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1. Februar 2008, 16:54 Uhr

Hitler feiert keinen Karneval mehr

Aufeinandergestapelte Pappmache-Leichen zu Sambarhythmen: Im Karneval von Rio de Janeiro sollte auf einem Holocaust-Wagen gefeiert werden - mit als Hitler verkleideten Tänzern. Eine Richterin hat dem Treiben nun vor dem Start ein Ende gesetzt.

Verboten: Der Holocaust-Wagen darf nicht beim Karneval in Rio de Janeiro mitfahren© Carlos Moraes/ AFP

Ein Holocaust-Motivwagen samt Tänzer in Hitler-Kostüm dürfen nicht an der Karnevalsparade von Rio de Janeiro teilnehmen. Auf Antrag der jüdischen Gemeinde der brasilianischen Metropole verbot eine Richterin am Donnerstag den Auftritt des Gefährts. Der Wagen sollte am ersten Tag der weltberühmten Parade in der Nacht zum Montag mit aufeinandergestapelten Pappmache-Leichen zu Sambarhythmen durch das Karnevalsstadion Sambodromo fahren. Auch ein Tänzer im Adolf-Hitler-Kostüm, der sich neben und auf dem Holocaust-Wagen präsentieren sollte, darf nicht mitmarschieren.

Der Sprecher der Liga der Sambaschulen in Rio, Liesa, Hiram Araujo, prangerte das Urteil als "Zensur" an. Es sei unverständlich, dass im Kino und im Theater der Holocaust und andere Dinge thematisiert werden könnten, dies beim Karneval aber verboten werde. Der Chef der für den Wagen verantwortlichen Sambagruppe Viradouro, Marco Lira, sagte, es sollte eine "reuige Hitlerfigur" mit gesenktem Haupt präsentiert werden. "Wir wollten Gänsehaut erzeugen. An dem Wagen ist nichts Schändliches. Wir wollten zeigen, was damals (während der Nazizeit) passiert ist. Das hat die Welt erschüttert, und heute wissen viele (in Brasilien) nichts mehr davon."

Entscheidung der Justiz wird nicht angefochten

Lira versicherte, er werde die Justizentscheidung respektieren. Beim Umzug wolle er aber "mit einer großen Überraschung gegen die Einschränkung der künstlerischen Freiheit" protestieren. "Wartet nur ab", sagte er. Ein Reporter des Nachrichtenportals G1 berichtete, das Verbot habe die Mitglieder von Viradouro inmitten der letzten Vorbereitungen für den Umzug tief erschüttert. "Die denken, beim Karneval darf man nur nackte Hintern zeigen", klagte ein Mann.

Die jüdische Gemeinde in Rio hatte den Holocaust-Wagen als "unpassend" kritisiert. Proteste gegen das Vorhaben hatte es auch aus Argentinien gegeben. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Buenos Aires forderte, im Karneval dürfe das Gedenken an den Holocaust nicht beschmutzt werden. Ein Umzug mit Musik sowie mit halbnackten Männern und Frauen, die fröhlich tanzten, diene nicht der Erinnerung an die Opfer. Vielmehr sei dies "ein abscheuliches Spektakel für die Überlebenden und deren Familien", hieß es in einer Erklärung. Der Karneval dürfe nicht als Instrument für Hasskultur oder Rassismus missbraucht werden, betonte Richterin Juliana Kalichszteim in ihrer Urteilsbegründung.

