80 Tote bei Zugunglück in Spanien

25. Juli 2013, 06:38 Uhr

Ein Zugunglück erschüttert Spanien. Bei Santiago de Compostela springt ein Schnellzug aus den Schienen. Mindestens 80 Menschen kommen ums Leben, über 170 werden verletzt.

Bei einem der schlimmsten Unglücke in der spanischen Eisenbahngeschichte sind nach einer vorläufigen Bilanz 80 Menschen in den Tod gerissen worden. Mehr als 170 Insassen eines Schnellzugs wurden verletzt. Dies gab der oberste Gerichtshof der Region Galicien am Donnerstag bekannt.

Nach ersten inoffiziellen Informationen war der Schnellzug in Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in eine Kurve eingebogen und entgleist. Die staatliche Bahngesellschaft Renfe warnte allerdings vor vorschnellen Schlussfolgerungen. Renfe erklärte, Eisenbahnexperten untersuchten die Unfallursache.

Aus Ermittlerkreisen verlautete, der Zug sei vier Kilometer vor der Einfahrt in den Bahnhof der Pilgermetropole Santiago viel zu schnell in eine enge Kurve eingebogen. Die Zeitung "El País" berichtete, er sei mit 180 Stundenkilometer unterwegs gewesen, obwohl in der Kurve nur eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h erlaubt seien.

"Es ist schockierend", sagte der Chef der Regionalregierung von Galicien, Alberto Nunez Feijoo. "Das ist wie Dantes Inferno."

"Und dann habe ich die Leichen gesehen"

Die 13 Waggons des Zuges wurden auseinandergerissen und sprangen aus den Schienen. Einige Wagen prallten neben den Gleisen gegen eine Betonwand und stürzten um, andere Waggons verkeilten sich ineinander. Ein Wagen flog sogar über die Begrenzungsmauer hinweg.

Der Unglückszug war auf der Fahrt von Madrid zur Küstenstadt Ferrol im Nordwesten Spaniens. Er war mit mehr als 220 Fahrgästen besetzt gewesen. Die Bergungsmannschaften durchsuchten am Donnerstagmorgen die beiden am meisten zerstörten Waggons und stellten fest, dass sich dort keine weiteren Opfer befanden. An der Unfallstelle hatten die ganze Nacht über Rettungskräfte gearbeitet. Die Menschen wurden zu Blutspenden aufgerufen.

"Es ging alles so schnell", berichtete ein Passagier im Hörfunksender Cadena Ser. Der Zug sei in einer Kurve entgleist, die Wagen hätten sich ineinandergeschoben. "Viele Menschen wurden zu Boden gedrückt. Wir haben versucht, ins Freie zu kommen. Dann haben wir gemerkt, dass der Zug in Flammen stand. Ich war im zweiten Wagen. Und dann war da das Feuer. Und dann habe ich die Leichen gesehen."

Feierlichkeiten zu Ehren des Heiligen Jakobs abgesagt

"Angesichts der Tragödie in Santiago de Compostela am Vorabend seines großen Tages kann ich den Spaniern und Galiciern nur mein tiefstes Mitgefühl aussprechen", sagte Ministerpräsident Mariano Rajoy. Er stammt selbst aus der Stadt und wurde am Donnerstagmorgen am Unglücksort erwartet.

Papst Franziskus zeigte sich betroffen über das Bahnunglück. Der Papst sei über den Unfall informiert worden und im Schmerz mit den Familien und Angehörigen der Opfer verbunden, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Mittwochabend (Ortszeit) in Rio de Janeiro, wo sich Franziskus bis Sonntag anlässlich des Weltjugendtages zu seiner ersten Auslandsreise aufhält. Lombardi bat vor Beginn der täglichen Pressekonferenz um eine Gedenkminute für die Opfer.

Am kommenden Wochenende hatte in Santiago de Compostela ein großes Fest zu Ehren des Heiligen Jakobs stattfinden sollen. Die Stadt sagte die Feierlichkeiten, die das wichtigste Fest des Jahres in der Pilgermetropole sein sollten, aufgrund des Zugunglücks ab.

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