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30. Januar 2008, 15:36 Uhr

Sex für gute Noten, Geld für Doktortitel

In Hildesheim steht ein Professor wegen Bestechlichkeit in 78 Fällen vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, gegen sexuelle Dienste bessere Noten vergeben zu haben und gegen Honorar promotionswilligen Juristen Doktortitel zugeschanzt zu haben - ein lukratives Geschäft.

Der angeklagte Jura-Professor wartet mit seiner Anwältin Annette Voges in Hildesheim auf den Prozessbeginn.© Nigel Treblin/DDP

Wegen eines schwunghaften Handels mit Doktortiteln müssen sich ein Jura-Professor sowie ein kommerzieller Vermittler vor dem Landgericht Hildesheim verantworten. Die Anklage legt dem Professor Bestechlichkeit in 78 Fällen zur Last. Der 53-Jährige soll Juristen serienweise zur Promotion verholfen haben, obwohl sie nicht die nötigen Voraussetzungen erfüllten. Dafür habe er mehr als 184.000 Euro kassiert.

Mitangeklagt ist eine Studentin, die gegen Sex bessere Noten und einen Job am Lehrstuhl erhalten haben soll. Die Verhandlung wurde nach Verlesen der Anklage vertagt, da die Verteidigung die Besetzung des Gerichts gerügt und die Zuständigkeit der Wirtschaftsstrafkammer angezweifelt hatte.

Ein ausgeklügeltes System

Der mitangeklagte 52-jährige Chef einer Wissenschafts-Beratungsgesellschaft soll promotionswillige Juristen aus ganz Deutschland - darunter auch einen Sozialrichter - an den Professor der Universität Hannover vermittelt haben. Dieser erhielt für die Annahme eines Doktoranden ein Honorar von 2050 Euro. Nach erfolgreichem Abschluss folgte eine zweite Rate in gleicher Höhe. Die Rechnungen wurden unter dem Namen der Ehefrau des Professors an das Wissenschaftsunternehmen gestellt. Sie nahmen Bezug auf eine angebliche Beratertätigkeit oder freie Mitarbeit. Die Beträge wurden laut Anklage zumeist auf das Konto des Vaters des Angeklagten überwiesen, teilweise auch auf das Konto der Studentin.

Der Chef der Beratungsgesellschaft soll von den Kandidaten für die Vermittlung bis zu 22.000 Euro erhalten haben. Diese Zahlungen sind allerdings nicht Gegenstand der Anklage. Der Handel mit den Doktortiteln soll laut Staatsanwaltschaft von Oktober 1996 bis Mai 2005 gelaufen sein.

Zwei weitere Beteiligte

Das Verfahren gegen einen weiteren Beteiligten der Beratungsgesellschaft wurde abgetrennt, da der Mann aufgrund einer Krankheit derzeit nicht verhandlungsfähig ist. Ursprünglich war noch eine weitere Studentin mitangeklagt, die sich ebenfalls auf den Professor eingelassen haben soll. Gegen Zahlung von 1.800 Euro sei das Verfahren gegen die 31-Jährige aber vorläufig eingestellt worden.

Der Jura-Professor sitzt seit September vorigen Jahres in Untersuchungshaft. Das Gericht hat insgesamt 17 Verhandlungstage anberaumt, der Prozess wird am Aschermittwoch fortgesetzt.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
guinness.1 (31.01.2008, 18:42 Uhr)
Silbador - ja, leider, bei großen Unternehmen
Sie haben - leider - Recht.
Bei größeren Unternehmen oder anderen Institutionen ist das leider so.
Diese Leute fallen dann allerdings immer schnell auf durch ihr arrogantes Gehabe, mit dem sie versuchen, ihr Nichtwissen zu verbergen.
NeoBa (31.01.2008, 10:11 Uhr)
sowas dummes aber auch
... da gibts sicher noch einige, die etwas intelligenter sind und sich nicht erwischen lassen.
Nebu (31.01.2008, 07:32 Uhr)
Na sowas aber auch
Dieser Umstand gefällt mir besonders: "Ursprünglich war noch eine weitere Studentin mitangeklagt, die sich ebenfalls auf den Professor eingelassen haben soll. Gegen Zahlung von 1.800 Euro sei das Verfahren gegen die 31-Jährige aber vorläufig eingestellt worden."
@Midnight_74
Ich nehme an das der Prof, zwar ein Prof für Jura ist, aber keine Genehmigung zum Anwalt sein hat.
Kalox (30.01.2008, 22:10 Uhr)
@silbador
Das hat doch mit diesem Fall nix zu tun. Die Studentin entspricht doch genau dem von guiness.1 geschilderten Zustand, hat sich vom Prof. doch anschließend gleich noch einen Job "erarbeitet".
Midnight_74 (30.01.2008, 22:00 Uhr)
Experte...?
Kann es sein, dass der selber nix kann oder weshalb benötigt ein Jura-Professor eigentlich eine Anwältin...!?!
Silbador (30.01.2008, 21:23 Uhr)
@guinness.1
Das kann ich so nicht stehen lassen.
In einem (dem) Chemieunternehmen (Hauptwerk steht am Rhein) kenne ich mehrere Akademikergurken, die sehr gut bis ans Ende des Arbeitslebens durchkamen oder noch auf dem Weg sind.
guinness.1 (30.01.2008, 19:32 Uhr)
Wirklich nix Neues!
Daß sich Studentinnen mit Professoren kurz vor dem Abschluß einlassen, um gute Abschlussnoten zu erhalten, ist ja nun wirklich nix Neues. Und daß es in jedem Studienfach "Ghostwriter" für die Diplom- und Doktorarbeiten gibt, und was das kostet, weiß auch jeder Student. Das war auch schon früher so.
Aber : So eine(r) kommt dann halt nicht sehr weit in der realen Welt, wo tatsächliche Leistung zählt.
flodo (30.01.2008, 19:00 Uhr)
Was das für Studentinnen sein mögen...
...ist doch klar: Das werden irgendwelche reichen, verwöhnten Gören sein, die zwar nix an Hirn, dafür aber mächtig was von Papis Geld in der Tasche haben.... tz tz. Ein Glück, dass es aufgeflogen ist.
Malt (30.01.2008, 18:14 Uhr)
Hehe...
...hab' ich mir auch gedacht. Und in Wolfsburg gehört das doch sogar zum guten Ton. Nur die geben sich nicht mit so nem Taschengeld ab...
saulus (30.01.2008, 17:50 Uhr)
Und ich dachte
so etwas gibt es nur in Berlin.
 
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