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13. Oktober 2008, 17:32 Uhr

Eine Million Euro für geliebte Hure

Die Liebe zu einer Prostituierten hat für einen Beamten schlimme Konsequenzen. Der Wohngeldsachbearbeiter aus Ulm hatte der Frau knapp 600.000 Euro aus der Staatskasse und Hunderttausende aus der eigenen Tasche überwiesen. Der Betrug flog auf. Nun wurde der 47-Jährige verurteilt. Von Malte Arnsperger, Ulm

Ein Beamter war einer Prostituierten so verfallen, dass er ihr hunderttausende Euro überwies© Henning Kaiser/DDP

Das bittere Ende einer tragischen Liebesgeschichte: Weil er einer Prostituierten illegal knapp 600.000 Euro aus der Staatskasse zukommen ließ, ist ein Beamter der Stadt Ulm am Montag zu einer vierjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der Wohngeldsachbearbeiter Klaus Müller (Namen geändert) hatte zwischen März 2003 und Dezember 2004 Wohngeldbescheide gefälscht und der Hure Lisa (Namen geändert) das Geld in insgesamt knapp 300 Einzelbeträgen überweisen lassen. Der 47-Jährige hatte vor Gericht ein umfassendes Geständnis abgelegt. "Ich hatte mich in sie verliebt und wollte sie aus dem Milieu herausholen", sagte Müller.

Treffen wurden immer seltener

Müller hatte die Prostituierte 1998 kennen gelernt. Um seine Besuche und seine Beziehung mit ihr zu bezahlen, hatte er sein Haus verkauft und einen Kredit aufgenommen. Auch gab er der heute 31-Jährigen Geld, damit sie Schulden abbezahlen konnte. Da sein Privatvermögen im Jahr 2003 aufgebraucht war, begann Müller damit, Wohngeldempfänger zu erfinden. Seine große Liebe Lisa trug er als Empfängerin des Geldes ein. Klaus Müller sagte aus, dass er sehr schüchtern und gehemmt sei und nie eine Freundin gehabt habe. Sein Ziel sei gewesen, mit der Hure eine richtige Beziehung einzugehen. "Ich habe mich bei ihr wohl gefühlt."

Obwohl die Treffen mit Lisa immer seltener wurden und sie in der Zwischenzeit ein Bordell im rund 100 Kilometer entfernten Kempten eröffnet hatte, steigerte sich Müller immer mehr in die einseitige Beziehung zu der Prostituierten. "Ich war gefangen. Ich konnte emotional nicht mehr aus der Geschichte aussteigen," sagte Müller. Im Dezember 2004 stoppte Müller den Betrug mit dem Wohngeld, da nach der Hartz-IV-Reform größere Überweisungen aufgefallen wären.

In der Folgezeit überwies der Beamte der Prostituierten einen Großteil seines Gehaltes, arbeitete nebenher als Zeitungsausträger und gar als Putzhilfe, um Geld für sie aufzubringen. Lisa wohnte in dieser Zeit in Deutschland, Kontakt zu Klaus Müller fand nur noch sporadisch statt.

Im April 2008 flog der Wohngeldbetrug auf, da ein ehemaliger Liebhaber der Prostituierten eine Anzeige erstattete. Insgesamt hatte die Frau in den zehn Jahren fast eine Million Euro aus dem Privatvermögen Müllers und dem Wohngeld bekommen.

Verminderte Schuldfähigkeit

Ein psychiatrischer Gutachter attestierte Klaus Müller vor Gericht verminderte Schuldfähigkeit. "Er ist massiv beziehungs- und kontaktgestört. Er hat nur noch für diese Beziehung gelebt", sagte der Psychiater.

Das Gericht folgte in seinem Urteil fast vollständig dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Vorsitzende Richter Reiner Gros wertete das Geständnis und die Persönlichkeitsstörung des Angeklagten als strafmildernd. "Sie haben aber ihre dienstliche Stellung missbraucht. Das hätten sie nicht tun dürfen", sagte Gros.

