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19. Mai 2009, 14:03 Uhr

Zeugenaussage überrascht die Anklage

Der Chemikalien-Lieferant für den Bombenbau der islamistischen Sauerland-Gruppe sorgt mit seiner spärlichen Aussage für Verwirrung: Er identifizierte vor Gericht den Angeklagten Daniel Schneider als Käufer der Chemikalien - den bisher verdächtigten Fritz Gelowicz schloss er dagegen aus.

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Als Chemikalien-Käufer identifiziert: Daniel Schneider© Federico Gambarini/DPA

Im Prozess gegen die vier mutmaßlichen Terroristen der Sauerland-Gruppe hat ein Zeuge überraschend den Angeklagten Daniel Schneider als möglichen Käufer des Wasserstoffperoxids für den Bombenbau identifiziert. Vom Gesicht her könne es Schneider gewesen sein, sagte der 38-jährige Chemikalienhändler am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf: "Die anderen definitiv nicht." Laut Anklage soll es dagegen der als Rädelsführer geltende Fritz Gelowicz gewesen sein, der bei dem Händler aus dem niedersächsischen Hodenhagen unter falschem Namen die Wasserstoffperoxid-Lösung bestellte.

Zum eigentlichen Wasserstoffperoxid-Verkauf an die Angeklagten verweigerte der Chemikalienhändler die Aussage, weil er deswegen inzwischen selbst Ärger mit der Justiz habe. Die Staatsanwaltschaft Verden ermittelt in der Sache gegen den 38-Jährigen. Der Händler war nicht nur bei der Überwachung der Sauerland-Gruppe, sondern zudem im Juli vergangenen Jahres bei einer bundesweiten Razzia ins Visier der Fahnder geraten. Damals waren bei mehreren Händlern tonnenweise Chemikalien beschlagnahmt worden, die zur Herstellung von Drogen und Sprengstoff verwendet werden können.

Das Wasserstoffperoxid für die Sauerland-Gruppe hatte der Händler größtenteils über einen Unternehmer bezogen, der eine Spezialreinigung für Industrieanlagen betreibt. Beide teilten sich in Hodenhagen eine Halle in einem ehemaligen Bundeswehrdepot als Materiallager. Der als Zeuge geladene 34-jährige Unternehmer sagte, er habe sechs Fässer mit je 65 Kilogramm Wasserstoffperoxid für den Händler über einen Chemiebetrieb in Hannover bezogen. Der Händler habe ihm gegenüber behauptet, mit dem Bleichmittel Chemiekanister reinigen zu wollen.

Nach Zettel-Fund Zellen durchsucht

Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling fragte die Angeklagten am Dienstag erneut, ob sie nach den Vorfällen der vergangenen Woche ein Geständnis ablegen wollten, "wenn es denn etwas zu gestehen gibt". Die vier Männer schwiegen jedoch weiterhin. Am vergangenen Mittwoch war der Angeklagte Adem Yilmaz mit einem Zettel erwischt worden, den ihm Schneider zugesteckt hatte. In der vom Vorsitzenden verlesenen Geheimbotschaft hieß es unter anderem: "Wann ist es sinnvoll, dass alle schweigen oder aussagen?" Die Zellen der Angeklagten wurden Anfang der Woche erneut im Hinblick auf weitere Zettel oder mögliche Kontakte zwischen den Männern durchsucht, wie Breiding erklärte. Dabei sei nichts gefunden worden.

DPA/AP
 
 
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