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26. Februar 2010, 09:41 Uhr

Komplize gibt Entführung des Anlageberaters zu

Im Prozess gegen drei Rentner wegen der spektakulären Geiselnahme eines Anlageberaters hat ein Komplize ein Geständnis abgelegt.

Es war also doch keine Einladung zu ein paar Tagen Urlaub in Oberbayern, sondern eine Geiselnahme: Ganz anders als der Hauptangeklagte zu Prozessbeginn schilderte am Donnerstag der Komplize die Entführung eines Anlageberaters im Juni 2009. Dabei ging es der Anklage zufolge in einer Art Selbstjustiz um die erpresserische Rückforderung von 2,4 Millionen Euro. In einer schriftlichen Erklärung gab der 61-Jährige vor dem Landgericht Traunstein unumwunden zu: "Ich räume meine Beteiligung an der Entführung ein." Er entschuldigte sich bei dem Opfer.

Zwei Ehepaare und ihr Komplize im Alter von 61 bis 80 Jahren sollen ihren Anlageberater im Juni 2009 im Keller eines Hauses nahe dem Chiemsee tagelang als Geisel genommen haben. Sie wollten so ihr Geld zurückbekommen, das der Finanzberater in den USA mit bis zu zwölf Prozent Zinsen angelegt hatte, glaubt die Staatsanwaltschaft. Das Opfer wurde nach vier Tagen von einem Sondereinsatzkommando der Polizei befreit. Gegen einen 67-jährigen Angeklagten kann derzeit nicht verhandelt werden, er ist erkrankt.

Die Vernehmung des Komplizen liefert ein ganz anderes Bild von der Geiselnahme als es der Hauptangeklagte zu Prozessbeginn vor gut zwei Wochen geschildert hatte. Damals sagte der 74-Jährige aus, der Anlageberater sei nicht mit Gewalt von Speyer nach Chieming gebracht worden, sondern "war als unser Gast zu uns nach Hause eingeladen". Laut Anklageschrift wurde der 57-Jährige aber in seiner Wohnung gefesselt, in eine vorbereitete Transportkiste gesteckt und im Kofferraum zum Chiemsee gebracht - alles sei akribisch von dem 74- jährigen Hausbesitzer vorbereitet gewesen.

Die Schilderung des Komplizen kommt der Tatversion der Staatsanwaltschaft ziemlich nahe. Ohne Umschweife räumte der 61- Jährige ein, von dem Rentner gedrängt worden zu sein, sich an der Geiselnahme zu beteiligen. Er habe den Finanzberater aber nicht geschlagen, sagte der frühere Mitarbeiter des Opfers aus. Auf der rund fünfstündigen Fahrt habe er sogar beruhigend auf den Gefangenen eingeredet, "du musst jetzt schlafen". Von geladenen Waffen im Haus des mutmaßlichen Drahtziehers will der Angeklagte nichts gewusst haben. Auch seien keine Todesdrohungen ausgesprochen worden.

In mehreren E-Mails an seine Frau beschrieb der in Hamburg geborene US-Amerikaner die Geiselnahme im Küchendeutsch: "Die Kartoffel ist bald gar", heißt es an einer Stelle, oder "die Kartoffel kann bald gepellt werden". Gemeint war der in einem Kellerverlies eingesperrte Anlageberater, der in stundenlangen Gesprächen - die Staatsanwaltschaft nennt es Femegericht - zur Zahlung der Millionen gezwungen werden sollte.

Beide angeklagten Ehefrauen ließen am Nachmittag von ihren Verteidigern Erklärungen verlesen, wonach sie die Entführung bedauerten. Die 80 Jahre alte Frau des Drahtziehers ergänzte zu ihrer Tatbeteiligung: "Wenn ich gewusst hätte, dass wir alle im Gefängnis landen, hätte ich das Haus verlassen." Sie habe aber keine Chance gehabt, sich gegen ihren dominanten Mann zu wehren. Die Frau des verhandlungsunfähigen Arztes - selbst Medizinerin - sprach vom "schwersten Fehler meines Lebens". Zum Tatablauf schwiegen beide.

Nach ersten Zeugenvernehmungen am 9. März, dem dritten Verhandlungstag, soll der entführte Anlageberater am 16. März gehört werden. Die Urteile werden von der 2. Strafkammer des Traunsteiner Landgerichts voraussichtlich am 23. März verkündet.

Paul Winterer, DPA
 
 
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