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16. Dezember 2008, 07:14 Uhr

Zeugenbefragung im Foltergefängnis

Im Verfahren gegen die sogenannte Sauerland Gruppe, die 2007 Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland geplant haben soll, stützt sich die Bundesanwaltschaft auf Aussagen fragwürdiger Herkunft. Der Verdacht: Ein wichtiger Zeuge könnte im usbekischen Gefängnis gefoltert worden sein.

Die Mitglieder der sogenannten Sauerland-Gruppe. Das Verfahren gegen sie stützt sich offenbar auch auf Zeugenaussagen fragwürdiger Herkunft© Uli Deck, Ronald Wittek/DPA

Wie der stern in seiner neuen, bereits am Mittwoch erscheinenden Ausgabe berichtet, vernahmen ein Bundesanwalt und drei Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) im September dieses Jahres einen 33 Jahre alten Zeugen im Stadtgefängnis von Taschkent in Usbekistan. In diesem Land gehört nach Ansicht des Anti-Folter-Komitees der Vereinten Nationen und mehrerer Menschenrechtsorganisationen Folter "zur Routine" und ist im Justiz- und Polizeiapparat "weit verbreitet". Aussagen von gefolterten Häftlingen aber dürfen in Deutschland vor Gericht nicht verwendet werden.

Die Vernehmung des Zeugen Sherali A. fand nach Angaben der Bundesanwaltschaft im Rahmen der internationalen Rechtshilfe nach den Regeln der deutschen Strafprozessordnung statt. Der angereiste Bundesanwalt notierte in seinem Bericht, er habe keine sichtbaren Auffälligkeiten an dem usbekischen Zeugen bemerkt. Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, sei der Zeuge aber "zusammengezuckt" und habe einen "verschrockenen Eindruck" gemacht, als der stellvertretende Gefängnisdirektor und ein Referatsleiter des usbekischen Geheimdienstes SNB den Raum betreten hätten.

Sherali A. ist einer der wenigen namentlich bekannten Zeugen, die im Verfahren gegen die "Sauerland Gruppe" um den deutschen Konvertiten Fritz Gelowicz Angaben zur Islamischen Jihad Union (IJU) machen können. Die IJU soll Auftraggeber für die geplanten Anschläge in Deutschland gewesen sein.

Wegen erheblicher Menschenrechtsverletzungen in Usbekistan hatte die Europäische Union vor drei Jahren Sanktionen gegen das Land und Einreisverbote gegen usbekische Offizielle verhängt, unter anderem gegen den Chef des Geheimdienstes SNB, Rustam Inojatow. Dieses Verbot ist im Oktober auf Betreiben Deutschlands aufgehoben worden. Am 23. Oktober war Inojatow auf Einladung der Bundesregierung zu Gast in Berlin. Ein Treffen mit Spitzen des Bundesnachrichtendienstes wurde weder bestätigt noch dementiert. Zur Zusammenarbeit Deutschlands mit Staaten, in denen auch gefoltert wird, sagte ein Sicherheitsbeamter zum stern: "Gerade in Verfahren des internationalen Terrorismus kommt man da nicht umhin. Wenn Sie überall die deutschen Maßstäbe anlegen, können Sie die internationale Zusammenarbeit gleich ganz einstellen."

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 52/2008

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KOMMENTARE (4 von 4)
 
kralli19 (16.12.2008, 12:46 Uhr)
Bärenjagd !
Wie fängt man in Usbekistan einen Bären !
Sie schnappen sich einen Hasen und prügeln den solange, bis er gesteht, ein Bär zu sein.
Ein Staat, der den Boden der Grund- und Menschenrechte verlässt, hat seine Legitimation verloren.
Malt (16.12.2008, 10:37 Uhr)
Somit ist auch...
...klar was Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum gemeint hat, als er auf der Juristentagung vorschlug, man könne doch zumindest von ausländischen Geheimdiensten "erfolterte" Geständisse auch bei uns gerichtlich verwerten (http://www.stern.de/politik/deutschland/:Juristentag-Bundesanwalt-Folteraussagen/640112.html). Sich einfach nicht selber die Finger dreckig machen, sondern die "Verdächtigen" in ein Land Outsourcen um dort Foltern zu lassen! So wird das heute gemacht. Soll noch mal einer sagen, der Staat würde nicht von Privatunternehmen lernen!
heartlander98 (16.12.2008, 09:51 Uhr)
Foltergeständnis?
Wenn man irgendeinen normalen Menschen festnimmt, in ein Lager verfrachtet und Wochen oder Monate foltert, wird er ALLES sagen, was man ihm in den Mund legt. Foltergeständnisse sind wertlos.
NeuerMensch (16.12.2008, 09:11 Uhr)
Usbekistan? Wer soll diesen Scheiss noch glauben?
Der ehemalige britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, hat es mit aller Deutlichkeit gesagt: "I have posted previously on the so-called Islamic Jihad Union, which appears to be a creation of the Uzbek Security Services and the CIA, and the extraordinary claims that it was responsible for a plot to blow up a US airbase as well as bars and nightclubs in Germany. (...) We now have vital confirmation that the only link between the three alleged terrorists and the "Islamic Jihad Union" is an allegation from the CIA."
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craigmurray.org.uk/archives/2007/10/islamic_jihad_u_1.html
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Hinzu kommt, das Usbekistan ein totalitärer Unrechtsstaat ist, der große Teile der Bevölkerung mit Gewalt unterdrückt. Aber die Medien kommen ja leider nur noch ihrer Aufgabe als Huren der Politik nach anstatt solchen Dingen einmal nachzugehen. Hallo! Aufwachen!
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