Auch verboten: Jesus als Bettler

Polemik vor den Umzügen hat in Rio Tradition. 1989 verbot ein Richter auf Antrag der katholischen Kirche einen Wagen des "Karnevalskönigs" Joãozinho Trinta, auf dem Jesus als Bettler dargestellt werden sollte. Aus Protest ließ Trinta den Wagen mit einer schwarzen Plane verdeckt durch das Sambodromo fahren. 2004 hatte Trinta wieder Ärger mit der Kirche und musste kurz vor dem Umzug religiöse Figuren auf einem Wagen wieder abbauen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Franzoesin (03.02.2008, 12:29 Uhr)
Hitler und die Wahrheit
"Wir machten aus Hitler ein Monstrum, einen Teufel. Deshalb konnten wir nach dem Krieg auch nicht mehr davon abrücken.
Hatten wir doch die Massen gegen den Teufel persönlich mobilisiert. Also waren wir nach dem Krieg gezwungen, in diesem Teufelsszenario mitzuspielen. Wir hätten unmöglich unseren Menschen klarmachen können, daß der Krieg eigentlich nur eine wirtschaftliche Präventivmaßnahme war."
US-Außenminister Baker, 1992 (vgl. "Der Spiegel, 13, 1992)
"Mit Greuelpropaganda haben wir den Krieg gewonnen ...Und nun fangen wir erst richtig damit an! Wir werden diese Greuelpropaganda fortsetzen, wir werden sie steigern bis niemand mehr ein gutes Wort von den Deutschen annehmen wird, bis alles zerstört sein wird, was sie etwa in anderen Ländern noch an Sympathien gehabt haben, und sie selber so durcheinander geraten sein werden, daß sie nicht mehr wissen, was sie tun. Wenn das erreicht ist, wenn sie beginnen, ihr eigenes Nest zu beschmutzen, und das nicht etwa zähneknirschend, sondern in eilfertiger Bereitschaft, den Siegern gefällig zu sein, dann erst ist der Sieg vollständig. Endgültig ist er nie. Die Umerziehung (Reeducation) bedarf sorgfältiger, unentwegter Pflege wie englischer Rasen. Nur ein Augenblick der Nachlässigkeit, und das Unkraut bricht durch, jenes unausrottbare Unkraut der geschichtlichen Wahrheit."
Sefton Delmer, ehemaliger britischer Chefpropagandist nach der Kapitulation 1945 zu dem deutschen Völkerrechtler Prof. Grimm (Die Propaganda der Alliierten wird durch den Überleitungsvertrag Art. 7.1 als OFFENSICHTLICHE TATSACHEN vom "deutschen' Strafrecht geschützt.)
Zuletzt lehnte der Richter alle Beweisanträge der Verteidigung mit der lapidaren Begründung ab, dass es unerheblich sei, ob es den Holocaust gegeben habe oder nicht; seine Leugnung jedenfalls sei in Deutschland verboten.
Aus einem Bericht in der "taz" über die Verurteilung Ernst Zündels wegen Gedankenverbrechens
Mindsplitting (03.02.2008, 10:55 Uhr)
also meine subjektive Meinung...
zu dem Wagen ist das es einfach nur unter der Gürtellinie ist. Ich bin selber eher ein Freund als Feind der kritischen Darstellung des dritten Reiches und Aufklärung als auch HUMOR darüber muss es einfach geben. Aber an Karnevall einen Wagen geschmückt mit toten und vergammelten Juden zu basteln ist dann doch weit unter der Gürtellinie. So en Trottellig-tänzelnder Hittler auf nem Karnevalswagen ist da bei weiten annehmbarer.
Millhouse73 (03.02.2008, 08:09 Uhr)
Wie
singt doch unser Schlagerkoenig immer so schoen:
Ein bisschen Spass muss sein...
Aber leider ist das wohl auch nicht mehr moeglich.
Justizius (03.02.2008, 04:22 Uhr)
Es war nur...
...eine Frage der Zeit, bis sowas kommen musste. Es ist kein Geheimnis, dass Hitler in Brasilien "Kult" ist. Er wird dort von einer breiten Masse verehrt. Aus welchem Grund ist mir ein Rätsel. Möglicherweise gibt es einen kulturellen Hintergrund - oder es ist plumpe Unwissenheit. Jedenfalls fand die brasilianische Erstauflage von Hitlers "Mein Kampf" dort reißenden Absatz. Da wundert es kaum einen, dass so ein kranker und entarteter Wagen überhaupt entstehen konnte...
