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20. Februar 2011, 08:58 Uhr

Freigelassene Journalisten wieder zu Hause

Die beiden im Iran inhaftierten Reporter sind wieder in Deutschland. Außenminister Westerwelle hatte sie aus Teheran abgeholt - und dabei erstmals mit Irans Präsidenten gesprochen.

Iran, Bild am Sonntag, Haft, Journalisten, Marcus Hellwig, Jens Koch

Jens Koch (r.) und Marcus Hellwig verlassen mit Außenminister Westerwelle in Berlin das Flugzeug© Andreas Thelen/DPA

Nach mehr als vier Monaten in iranischer Haft sind die beiden "Bild am Sonntag"-Reporter wieder in Deutschland. Wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bestätigte, landeten sie begleitet von Außenminister Guido Westerwelle am frühen Sonntagmorgen auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Der FDP-Chef war eigens in die iranische Hauptstadt geflogen, um die beiden Journalisten mit einem Regierungsflugzeug zurück nach Deutschland zu holen.

Die beiden Journalisten waren am Samstag in der iranischen Provinzhauptstadt Täbris freigelassen worden. Sie waren am 10. Oktober 2010 beim Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Aschtiani zu interviewen. Die Frau war wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt worden. Nach offiziellen Angaben mussten die beiden Deutschen jeweils 35.700 Euro Geldbuße zahlen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte mit großer Erleichterung auf die Nachricht von der Freilassung. "Ich bin sehr froh, dass Marcus Hellwig und Jens Koch endlich als freie Menschen zu uns nach Deutschland zurückkehren können", sagte Merkel "Bild am Sonntag". Sie dankte "allen im Auswärtigen Amt in Berlin und der deutschen Botschaft in Teheran, die in den letzten Monaten unermüdlich für diese Freilassung gearbeitet haben." Auch die Angehörigen waren voller Freude. "Wir sind dankbar und glücklich und freuen uns, dass das lange Bangen und Hoffen doch noch ein gutes Ende gefunden hat", sagten die Schwestern von Marcus Hellwig, Miriam Lobinsky und Christina Hellwig, der Zeitung.

Westerwelle sprach mit Ahmadinedschad

Vor dem Rückflug sprach Westerwelle in Teheran mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und Außenminister Ali Akbar Salehi. Westerwelle dankte nach Angaben seines Amtes allen, die an der Lösung mitgewirkt hatten. Er sei erleichtert, "dass der Fall der beiden deutschen Staatsangehörigen gelöst werden konnte."

Westerwelle ist seit siebeneinhalb Jahren der erste deutsche Außenminister, der den Iran besucht. Zuletzt war sein Vorgänger Joschka Fischer (Grüne) im Oktober 2003 in Teheran zu Gast. Der Iran steht wegen seines Atomprogramms und Menschenrechtsverstößen international heftig in der Kritik.

Der iranische Außenminister Salehi wies kategorisch zurück, dass die spontane Kurzreise des Bundesaußenministers und das Treffen gegen Mitternacht Ortszeit, nur wegen der beiden freigelassenen deutschen Reporter erfolgt sei. "Das Ziel der Reise war es, wichtige bilaterale und internationale Themen anzusprechen." Es habe "Übereinstimmungen, aber auch Meinungsverschiedenheiten" gegeben.

"Fachgespräch geführt"

Westerwelle erläuterte, dass er als Außenminister die Aufgabe habe, die Interessen deutscher Staatsbürger wahrzunehmen. Seine Reise habe in diesem Zusammenhang gestanden. "Es war nicht der Tag der großen Verhandlungen", sagte der Bundesaußenminister. Dennoch habe er die Gelegenheit gehabt, zum ersten Mal persönlich mit seinem iranischen Amtskollegen ein Fachgespräch zu führen.

Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, sagte: "Wir freuen uns sehr, dass nach so langer Zeit die Reporter Jens Koch und Marcus Hellwig wieder frei sind." Er dankte allen, die zur Freilassung beigetragen hätten. "Besonders danken wir dem Auswärtigen Amt und Bundesminister Guido Westerwelle, der sich mit großem persönlichem Engagement unermüdlich für die Freilassung der beiden Reporter eingesetzt hat und dessen Bemühungen schließlich erfolgreich waren."

Belastungsprobe für Verhältnis zum Iran

Der Fall war eine Belastungsprobe für das Verhältnis zwischen Deutschland und dem Iran. Am 27. Dezember bestellte das Auswärtige Amt den iranischen Botschafter ein, nachdem an Weihnachten ein Treffen mit Verwandten verweigert worden war. Kurz danach durften die Angehörigen die beiden Männer in einem Hotel in Täbris für mehrere Stunden sehen. Zuletzt hatte sich der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Wolf-Ruthart Born, Ende Januar im Iran um die Freilassung der beiden Reporter bemüht.

san/DPA/AFP
 
 
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