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11. August 2009, 14:57 Uhr

"Wir waren nicht vom Geheimdienst ferngesteuert"

Der Redefluss von Fritz Gelowicz ist ungebrochen: Am zweiten Tag seiner Aussage schilderte der Anführer der Sauerland-Terrorgruppe dem Gericht freimütig seine Motive für die geplanten Anschläge. Keineswegs hätten dabei Geheimdienste ihre Finger im Spiel gehabt.

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Entspannt: Der angeklagte Fritz Gelowicz unterhält sich mit seinem Verteidiger Dirk Uden© Ina Fassbender/AP

Die vier Mitglieder der Sauerland-Terrorgruppe haben nach Darstellung ihres Anführers Fritz Gelowicz nicht im Auftrag eines Geheimdienstes gehandelt. Bei seinem umfassenden Geständnis vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht bekräftigte Gelowicz am Dienstag, mit seinem mitangeklagten Komplizen Adem Yilmaz die treibende Kraft der Anschlagsvorbereitungen in Deutschland gewesen zu sein. Die beiden anderen Mitangeklagten, Daniel Schneider und Atilla Selek, hätten eine untergeordnete Rolle gespielt.

"Ich und der Adem standen hinter dieser Operation, Schneider nicht so richtig. Selek ist ausgestiegen, hat aber die Zünder beschafft", sagte Gelowicz. Keiner von ihnen habe für einen Geheimdienst gearbeitet. Er habe aber gewusst, dass der Türke Mevlüt K., der in die Zünderbeschaffung verstrickt sein soll, über Kontakte zum türkischen Geheimdienst verfügte. K. habe Informationen aus dem Geheimdienst bezogen und seiner Gruppe verraten. "Ich war davon überzeugt, dass er auf unserer Seite war", sagte Gelowicz. Im Nachhinein könne er nicht sagen, ob K. ein doppeltes Spiel gespielt habe.

El-Masri-Entführung brachte das Fass zum Überlaufen

Der US-Geheimdienst CIA habe allerdings dazu beigetragen, dass er sich dem Dschihad (Heiligen Krieg) verschrieben habe, sagte Gelowicz. Die Entführung und Folterung seines Ulmer Glaubensbruders Khaled el Masri durch die CIA 2004 habe "das Fass zum Überlaufen gebracht". "Die Amerikaner haben den Krieg in meine Moschee getragen", sagte Gelowicz. El Masri habe in Ulm immer drei Meter neben ihm gebetet. Als er nach Monaten der Verschleppung wieder auftauchte, sei er gezeichnet gewesen.

Er habe von diesem Schicksal lange vor der deutschen Öffentlichkeit erfahren. Die CIA habe auch versucht, Atilla Selek zu entführen, behauptete Gelowicz. Selek sei den wartenden CIA-Agenten durch den Hinterausgang des Ulmer Polizeipräsidiums knapp entkommen.

"Ich war und bin überzeugt von meiner Religion"

Gelowicz stellte sich vor Gericht als tief religiösen Muslim dar. "Ich war und bin überzeugt von meiner Religion", sagte der 29-Jährige. Er halte sich an die räumliche Trennung von Männern und Frauen und höre keine Popmusik. Anderen zwinge er diese Regeln aber nicht auf: "Jeder muss wissen, was er macht." Ähnlich handhabe er es bei Bildern unverschleierter Frauen: "Ich sehe mir das Bild nicht an", sagte er. "Aber ich nehme es auch nicht und schmeiße es in den Mülleimer."

Der 11. September 2001 habe ihn dazu gebracht, sich stärker mit dem Islam zu befassen. Die damaligen Flugzeug-Anschläge in den USA habe er zunächst abgelehnt, später aber befürwortet. Wie er heute zu ihnen stehe, wollte er dem Gericht nicht sagen. Gelowicz war im Alter von 16 Jahren in Ulm zum Islam konvertiert. Sein Vater sei überzeugter Atheist gewesen, berichtete der Unternehmersohn.

Auf die Frage, wie er zur Demokratie stehe, sagte Gelowicz: "Im Islam gibt es klare Regeln. Die werden von Gott bestimmt." Seine Vorstellung vom Dschihad sei die "von Kampf und Krieg " gewesen, berichtete der Wehrdienst-Verweigerer. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Ottmar Breidling, ob er in Afghanistan auch auf deutsche Soldaten geschossen hätte, sagte der geständige Islamist: "Darüber habe ich nicht nachgedacht. Es ging mir um die Amerikaner und die Nato."

Seinen eigenen Tod hätte er dabei in Kauf genommen: "Ich war mir bewusst, dass man dort umkommen kann", sagte Gelowicz, "das ist ein Teil des Dschihad".

DPA/AP
 
 
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