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Aus Männern werden Professorinnen

Die altehrwürdige Uni Leipzig beschließt eine revolutionäre Reform: Künftig sind nur noch weibliche Titel erlaubt - auch Männer heißen nun "Professorin". Dieses Mal sind keine Feministinnen schuld.

  Audi-Max der Universität Leipzig: Die Hochschule schafft den Titel "Professor" ab - wie alle anderen männlichen Bezeichnungen.

Audi-Max der Universität Leipzig: Die Hochschule schafft den Titel "Professor" ab - wie alle anderen männlichen Bezeichnungen.

In der neuen Verfassung der Universität Leipzig sollen künftig nur noch weibliche Bezeichnungen verwendet werden. Ein großes Hochschulgremium habe diese Entscheidung getroffen, teilte die Rektorin Beate Schücking am Dienstag mit. Laut Schücking soll eine Fußnote darauf hinweisen, dass auch Männer mit der weiblichen Form gemeint sind.

Die Grundordnung tritt in Kraft, wenn das sächsische Wissenschaftsministerium keine Änderungen fordert. Doch damit ist nicht zu rechnen: Das Ministerium werde die neue Sprachregelung nicht beanstanden. Sie unterliege der Autonomie der Hochschule, sagte Ministeriumssprecher Karltheodor Huttner. "Spiegel Online" hatte über den Fall berichtet.

Demnach wäre die Universität Leipzig mit dieser Regelung Vorreiterin. Grund für die Änderung sei keineswegs ein strategischer Plan der 20 Frauen im erweiterten Senat der Hochschule gewesen, sondern Zufall: Bei der Diskussion um die Novelle der Grundordnung störten sich einige Senatsmitglieder an der schlechten Lesebarkeit der Schrägstrichvariante, mit denen die Universität der Form halber akademische Ränge bezeichnete - wie beispielsweise "Professor/Professorin".

Professoren protestieren

Um eine zeitfressende Diskussion über die beste Bezeichnungsform zu sparen, habe Physikprofessor Josef Käs vorgeschlagen, ausschließlich die weibliche Form einzusetzen. "Das war eine spontane Entscheidung ohne politische Ziele", so der Wissenschaftler. Zur Überraschung des Gleichstellungsbeauftragten der Uni Leipzig, Georg Teichert, stimmte das Gremium für das sogenannte generische Femininum. "Ich hätte niemals gedacht, dass der erweiterte Senat das beschließt, sagte Teichert. "Bei anderen Themen zur Familienfreundlichkeit und Frauenförderung ist er sonst eher behäbig."

Nicht jeder an der Universität Leipzig ist von der Entscheidung begeistert. "Das ist ein Feminismus, der der Sprache nicht gut tut und inhaltlich nichts bringt", kritisiert der Jura-Professor Bernd-Rüdiger Kern gegenüber "Spiegel Online". Für den Rechtshistoriker stellt das generische Femininum die historische Sprachentwicklung auf den Kopf, da heutzutage die männliche die weibliche Form beinhalte. "Das hätte man auch mit einer Fußnote erklären können", sagt er. Hochschulrektorin Schücking kommentiert die Entscheidung nüchtern: "Der erweiterte Senat hat den Beschluss gefasst, um die zahlreichen Frauen an der Universität Leipzig in der Grundordnung sichtbarer werden zu lassen." An der Uni seien 60 Prozent der Studierenden Frauen, bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern 40 Prozent.

AS/DPA/DPA

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