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16. Januar 2012, 14:01 Uhr

Angeklagte bestreiten Brandanschlag auf Migranten

Haben Mitglieder der rechten Szene Feuer an einer Hütte gelegt, um Migranten zu töten? Dies soll ein Prozess in Stuttgart klären. Die Staatsanwaltschaft geht von Ausländerhass als Motiv aus.

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Nach einem Streit zwischen einer Gruppe aus der rechten Szene und Migranten flüchteten fünf der Ausländer in die Gartenhütte, die daraufhin niedergebrannt wurde© Bernd Weissbrod/DPA

Im Prozess um einen Brandanschlag auf Migranten im baden-württembergischen Winterbach (Rems-Murr-Kreis) haben zwei mutmaßliche Täter den Vorwurf des versuchten Mordes zurückgewiesen. Sie seien während der Brandstiftung nicht an der Hütte gewesen, beteuerten die 21 und 22 Jahre alten Männer am Montag vor dem Landgericht Stuttgart.

Die Anklage wirft ihnen dagegen vor, am 10. April 2011 ein Gartenhaus angezündet zu haben, in das zuvor mehrere Männer geflohen waren. Die Migranten erlitten Rauchvergiftungen. Die Hütte brannte nieder, es blieben nur einige verkohlte Reste. Die Staatsanwaltschaft sieht einen ausländerfeindlichen Hintergrund (3 Kls 3 Js 31114/11).

Die beiden Angeklagten sagten im Prozess, sie seien zwar zunächst zur Hütte gelaufen, dann aber wieder weggegangen, weil niemand dort gewesen sei. Erst, als sie rechte Parolen gehört hätten, seien sie zum Tatort zurückgekehrt. Da habe die Hütte bereits gebrannt. Wer den Brand gelegt hat und dass Opfer nahe der Hütte verprügelt wurden, hätten sie nicht gesehen.

Eskalation bei einer Gartenparty

Der Vorsitzende Richter Joachim Holzhausen forderte die Angeklagten auf, ihre Aussage zu überdenken. Es sei klar, dass zahlreiche Menschen zu der Zeit an der Hütte gewesen seien. "Das wollen Sie nicht gesehen haben?", fragte er mehrfach. Schon bei einer Verurteilung wegen Körperverletzung könnten die jungen Männern Gefängnisstrafen ohne Bewährung erhalten.

Laut Anklage waren die beiden Männer Gäste einer Geburtstagsfeier im Grünen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die rund 70 Feiernden vorwiegend "der rechten Szene zuzuordnen" waren. 10 bis 20 Gäste sollen auf dem Nachbargrundstück mehrere junge Männer ausländischer Herkunft angegriffen haben.

Fünf Migranten flüchteten in eine Gartenhütte. Diese soll der 21-Jährige mit einem brennenden Stock angezündet haben, während der 22-Jährige neben ihm gestanden haben soll. Ermittelt wird insgesamt gegen rund 40 Verdächtige. Die beiden Angeklagten stehen als erste vor Gericht. Sie hatten kurz nach der Tat eingeräumt, an der Hütte gewesen zu sein.

Der Anschlag hatte eine Welle der Empörung ausgelöst. Eine Woche nach der Tat demonstrierten 800 Menschen in Winterbach gegen Rechtsextremismus. Beide Männer sitzen seit Mai 2011 in Untersuchungshaft. Für den Prozess vor der 3. Großen Jugendkammer sind zunächst 31 Verhandlungstage bis zum 23. Mai angesetzt.

DPA
 
 
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