unheilig (02.02.2008, 21:50 Uhr)
@lseelig
ja genau,das sag ich auch immer*löl*
lseelig (02.02.2008, 15:20 Uhr)
bom dia, rapazes
Senhores e Senhoras, estou escrevendo de China para voces. Li com uma certa - vamos falar - surpresa, o artigo no Stern. Voces pensam mesmo que o Holocaust seria um tema para um evento como o carnaval no Rio? Eu penso que nao e. Nada contra o carnaval, mas o resultado do Holocaust sao 6 milhoes de mortos. Agora voces devem explicar o que e que tem uma coisa alegre como um desfile em comum com o assassino de seis milhoes de Judeos, Ciganos e outros etnicos. Se voces querem lembrar a gente nisso, voces devem convidar o alemao Reemtsma com a sua exposicao para mostrar fotografias e documentos autenticos no Brasil. Seria o caminho certo, carnaval nao, com certeza nao. um abraco a todos, uma boa festa e muito sucesso no desfile. Seelig
PlatonsWelt (02.02.2008, 12:47 Uhr)
Ein Hauch von...
Geschmacklosigkeit liegt zwar in der Luft, aber man darf nicht vergessen, daß da eine andere Kultur vorherrscht, in der man völlig anders mit Tod und Schmerz umgeht, als es in Europa der Fall ist. Besonders Mittel- und Südamerika haben durch ihre von Leid geplagte Vergangenheit(Sklaverei, Kriege, Unterdrückung, gezielte Vernichtung der indogenen Bevölkerung) ein völlig anderes kulturelles Bild vom Leben und dem Tod, was sich durch Einflüße der katholischen Kirche, der Santeria und dem Voodoo zu einer ganz anderen Weltsicht verschmolzen hat. Ich bin sicher, niemand von denen wollte das Thema des Holocaust in die Absurdität ziehen. Es ist sicher geschmacklos, aber wir sollten nicht mit dem Finger auf die angeblich Anderen und "Wilden" zeigen, das allein ist der Anfang dessen, was man im Kern hier beklagt. Akzeptieren müßen wir es nicht, aber etwas mehr Respekt wäre angebracht allen Seiten gegenüber und vielleicht mal eine Auseinandersetzung mit der Kultur dieses Erdteils.
Eine_Frage (02.02.2008, 10:13 Uhr)
Vor der eigenen Haustüre!!!! Teil 2
Falls jemand Schwierigkeiten mit dem Link hat: Die Brasilianer haben immer wieder, vor gar nicht so langer Zeit noch, Polizisten dafür bezahlt Straßenkinder zu erschießen. Das wäre doch mal ein Thema, aber damit hat man wahrscheinlich Probleme.
Nicht, dass ich Kritik an dem Hitler-Regime entschuldigen möchte, dass ist schon OK!!!
Eine_Frage (02.02.2008, 10:08 Uhr)
Vor der eigenen Haustüre!!!!
Sollte man anfangen zu kehren:
http://www.learn-line.nrw.de/angebote/neuemedien/medio/tele/samerika/strkind/mord.htm
provocateur (02.02.2008, 10:06 Uhr)
Ich weiß was besseres...
Der Wagen ist echt gruselig. Aber das mit dem Hitlerkostüm hätte ich schon gerne gesehen: Hitler nimmt seine letzte Parade ab, Nürnberger Parteisambadrom sozusagen... Das hätte ihn natürlich auch, ähnlich wie einen Gartenzwerg zur Kitschikone stilisiert aber den Nachgeborenen auch verdeutlicht, was für ein gefährlicher Kasper, was für ein böser Clown er war. (So einer wie ES bei Stephen King...buhaha...). Menschen neigen halt zur Verklärung der Vergangenheit, insbesondere wenn sie keine Ahnung haben. Das geht natürlich so nicht. Wie wär´s denn dann ersatzweise mit einem Sambawagen in Form einer portugiesischen Galeere auf der maximal Pigmentierte von maximal sadistischen Portugiesen von Afrika nach Brasilien gepeitscht werden? Wie lustig die Brasilianer das wohl fänden? Oder gab´s das schon?
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