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14. Dezember 2007, 09:55 Uhr

Öger besuchte Marco W. im Gefängnis

Festtage in der Heimat oder Weihnachten im türkischen Gefängnis? Heute wird der Missbrauchsprozess gegen den deutschen Schüler Marco W. fortgesetzt. Seine Verteidigung hofft auf die Freilassung, die Gegenseite erwartet eine lange Haftstrafe. Vor der Verhandlung bekam Marco überraschenden Besuch.

Marco W. hofft auf eine baldige Freilassung. Er sitzt seit Ostern 2007 in Haft© AFP

In Antalya wird heute der Missbrauchsprozess gegen den 17-jährigen Schüler Marco W. aus Uelzen fortgesetzt. Am achten Verhandlungstag wollen seine Anwälte erneut Haftverschonung gegen Kaution beantragen. Man erwarte nicht, dass sich das Gericht bereits inhaltlich mit den Anklagevorwürfen auseinandersetzen werde, wie Anwalt Michael Nagel sagte.

Marco W. befindet sich seit acht Monaten in türkischer Haft. Ihm wird vorgeworfen, sich im Osterurlaub sexuell an einer 13-jährigen Britin vergangen zu haben. Der Schüler spricht dagegen von Zärtlichkeiten im Einverständnis mit Charlotte, die sich als 15-Jährige ausgegeben habe. Marcos Verteidigung will die Ladung des Mädchens verlangen, um es vor Gericht befragen zu können. Sollte am Freitag noch keine Freilassung erfolgen, bedeute dies nicht, dass Marco vor Weihnachten nicht mehr freikomme, hieß es vonseiten der Anwälte. Das Gericht in Antalya hat mehrere Haftbeschwerden sowie einen Befangenheitsantrag gegen die Kammer abgelehnt.

Der Anwalt der britischen Schülerin Charlotte will jedoch die Höchststrafe fordern. Diese betrage für Vergewaltigung 15 Jahre, werde bei Minderjährigen aber auf maximal 10 Jahre verringert, sagte Rechtsanwalt Ömer Aycan Antalya. Aycan widersprach aber einem deutschen Pressebericht, wonach er mit einem Urteil schon an diesem Freitag rechne. Er erwarte, dass der Prozess auf Januar vertagt werde, damit die Verteidigung auf die nun vorliegende schriftliche Aussage des Mädchens reagieren könne. Der deutsche Anwalt von Marco, Michael Nagel, sagte, das Gericht könne bei einem Urteil nur zu einem Freispruch kommen.

Öger zu Besuch bei Marco

Nagel sagte, er habe Marco in der Untersuchungshaft besucht. Der Jugendliche gehe mit Hoffnungen in die Fortsetzung des Prozesses am Freitag. Neben seinem Anwalt bekam Marco am Tag vor der achten Verhandlung überraschend auch Besuch von Vural Öger, Chef des Reiseunternehmens Öger Tours. Wie die "Uelzener Zeitung" berichtet, sei Öger bei Marco gewesen. "Er hat rote Bäckchen und sogar zugenommen", soll Öger anschließend gesagt haben. Marco könne sich mittlerweile mit den Wärtern auf türkisch verständigen und habe sich sogar ein türkisches Kochbuch bestellt. Öger kündigte an, nach der Verhandlung eine Pressekonferenz in Antalya geben zu wollen. Der medienwirksame Besuch des Unternehmers, mehrere TV-Teams hatten darüber berichtet, sorgte für große Irritationen vor Ort. Denn noch ist unklar, warum es Öger gestattet wurde, den Untersuchungshäftling Marco zu besuchen.

Öger sei am Tag der Verhandlung nach Antalya gereist, sagte eine Unternehmenssprecherin zu stern.de. Sie bestätigte den Besuch bei Marco. "Herr Öger versucht zu helfen und zu vermitteln." Weitere Kommentare über die Umstände des Besuches lehnte die Sprecherin ab.

Öger, SPD-Abgeordneter im Europaparlament, hatte sich in den vergangen Wochen besorgt über die lange Haftzeit Marco geäußert. Sie könne sich negativ auf das Reisegeschäft auswirken. "Sie schadet dem Image des Landes und damit auch dem Tourismus", hatte Öger dem "Focus" gesagt. "Die Freilassung am 14 Dezember wäre ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung."

