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9. August 2007, 10:37 Uhr

Unions-Politiker fordern Zentralabitur

Politiker von CDU und CSU fordern ein einheitliches Abitur in Deutschland. Ihre Argumente: besserer Leistungsvergleich und größerer Wettbewerb unter den Schülern. Die SPD kritisiert die Idee und auch bei Eltern- und Lehrerverbänden regt sich der Widerstand.

Zentralabitur für ganz Deutschland? Diese Idee hat Fürsprecher und Kritiker© Norbert Millauer/DDP

Der Vorstoß des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger für ein bundesweites Zentralabitur findet immer mehr Anhänger. Außer Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) machen sich auch der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) und Vertreter anderer Länder dafür stark, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Sie versprechen sich davon eine bessere Vergleichbarkeit bei den Leistungen der Schüler.

Noch im August wollen sich die Kultusminister der unionsregierten Länder dem Bericht der Zeitung zufolge auf eine gemeinsame Position verständigen. Im Oktober soll die Kultusministerkonferenz über den Vorschlag abstimmen.

"Das ist echter Wettbewerbsföderalismus"

"Es kann nicht sein, dass es von Land zu Land Wissensabstände von bis zu einem Jahr gibt, sagte Schneider. Der CSU-Politiker schlägt bundesweit einheitliche Abiturprüfungen in Mathematik und Deutsch vor. Sie sollten, wenn möglich, an einem Tag geschrieben werden. Ziel sei es, den Schülern höhere Anforderungen für das Abitur zu stellen. Auch ließen sich ihre Leistungen besser vergleichen, wenn alle dieselben Aufgaben lösen müssten.

Bayerische Schüler könnten sich dann mit jenen aus anderen Bundesländern messen. "Das ist echter Wettbewerbsföderalismus", sagte der Minister. Auch der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann (CDU) und die NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) sprachen sich in der Zeitung für bundesweit einheitliche Abiturprüfungen aus. Für die Einführung des Zentralabiturs ist ein einstimmiger Beschluss der Kultusministerkonferenz notwendig.

Zu den Gegnern des Zentralabiturs gehört Doris Ahnen, Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz (SPD). Es bringe "keine qualitative Verbesserung", begründete der Ministeriumssprecher ihre Haltung. Mehr Vergleichbarkeit und Mobilität sei alleine mit einer Einheitsprüfung nicht zu erreichen. Vielmehr müssten die gemeinsamen Bildungsstandards weiter ausgeweitet werden. Die Einheitsprüfung bringe gewaltige Probleme mit sich, allen voran zeitgleiche Schulferien für alle Bundesländer. Denn zentrale Prüfungen müssten selbstverständlich deutschlandweit an einem Tag stattfinden.

Zweifel an Umsetzbarkeit des Zentralabiturs

Die Eltern- und Lehrerverbände kritisieren den Vorschlag aus den unionsregierten Ländern als unüberlegt: "Da wird wieder etwas losgetreten, ohne über die Folgen nachzudenken, sagte Dieter Dornbusch, Vorsitzender des Bundeselternrats. Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des Philologenverbands, forderte stattdessen gemeinsame Bildungsstandards, wie sie für den Mittleren Bildungsabschluss bereits existierten. Beim Abitur gebe es bisher nur schwammig formulierte Prüfungsanforderungen.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, zweifelte an der rechtlichen Umsetzbarkeit eines bundesweiten Zentralabiturs. Für ihn seien allenfalls freiwillige Zusammenschlüsse zwischen Bundesländern vorstellbar.

AP
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Spocks_Kommentar (09.08.2007, 17:05 Uhr)
Mit Kleinstaaterei ins Elend
Bildung kann nicht die Sache von Landesfürsten sein und von Aschaffenburg aus 20 km weiter etwas ganz anderes bedeuten.
Deutschland braucht einen Bildungsstandard und der muß möglichst hoch sein, deshalb muß das gesamte Schulsystem zum Bund.
Bei der Gelegenheit kann man noch einen zweiten Fehler beseitigen:
In der heutigen Wissensgesellschaft, in der nur noch Bildung zu Beschäftigung führt muß das Staatsexamen der Regelabschluß werden und alle anderen Abschlüsse können nur etwas für "auf der Strecke gebliebene" sein. Die ganze Schulpyramide steht auf dem Kopf: Was unser Land braucht (Akademiker) ist die Ausnahme, was Deutschland nicht braucht, Hauptschule ist die Regel. Auch das kann nicht bleiben.
Eltern müssen die Pflicht haben ihre Kinder ins Gymnasium zu geben und nur wer es nicht schafft bekommt eine schlechtere Bildung. Das läßt sich aber nur bundesweit regeln.
Anders wird Deutschland zum Entwicklungsland.
ramteid (09.08.2007, 15:07 Uhr)
Den 1. Schritt nicht vergessen!
In Deutschland muß ein einheitliches Bildungssystem her und zwar sofort. Diese derzeitige Kleinstaaterei ist mehr als unerträglich. Die Kanzlerin hat es genossen und müßte längst bei der Durchstzung sein. Deutschland 2007 was ist aus Dir geworden. Eine Rechtschreibreform, die keiner braucht, Millionen gekostet und nur Verwirrung brachte löst die andere ab und immer noch 16 verschiedene Bildungsstandarts. Von den unterschiedlichen Lehrbüchern in einer Stadt ganz zu schweigen. Wann werden denn nun endlich die Bremser raus geschmissen.
RomanTicker (09.08.2007, 15:07 Uhr)
Vorher die Lehre angleichen
Bevor man die Prüfungen angleicht, muss man natürlich die Lehre angleichen. Mit anderen Worten, die Schulen müssen in allen Bundesländern das gleiche Wissen vermitteln, bevor es eine einheitliche Prüfung geben könnte. Da aber das föderalistische Prinzip diesen Weg behindert, wird auch ein Einheitsabitur nur schwer möglich sein.
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