10. Mai 2012, 11:23 Uhr

Rettungskräfte finden erste Leichen

Die Befürchtungen sind wahr geworden: In Indonesien ist das Wrack des russischen Superjets, der seit Mittwoch vermisst wurde, entdeckt worden. Es gibt keine Überlebenden.

Rettungstrupps haben 18 Stunden nach dem Unglück das Wrack des in Indonesien am Mittwoch verunglückten russischen Flugzeugs erreicht. Sie fanden an der Absturzstelle an einem Vulkan in einer Gebirgskette bei Bogor südlich von Jakarta Leichen, berichtete der Sprecher der Einsatzkräfte. Den Absturz hat offenbar niemand überlebt. Die Zahl der Toten konnten die Rettungskräfte demnach nicht sofort nennen. "Die Maschine ist offenbar bei hoher Geschwindigkeit aus 1800 Metern abgestürzt", sagte der Sprecher.

Spekulationen über die Absturzursache gibt es bislang nicht. Es handelte sich um eine neue Maschine mit hochmoderner Technik an Bord. Am Donnerstagmorgen sichteten die Rettungstrupps das Wrack vom Helikopter aus. Hunderte Helfer, darunter Armee und Polizei, waren auf dem Weg zur Unglücksstelle. Sie wollten zunächst die Opfer bergen und nach dem Flugdatenschreiber suchen. An Bord der Maschine waren 50 Menschen. Am Flughafen Halim in Jakarta, wo die Maschine gestartet war, trafen aufgelöste Angehörige der Passagiere ein.

Das Flugzeug vom Typ Suchoi Superjet 100 war bei einem Demonstrationsflug für potenzielle Käufer am Mittwoch von den Radarschirmen verschwunden. Die Maschine war zu dem Zeitpunkt in der Nähe des 2200 Meter hohen Berges Salak, der oft in Nebelschwaden gehüllt ist. Zum Zeitpunkt des Unglücks nieselte es in der Region. Die erste Suche am Mittwoch musste wegen schlechten Wetters abgebrochen werden.

Botschaftsmitarbeiter und Journalisten an Bord

Die Firma, die Suchoi in Indonesien repräsentiert, korrigierte die Zahl der Insassen auf 50. Zunächst war von 46 Menschen an Bord die Rede gewesen. Unter den Passagieren sollen Indonesier, Russen, Italiener, ein Franzose und ein US-Amerikaner gewesen sein. Die Behörden veröffentlichten keine Passagierlisten, weil einige, die auf dem Flug sein sollten, doch nicht dabei waren und andere ihre Plätze einnahmen. "Das zeigt doch, dass das alles nicht professionell abgelaufen ist", sagte Iszirta Rahman dem Nachrichtenportal Detik.com. Sein Bruder sei an Bord gewesen.

Unter den Passagieren waren nach indonesischen Angaben Vertreter der russischen Botschaft, Mitarbeiter von Fluggesellschaften und Journalisten. Die Maschine ist das erste Passagierflugzeug, das seit dem Zerfall der Sowjetunion in Russland entwickelt wurde und sollte anderen Mittelstreckenanbietern wie Bombardier (Kanada) und Embraer (Brasilien) Konkurrenz machen.

Das Flugzeug war am Mittwochnachmittag (Ortszeit) in der Nähe von Jakarta zu seinem zweiten Demonstrationsflug gestartet. 21 Minuten später verschwand es vom Radar. Die Piloten hatten nach Angaben der indonesischen Flugwacht kurz zuvor um Genehmigung gebeten, ihre zugewiesene Flughöhe zu verlassen. Sie wollten auf 1800 Meter gehen. Einen Grund nannten sie dafür nicht.

Erst vor kurzem hatte die Zivilsparte des Kampfjet-Herstellers Suchoi die offizielle Zulassung für die Europäische Union erhalten. Allerdings hatten Triebwerksprobleme die Auslieferung des Fliegers bislang verzögert.

kbe/mlr/DPA/AFP
 
 
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