mta/AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
Schnautzibaer (14.12.2007, 15:39 Uhr)
Rund und gsund mit Apfelbäckchen....
Das wäre einmal eine originelle Werbebotschaft 2008: "Mach Urlaub im Türkenknast! Du kommst wohlgenährt mit roten Apfelbäckchen zurück! Verlängerungsmonat gratis im Roulett."
"Er hat rote Bäckchen und sogar zugenommen" - ein für mich unfaßbarer Kommentar eines "deutschen" (allerdings SPD) EU-Abgeordneten zur mehrmonatigen menschenrechtswidrigen Geiselhaft eines an Dermatitis und Asthma leidenden deutschen Jugendlichen.
Vielleicht begreift es jetzt der Konsument und Wähler.
Pengolodh (14.12.2007, 15:30 Uhr)
Öger-Tour
Nun ja, es ist schon verständlich, daß sich der Herr Sorgen um's Geschäft macht, zur Attraktivität eines Urlaubslandes trägt sowas ja sicher nicht bei (bei mir selbst hat das nur deshalb keine Auswirkungen, weil ich auch vorher nicht auf die Idee gekommen wäre, in Ländern wie Türkei, Ägypten oder Israel Urlaub zu machen).
Nun gut, vielleicht erreicht er etwas im Geschäftsinteresse und mit geschäftsüblichen Methoden (kein Vorurteil hier, sowas kann Siemens bekanntlich auch gut). Ein Triumph des Rechts wäre das doch aber, realistisch betrachtet, auch nicht, oder?
Sunriser (14.12.2007, 14:55 Uhr)
Niveau HERAUFsetzen
sollte es natürlich heißen...
Sunriser (14.12.2007, 14:53 Uhr)
Na Klar... Mupfeline und Sachsenwini
Als ich heute meinen täglichen Besuch bei Stern abgestattet habe, um mich über die Nachrichten am laufenden zu halten, was so alles auf der Welt passiert, habe ich gewusst, dass sicherlich etwas über Marco geschrieben wird.
Und mich hats doch nicht verwundert, dass Sie beiden wieder an dem Marco Thema rege beteiligt sind und ständig ihre selbe Leier hier herunterbeten..
Sagen Sie doch mal ehrlich, sind Sie vom Stern beauftragt worden, hier soviel darüber zu schreiben? So wie viele Unternehmen Blogger beauftragen, Blogs und Kommentare zu schreiben? Der Verdacht kommt doch sehr nahe, finden Sie nicht?
Und liebe Stern.de Reaktion, Sie selber provozieren doch mit solchen "Bild-Niveau" Artikeln solche Kommentare, die NICHT sachlich bleiben, ich weiß jetzt nicht, was genau hier geschrieben worden ist, aber vielleicht sollten Sie zuerst einmal das Niveau Ihrer Artikel wieder herabsetzen, bevor Sie das von einigen kranken Lesern verlangen. Wäre schön, hier auch mal wieder eigene Artikel zu lesen als ständige DPA Pressetexte. Wenn Ich DPA lesen möchte, gehe ich auf www.dpa.de
Wie auch immer, neben Herrn Ögers Unterstützung bei Gericht wäre es auch ein guter Schachzug, wenn Herr Öger die Eltern von Marco kostenlos in seinen Hotels unterbringt und auch fliegen lässt, so wie es aussieht, wissen die Eltern ja nicht, wo es vorne und hinten mit dem Geld klappen soll. Es wäre schön, wenn er sich in die Richtung auch engagieren könnte, ob jetzt 1 Zimmer mehr oder weniger in seiner Rechnung, spielt für ihn sicherlich auch keine Rolle mehr, also Herr Öger, wenn Sie das hier lesen, dann probieren Sie es doch vielleicht mal aus...
mupfeline (14.12.2007, 13:30 Uhr)
@sachsenwini
Ein altes Sprichwort dazu:
"Die Kunde hört ich wohl - allein mir fehlt der Glaube!" :)
Eine verfahrene Kiste in jeder Hinsicht ist es allemal. Für ALLE Beteiligten wahrscheinlich ...
sachsenwini (14.12.2007, 12:29 Uhr)
@ mupfeline Vielleicht verbringt Marco seinen nächsten Urlaub
mit der Familie und seinem Anwalt auf Einladung und Kosten der türkischen Regierung in einem Luxushotel an der türkischen Riviera oder im Topkapi Palast in Istanbul in Gemächern zu denen frühreife englische Schülerinnen und ihre Mütter keinen Zugang haben.
.
Es wäre zwar keine Entschädigung für die Justizwillkür aber doch eine schöne Geste
mupfeline (14.12.2007, 12:13 Uhr)
@oekonom
Na ein bisschen haben Sie aber vergessen. Zum Beispiel dass nur "belastendes Beweismaterial" "gesichtet" wurde, dass es mehrere sich widersprechende Gutachten gibt, dass der Arzt der das Mädel zuerst untersuchte das Wort "Gewalt und Gewaltanwendung" nicht hörte weil es laut Aussage Mädchen keine Gewalt gab und so weiter ... also wenn Sie schon lange Postings schreiben dann bitte nicht ganz so einseitig.
Der Öger-Konzern hat erst vor einigen Tagen um seine Buchungszahlen gefürchtet, insofern verstehe ich den Besuch des Herrn Öger schon - aber dann möge er auch den A* in der Hose haben und zugeben dass es um das Geschäft geht - und nicht um irgendwelche wehleidigen Gefühlchen.
Ob der junge Mann irgendwann - was weiss ich, wie lange er absitzen muss - frei kommt das weiss ich nicht. Auch nicht ob er seine neu erlernten Türkisch-Kenntnisse anwenden kann ober nicht ... aber eines glaube ich vorhersagen zu können: Seinen nächsten Urlaub wird er wohl woanders verbringen!
sachsenwini (14.12.2007, 12:13 Uhr)
@ oekonom … das ganze Verfahren ist eine bewusste Rache und Schlamperei des Gerichtes in Antalya

