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20. Februar 2009, 15:06 Uhr

"Dr. Tod" stellt Sterbehilfe ein

Der umstrittene frühere Hamburger Justizsenator Roger Kusch beugt sich einem richterlichen Beschluss und will keine Sterbehilfe mehr anbieten. Die Gerichtsentscheidung finde er zwar falsch, so Kusch, werde sie aber respektieren. Einen Seitenhieb für die Richter gab es aber doch noch.

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Bietet keine Suizidbegleitung mehr an: Roger Kusch© Kay Nietfeld/DPA

Der umstrittene Ex-CDU-Politiker Roger Kusch hat überraschend angekündigt, keine Sterbehilfe mehr zu leisten. "Ich biete die Suizidbegleitung nicht mehr an", sagte der frühere Hamburger Justizsenator dem "Spiegel". Das Verwaltungsgericht in der Hansestadt hatte dem 54-Jährigen Anfang Februar in einem Eilverfahren verboten, Menschen beim Selbstmord zu unterstützen. Gegen diese Entscheidung hatte Kusch noch Beschwerde eingelegt. Bis zum Freitag habe er sie auch nicht zurückgenommen, sagte eine Sprecherin des Verwaltungsgerichts der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das Verbot ist bis zu einer Entscheidung in einem Hauptverfahren wirksam.

Kusch war am Freitag zunächst nicht zu erreichen. Auf der Homepage seines Vereins war zu lesen: "Der Verein bietet keine Suizidbegleitung an, stellt keine Suizid-Anleitungen zur Verfügung, vertreibt keine Suizidmittel und nennt auch keine Bezugsquellen."

Die Gerichtsentscheidung finde er zwar falsch, sagte Kusch dem "Spiegel". "Ich werde den Beschluss aber respektieren." Seinen Meinungswandel begründete der Jurist mit den Schwierigkeiten, in Deutschland legal entsprechende Medikamente zu bekommen: "Sie müssen immer mit Tricks und Heimlichkeiten arbeiten, und das finde ich am Lebensende unwürdig." Ihm sei inzwischen klargeworden, wie "belastend" diese Situation für alle Beteiligten sei.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 54-Jährigen wegen des Anfangsverdachts eines Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Die Behörde untersucht, ob er verschreibungspflichtige Medikamente weitergegeben hat. Die Ermittler hatten daher Ende November Kuschs Büro und Wohnungen durchsucht. Mehrere Menschen, die mit Kusch in Kontakt standen, wurden daraufhin von den zuständigen Behörden angesprochen. "Derartigen obrigkeitsstaatlichen Druck will ich den Sterbewilligen und mir künftig ersparen", sagte Kusch dem Hamburger Magazin. Menschen, die sich künftig bei ihm melden, werde er raten, sich an Schweizer Organisationen wie Dignitas zu wenden.

"Geschäftemachen mit dem Tod hat ein Ende"

"Öffentlicher Druck hat Kusch dazu bewogen, seine menschenverachtende Suizidvermittlung einzustellen", meinte der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch. "Nun hat das Geschäftemachen mit dem Tod und der Angst ein Ende." Die Politik müsse nun handeln, damit das Problem nicht ins Ausland verschoben werde. "Die Angst vor schlechter Pflege und vor Fehlversorgung am Lebensende ist allgegenwärtig."

Kusch warf den Verwaltungsrichtern zu große Emotionalität bei ihrer Entscheidungsfindung vor. Die Begründung habe "völlig überflüssige Bosheiten" enthalten. Er fühle sich "in eine Ecke mit Prostituierten" gestellt. Die Richter hätten argumentiert, dass sein Angebot eine "sozial unwertige Tätigkeit" ähnlich der "Kommerzialisierung der Sexualität" sei.

Kusch: Kein Scheitern, sondern eine Zäsur

Dass er künftig nicht mehr als Sterbehelfer tätig sein werde, empfinde er nicht als Scheitern, sondern als Zäsur, betonte der 54-Jährige im "Spiegel". In Deutschland seien jetzt die Ärzte gefordert, Suizidhilfe zu leisten: "Die haben kein Problem mit dem Arzneimittelgesetz."

