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30. Januar 2012, 19:52 Uhr

Mutter sagt aus - gefasst, tapfer, nicht öffentlich

Die Mutter der in Krailling ermordeten Mädchen sagt aus, der Angeklagte muss währenddessen den Gerichtssaal verlassen. Auch Zuschauer werden ausgeschlossen. Doch die Frau ist "gefasst und tapfer".

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Musste bei der Aussage der Mutter der Opfer den Saal verlassen: der angeklagte Thomas S.© Frank Leonhardt/DPA

Immer wieder kämpft sie mit den Tränen, aber sie steht die Vernehmung durch: Abgeschirmt von der Öffentlichkeit hat am Montag die Mutter der beiden in Krailling ermordeten Mädchen vor dem Landgericht München ausgesagt. Sichtlich mitgenommen, aber gefasst, habe die 42-Jährige geschildert, wie sie am frühen Morgen des 24. März ihre toten Kinder in der Wohnung fand, berichtete Oberstaatsanwältin Andrea Titz aus der Sitzung. "Sie ringt um Fassung, sie ringt um Worte, sie weint." Dennoch habe die Vernehmung nicht unterbrochen werden müssen. "Sie ist sehr um Fassung bemüht", sagte Titz. "Sie macht einen tapferen Eindruck."

Eine Konfrontation mit dem mutmaßlichen Mörder ihrer Kinder blieb der Frau erspart: Auf Beschluss des Gerichts musste der angeklagte Onkel der Schwestern während der Vernehmung den Saal verlassen.

Angeklagter verfolgt Aussage über Video

Es bestehe sonst die Gefahr, dass sich der Gesundheitszustand der Frau verschlechtere und sie erneut traumatisiert werde, sagte der Vorsitzende Richter Ralph Alt. Der Angeklagte verfolgte die Vernehmung per Videoübertragung in einem anderen Raum. Die Mutter und ihr Lebensgefährte hatten die Leichen der achtjährigen Chiara und der elfjährigen Sharon blutüberströmt in der Wohnung der Frau gefunden, als sie am frühen Morgen von der Arbeit in der nur 50 Meter entfernten Musikkneipe des Freundes nach Hause kamen.

Im zweiten Stock habe sie "auf ihrem eigenen Bett liegend ihre Tochter Chiara gefunden", berichtete Titz weiter. Das Kind habe kein Lebenszeichen mehr gezeigt. Im unteren Stockwerk, auf dem Boden in Chiaras Zimmer, habe sie dann Sharon entdeckt.

"Öffentlichkeit ist Teil ihres Traumas"

Die Mutter wurde über einen nicht-öffentlichen Eingang in den Gerichtssaal geführt, den schon morgens Schaulustige belagerten. Der vom Gericht bestellte Psychologe Günther Lauber sagte am Morgen in seinem Gutachten, eine öffentliche Aussage sei der Mutter nicht zuzumuten. "Die Öffentlichkeit ist für sie ein Teil des Traumas." Auch eine Vernehmung in Anwesenheit des Angeklagten bedeute mit Sicherheit eine massive Stressbelastung.

Der 51-jährige Onkel der Kinder muss sich seit dem 17. Januar wegen Mordes an seinen Nichten verantworten. Der Anklage zufolge wollte der verschuldete Familienvater auch die Mutter - seine Schwägerin - töten, um so an ein Erbe zu kommen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft fasste er den Mordplan, als sich die finanzielle Lage seiner eigenen Familie mit vier Kindern zuspitzte. Der Mann hat bisher vor Gericht geschwiegen.

dho/DPA
 
 
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