und ein Willkürakt des Anwaltes der Nebenklage.
.
Dass es weder einen Geschlechtsverkehr noch gar eine Vergewaltigung gab, wussten die Ermittler in Antalya bereits im April.
Charlotte hatte das glaubhaft vor dem Staatsanwalt und dem Krankenhausarzt Levent Hekim
ausgesagt. Bei der missglückten Liebesnacht waren drei weitere Zeugen in diesem Hotelzimmer von denen lediglich der 17- jährige Sascha G. wurde vor Gericht geladen. Er sagte am 8. August vor Gericht aus, dass von einer Vergewaltigung oder sonstiger Gewaltanwendung keine Rede war und dass sich Charlotte zum Schluss noch von Marco freundschaftlich verabschiedete.
.
Wenn das alles dem Gericht und dem Anwalt für ein Urteil nicht genügte, dann hätte es einmal Charlotte vor Gericht laden müssen, und ihr Anwalt Ömer Aycan hätte sie nicht daran hindern dürfen.
Den englischen Behörden ist kein Vorwurf zu machen, da sich das Gericht in Antalya erst ende September mit einem Amtshilfeersuchen an die britische Justiz wandte.
.
Wer hier von einem normalen fairen Prozess faselt für dem ist die Erde noch eine Scheibe.
oekonom (14.12.2007, 11:57 Uhr)
Ich verstehe manche Meinungen nicht...
Wenn ein Mann in Deutschland ein Kind missbraucht haben soll, so schreit jeder es muss wieder die Todesstrafe eingeführt werden ....
Tatsache ist, dass in jedem Rechtsstaat, auch in Deutschland, der (angebliche) Täter, die Unschuldsvermutung zählt bis ein ordentliches Gerichtsurteil rechtskräftig geworden ist, in Untersuchungshaft kommt. Für die Untersuchungshaft gibt es Ausnahmen, nämlich dann, wenn weder Verdunklungs- noch Fluchtgefahr besteht. Damit eine Fluchtgefahr nicht besteht, ist ein fester Wohnsitz, in dem Land erforderlich, in dem die (angebliche) Tat begangen wurde.
Nach dieser Logik ist die Türkei ein Rechtsstaat. Denn würde sie einen Deutschen freilassen, nur weil er Deutscher ist, dann würde sie gegen alle rechtsstaatlichen Prinzipien handeln.
Die türkischen Richter müssen also das Verfahren und hier insbesondere die Aussage des Mädchens abwarten.
Wenn hier jemand gegen irgendeine Partei aufschreien möchte, dann sollte man sich über das zähflüssige Handeln der englischen Behörden aufregen. Warum hat England nicht sofort reagiert und die Befragung der Charlette sofort an die Türkei weitergeleitet? Muss das Kind noch erst massiv beeinflusst werden, um evtl. falsche Tatsachen als richtig anzuerkennen? So hat wohl Charlette immer behauptet, dass sie die Liaison wollte, der Prozess wurde in erste Linie von Ihrer Mutter angestrengt, vielleicht weil diese nicht versteht, dass Ihrer 13jährigen Tochter, der Wunsch zur der Nähe zu einem jungen Mann, im Herzen stand?
Meiner Meinung liegt die Sache etwas anders. Gerade in den USA und in Großbritannien spricht man oft noch von Nazideutschland. Zugegebener weise , bei einem Innenminister wie Schäuble kann man denen noch nicht einmal einen Vorwurf machen.
Bekannt ist auch, dass in den britischen Medien immer wieder Stimmung gegen Deutschland gemacht wird. Liegt es da nicht näher, dass man vermuten könnte es werde ein Exempel gegen einen Kraut statuiert, der es gewagt hat ein englisches Kind zu missbrauchen? Wasser wurde hier noch auf die Mühlen gegossen, dass ich einzelne deutsche Politiker großkotzig in das Verfahren einmischten und die EU-Anträge ins Feld führten. Dieser ganze Prozess hat sich zu einem Politikum hochstilisiert. Das dabei eine mögliche, in den Augen der Eltern, Juristen, Politiker "verhinderungswürdige", Liaison zweier Minderjähriger Ausschlag gab, ist nicht mehr von Bedeutung. Insofern kann das Engagement des Herrn Öger dem Ganzen seine Spitze nehmen. Die Türkei hingegen ist, durch die politischen Angriffe, gezwungen ein streng rechtstaatliches Verfahren durchzuziehen. Für Marco bedeutet dieses, er wird noch besser türkisch sprechen, wenn er eines Tages wieder nach Deutschland kommt.
Redaktion (14.12.2007, 11:56 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Diskussion. Wir mussten an dieser Stelle leider einige Kommentare entfernen, da sich die entsprechenden User im Ton vergriffen haben. Dabei haben wir dann auch die sich darauf beziehenden Antworten entfernt, um den Kontext nicht zu verfälschen.
Unsere Bitte: Bleiben Sie sachlich in Ihrer Diskussion.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Redaktion
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