Der ehemalige Hamburger Justizsenator Kusch hatte fünf ältere Menschen beim Suizid begleitet. Zuletzt nahm sich Ende November eine 97-Jährige aus Bergisch Gladbach auf diese Weise das Leben. Kusch war von 2001 bis 2006 Justizsenator in Hamburg. Bereits während seiner Amtszeit war der damalige CDU-Politiker umstritten. Nach seinem Austritt aus der Union trat er bei der Bürgerschaftswahl 2008 erfolglos mit einer eigenen Partei an, die die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe forderte. Im September 2007 gründete er den "Dr. Roger Kusch Sterbehilfe e.V.", im März stellte er einen von ihm entwickelten Selbsttötungsautomaten vor. Kusch verlangte bis zu 8000 Euro für die Sterbebegleitung.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
otheropinion (22.02.2009, 22:06 Uhr)
Die Ablehnung von Suizid
ist ein Ableger der Religion, die sich anmaßt, über das Leben anderer Menschen zu bestimmen. Ich entscheide immer noch selbst, ob, wann oder wie ich mich von meinem Bewußtsein verabschiede. Wenn ein nicht existenter Gott angeblich über das Ende meines Lebens zu bestimmen hätte, so dürfte es ebensowenig Ärtzte geben, die das Leben verlängern. Der Tod ist nichts Perverses sondern völlig natürlich. Der Wunsch möglichst lange zu leben ist zwar der evolutionär zwangsläufige Regelfall (Nachkommen zeugen und versorgen) jedoch gibt es Lebensabschnitte wo dies nicht mehr so ist. Mit den gleichen juristischen Begründungen hat man früher andere Normabweichungen unter Strafe gestellt, wie beispielsweise Homosexualität.
arniston (21.02.2009, 06:51 Uhr)
falsche freunde ?
wie ist sein gehalt im monat ?
hat er zu lange bei der mutter gewohnt ?
hatte er im studium die falschen freunde ?
wie fertig muss ein mensch im besten alter sein, wenn , ,,Ich biete die Suizidbegleitung nicht mehr an,,
dass ist einfach krank pur, wo sich millionen in deutschland um ein weiterkommen in der zeit wünschen und daran arbeiten, auch in der politik..
onkel.erwin (20.02.2009, 23:05 Uhr)
Eher wird der Mond viereckig
als dass sich die Pharma- und Gesundheitsindustrie den fetten Markt der sehr Alten und der Pflegefälle entgehen lässt. Damit ist in Deutschland nicht damit zu rechnen, dass Euthanasie legalisiert wird. Zu irgendetwas muss die Nazi-Vergangenheit ja nutzen...
Blacky007 (20.02.2009, 21:51 Uhr)
Abslouter Befürworter von Sterbehilfe
Ich finde es eine Zumutung des Staates sich hier einzumischen. Es ist MEIN Leben, es sind MEINE Schmerzen und es ist MEINE Entscheidung ob ich diese ganzen lebensverlängernden Maßnahmen möchte oder nicht! Ich lehne sie ab und werde schon selbst mit entsprechenen Medikamenten und einer Pistole vorsorgen und hoffe, dass ich noch den richtigen Zeitpunkt erwische.
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Ich durfte 8 lange Jahre miterleben, wie sich meine Oma, dank solcher Maßnahmen quälte, wie sie sich wund gelegen hat und wenn sie mal ein paar gute Augenblicke hatte und ein paar Töne ihrem Mund entwichen - es dieses Betteln nach dem Tod war. Ich höre noch sehr oft dieses leisen, weinerlich und wimmernden Bettelesuche "bitte, bitte lasst mich doch endlich sterben", während ihr die Tränen aus den Augen kullerten.
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Statt dem Wunsch nachzukommen, haben ihr die Ärzte immer nur noch größere Dosen Morphium gegeben um sie ruhig zu stellen.
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Ich habe oft mit dem Gedanken gespielt, dass ich derjenige bin, der den Stecker zieht. Einzig meine Mutter bewahrte mich davor, da sie mich nicht im Knast sehen wollte.
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Ich durfte miterleben, wie es meine Mutter und ihre Schwester innerlich zerissen hat, wie sie unter der Situation 8 lange Jahre seelisch und psychisch litten wie gepeinigte Hunde. Wir hätten damals auch 20.000EUR und auch mehr bezahlt, wenn irgendwer geholfen hätte, meine Oma sanft zu entschlafen zu lassen.
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Ich wünsche jedem Gegener der Sterbehilfe, dass er ähnliches mit einer nahestehenen Person oder selbsterlebt, denn erst dann werden diese Selbstverherrlicher des Lebens vielleicht zum Umdenken kommen.
Aquarius2 (20.02.2009, 21:26 Uhr)
Menschlichkeit
ist nicht, das Menschsein unendlich und gegen den Willen des Menschen zu verlängern.
Lieber ein würdiger Tod, als ein unwürdiges Leben.
Ich wünsche niemandem, das unwürdige, ewige Sterben eines nahestehenden, unheilbar an Krebs erkrankten Menschen erleben zu müssen. Wen dieser Mensch sich in seiner Not und Verzweiflung Hilfe für ein würdiges Ende wünscht, dann sollte er sie erhalten können.
Mit Formblattjuristen kann dieses Problem allerdings nicht gelöst werden.
onkel.erwin (20.02.2009, 20:36 Uhr)
Sterbehilfe ? Auf gar keinen Fall !
Denn wo bleibt denn sonst das Geschäft? 80 % des Umsatzes aus der Krankenversicherung im gesamten Leben eines Versicherten fallen in den letzten zwei Lebensjahren des Versicherten an. Daraus finanzieren sich Krankenhäuser und Ärzte, Pflegeheime sichern sich die Belegung, Pflegedienste verdienen, medizinische Hilfsmittel (Rollstuhl, Prothesen,Hörgeräte) werden bezahlt und nicht zuletzt die Pillen, die Pillen... All diese schönen Vedienstmöglichkeiten fallen weg, wenn die Alten vorzeitig in die Kiste gehen. Wer Sterbehilfe propagiert, ist ein Volksschädling! Stützt die notleidende Pharmaindustrie! Wenn schon die Automobilindustrie wegbricht, soll wenigstens die Gesundheitsindustrie boomen. Fragt sich nur, wie lange die noch bezahlbar bleibt, wenn die Sozialeinnahmen sinken. Am Ende landen wir doch noch bei der Sterbehilfe - aus finanzieller Indikation.
sportartmakler (20.02.2009, 16:20 Uhr)
welcher seitenhieb
etwa die berechtigte kritik am urteil, welches ihn in die beschriebene ecke stellt?
"sozial unwerte tätigkeit" trifft ja sowieso auf viele politiker zu. menschen die aus ihren persönlichen gründen heraus sterbehilfe nutzen wollten, würden diese tätigkeit ganz sicher nicht als sozial unwert bezeichnen.
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