bemerkte nicht wie Marco ihr die Shorts und den Slip herunterzog, sie bemerkte auch nicht, wie Marco sich zwischen ihre Beine zu drängen versuchte. Sie wachte aber von einem stechenden Schmerz auf.
Sie schlief so tief und fest, dass sie das Bearbeiten ihres Körpers erst bemerkte, als der stechende Schmerz sie durchzuckte und konnte sofort aus dem Tiefschlaf heraus zuordnen woher der kam. Sie wußte das es nur Marco war, den sie mit der Hand abwehrte und beschimpfte.
Also, merkwürdig. Ich versuche mir das alles visuell vorzustellen.
Wenn ich aus dem Tiefschlaf aufwachen würde und dann registrieren würde, dass sich jemand auf mir zu schaffen machen würde, dann würde ich solaut schreien, dass die Mauern von Jericho von allein zusammenfallen.
Also, was ist los mit den ganzen Menschen, die hier eine Vergewaltigung sehen wollen.
Sie können Charlottes Aussage nachvollziehen ohne sich zu wundern?
Einerseits schlief sie tief und fest ohne etwas mitzubekommen, andererseits war sie aber so hellwach um zu wissen was geschehen ist.
Einerseits schimpfte sie lautstark, andererseits wieder so leise, dass das weder die Freundin auf dem Nebenbett noch die eigene Schwester nebst Freund auf dem Balkon mitbekamen.
Wo sind die ganzen Experten die einen sagen können, ob ein Mensch urplötzlich komatös einschlafen kann und dann aus diesem Zustand genauso plötzlich und vollkommen klar erwachen kann?
Eigentlich müssten die ganzen Vergewaltigungsschreier jetzt erst recht aus einem andern Grunde empört sein. Nicht nur das seit einem halben Jahr die Gerichtsbarkeit und Marcos Familie zum Narren gehalten wird, werden alle anderen Missbrauchs- und Vergewaltigungsopfer der Lächerlichkeit preisgegeben.
Egal was immer geschieht in diesem Fall, Ömer Ayan, weiß immer schon vorher wie das Gericht entscheidet.
sachsenwini (13.11.2007, 09:51 Uhr)
@ Schnaafpaaf und talkingkraut

Euren Kommentaren bleibt kaum noch etwas hinzuzufügen.
Gut formuliert und gut durchdacht, Danke.
Schnaafpaaf (13.11.2007, 08:55 Uhr)
Entwicklungshilfe
Noch etwas zum Thema im weitesten Sinne: In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts durfte ich als 15-jähriger an einem zweimonatigen Schüleraustausch in England (South Wales, Cornwall) teilnehmen. Eine damals 19 Jahre alte ausgesprochen hübsche Engländerin namens Jennifer, eine Bekannte meiner Gastfamilie, hat sich ausgesprochen liebevoll und pädagogisch weiterführend meiner angenommen. Nun gut, meine Eltern waren zwecks Beichte nicht verfügbar und zur Polizei hätten mich dafür auch keine zehn Pferde gekriegt.
Mir käme nie in den Sinn, alle Engländerinnen als leichtlebig zu verteufeln. Das durchaus beglückende Ereignis hätte mir vielleicht auch woanders widerfahren können.
Ich meine, diese Begegnung zweier unerfahrener Jugendlicher ist viel zu hysterisch und hoch gehandhabt worden, und nun dreht sich der Teufelskreis! Und das in einem Kulturkreis, der dem unseren nach wie vor über Lichtjahre entfernt ist!
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