Müllers Anwalt Jürgen Filius bezeichnete das Urteil als hart, aber akzeptabel. Über einen Revisionsantrag werde er in den kommenden Tagen mit seinem Mandanten sprechen. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, verliert Müller seine Beamtenstellung sowie seine Pensionsansprüche. Der 47-Jährige hat ein Schuldeingeständnis unterschrieben, ist also verpflichtet, die knapp 600.000 Euro Schaden zu begleichen.

Von Malte Arnsperger, Ulm
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Gisella (14.10.2008, 11:26 Uhr)
@arniston
-gleiches habe ich gestern auch schon geschrieben- da ich aber namen nannte, hat man es gelöscht.-Ich weiss nur eins-die langwierige "Anhörung" eines US Presidenten hat dem Steuerzahler Millionen gekostet, so dieser Inlandsfu..... hat es noch "billig" angehen lassen.
arniston (14.10.2008, 10:35 Uhr)
aufgefallen
der arme kerl, bei manchen wird die liebe anders verteilt,
die werden präsidenten und kanzler,
oder aussenminister oder ......
sportartmakler (14.10.2008, 09:27 Uhr)
schwanzgesteuert trifft es wohl nicht
einen dachschaden muß er in jedem fall haben. haus verscherbeln und nebenjobs machen nur um die vermeintlich geliebte halten zu können? würden bessere kontrollen stattfinden hätte der mann das spielchen nie so lange betreiben können. die frau gehört mindestens genauso bestraft. schließlich war sie sein antrieb und anscheinend alleinige nutznießerin.
Sublucem (14.10.2008, 07:33 Uhr)
Es ist eben immer einfacher...
... irgendwas zu fordern bis man selbst Opfer wird. Ich gönne allen, die mit dem Hammer draufhauen, exakt die Härte, die sie fordern und die es teils schon gibt. Man sieht es in den Gerichten regelmäßig, wie sie einknicken - ist fast zu süß ;)
520i (13.10.2008, 22:18 Uhr)
Bei aller Unverständnis...
...aber die gemilderten Umstände sind doch wohl wirklich in diesem Fall gegeben. Der Typ muss ja wohl eine abnormale Störung haben wenn er sogar sein Haus verscherbelt.
Er ist psychisch krank und beging seine Handlungen irrational und ohne die Folgen abzuschätzen. Ich weiß nicht warum dann einige hier so draufhauen.
manesse (13.10.2008, 22:16 Uhr)
Das nenne ich:
Wa(h)re Liebe!
Stern-Leser24 (13.10.2008, 21:29 Uhr)
@Joe6Pack
Prozess für die Vorgesetzten, kann man doch nicht machen... Dann würde ja rauskommen, dass noch einige andere Gelder für Vergnügungen aller Art veruntreut haben.
CeeTo (13.10.2008, 20:37 Uhr)
-.-
"verminderte Schuldfähigkeit".
Haha, das bekommt man ja für jeden scheiß. Zumindest weiß ich worauf ich mich - für den Fall dass ich mal vor Gericht muss - berufen kann.
Gisella (13.10.2008, 20:33 Uhr)
In den USA
gibt es ein Gesetz, dass die Mittäterschaft genauso hart bestraft. -Wie das hier in Deutschland gehandhabt wird, weiss ich nicht.
Clibanarius (13.10.2008, 20:17 Uhr)
Und was ist...
...mit der käuflichen Dame, die letzendlich die alleinige und einzige Nutzniesserin war und anscheinend noch ist? Sie muss doch von dem ganzen Betrug gewusst haben. Denn, wenn eine Stadtverwaltung Zahlungen auf ein Konto leistet, steht das i.d.R. Fett auf dem Kontoauszug - Unwissenheit schützt hier dann nicht vor Strafe, denn sie musste ja deutlich erkennen, daß sie zu Unrecht Zahlungen aus der Stadtkasse erhielt. Oder zählten zu ihrer Kundschaft mancher der beteiligten hohen Herren, die Angst um ihr sauberen Ruf haben?
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