Klosterruhe zwischen seltenen Rosen und Gemüsegärten

26. Februar 2013, 08:41 Uhr

Papst Benedikt XVI. wird im Klausurkloster Mater Ecclesiae inmitten der vatikanischen Gärten seinen Lebensabend verbringen. Dort will er ein zurückgezogenes Leben führen und sich dem Schreiben widmen.

Papst Benedikt XVI., Rücktritt, Vatikan

Nach seiner achtjährigen Amtszeit will Papst Benedikt XVI. im Kloster meditieren und schreiben©

Wenn Papst Benedikt XVI. sein Amt am Donnerstag niederlegt, winkt ihm ein Rentnerdasein in klösterlicher Ruhe, für das sein Vorgänger Johannes Paul II. Vorsorge traf: Im Jahr 1992 ließ der Pole in den vatikanischen Gärten das Klausurkloster Mater Ecclesiae bauen, in dem über die Jahre hinweg Schwestern verschiedener Orden aus aller Welt lebten und arbeiteten. Wenn Benedikt XVI. in etwa zwei Monaten nach dem Abschluss einer derzeit laufenden Renovierung dort einzieht, tritt die ungewöhnliche Situation ein, dass ein neuer Papst und sein Vorgänger zeitgleich im Vatikan leben.

Für den scheidenden Papst, der in seiner knapp achtjährigen Amtszeit stets größten Wert auf regelmäßige Spaziergänge in den vatikanischen Gärten legte, dürfte das von Blumenrabatten und Gemüsebeeten umgebene Gebäude der ideale Ort sein, um den Lebensabend zu verbringen. Dort blühen unter anderem zwei seltene Rosenarten - die rosafarbene Beatrice d'Este und die weiße Giovanni Paolo II. An Lebensmitteln liefern die Gärten etwa Paprika, Zucchini und Kohl. An den Bäumen des Gartens wachsen außerdem Zitronen und Orangen.

In dem dreistöckigen Gebäude gibt es in den oberen Etagen zwölf Zellen. Sie sind spärlich eingerichtet, mit hölzernen Kruzifixen und religiösen Gemälden an den Wänden. Im Erdgeschoss des Hauses befinden sich neben einer Kapelle ein Wohn- und Aufenthaltsraum, eine Bibliothek sowie eine Küche. Bis die Renovierung des Gebäudes abgeschlossen ist, wird Benedikt XVI. in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo nahe Rom wohnen - ein Ort, zu dem er während seines Pontifikats große Zuneigung entwickelte.

Schreiben und Studieren als Lebensaufgabe

Dass der scheidende Papst in Mater Ecclesiae ein völlig zurückgezogenes Leben führen wird, glaubt Vatikansprecher Federico Lombardi nicht. "Ich gehe nicht davon aus, dass er zum Einsiedler wird", sagt er. Der Papst habe "oft gesagt, dass er sein hohes Alter dem Schreiben und Studieren widmen will. Ich denke, das wird er auch tun", sagt Lombardi und fügt hinzu: "Das ist eine noch nie da gewesene Situation, wir werden sehen, was passiert."

Der 85-Jährige selbst gibt an, er wolle "von der Welt zurückgezogen" leben. Beim letzten traditionellen Angelus-Gebet sagte er am Sonntag vor zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz: "Gott hat mich gerufen, auf den Berg zu steigen, um mich noch mehr dem Gebet und der Meditation zu widmen." Bei dem Berg handelt es sich um den Vatikanhügel, auf dem das Klostergebäude steht und von wo aus Benedikt XVI. einen guten Blick auf die Peterskirche und auf Rom haben wird.

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