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6. Dezember 2006, 07:44 Uhr

Amoklauf in Offenburg geplant?

Offensichtlich hat ein Schüler aus Baden-Württemberg im Internet angekündigt, am Nikolaustag an seiner Schule Amok zu laufen. Die Polizei hat nun Schulen in Offenburg durchsucht. Besorgte Eltern haben nach der Warnung Angst um ihre Kinder.

Ein Spieler des sogenannten Killerspiels "Counter Strike" hatte angekündigt, in seiner Schule Amok zu laufen© DDP

Nach der Internet-Ankündigung einer Gewalttat an einer baden-württembergischen Schule hat die Polizei die Fahndung nach einem Offenburger Schüler aufgenommen. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, gilt der 18-Jährige als vermisst. Allerdings wollte die Polizei nicht dazu Stellung nehmen, ob der Gymnasiast als potenzieller Täter in Frage kommt oder ob er in der Vergangenheit in irgendeiner Weise auffällig geworden ist.

Sicherheitshalber durchsuchte der Polizei sowohl das von dem Schüler besuchte Technische Gymnasium in Offenburg als auch ein Gymnasium in Neuried-Ichenheim, wo der 18-Jährige seine Mittlere Reife ablegte, bevor er nach Offenburg zog. Auch die Mitschüler des Vermissten in Offenburg wurden durchsucht, um ausschließen zu können, dass Waffen in das Gymnasium geschmuggelt werden. Der Unterrichtsbetrieb sollte nach der Polizeiaktion in normalem Umfang aufgenommen werden.

Der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau hatte am Dienstagabend alle Schulen des Landes in Alarmbereitschaft versetzt, weil eine anonyme Person gegenüber zwei rheinland-pfälzischen Schülern im Internet davon gesprochen hatte, sie wolle am Nikolaustag an ihrer Schule in Baden-Württemberg Amok laufen. Die beiden Realschüler hatten sich nach Darstellung des Innenministeriums in Stuttgart über ihre Schulleitung an die Polizei in Rheinland-Pfalz gewandt. Sie seien beim Spielen des so genannten Killerspiels "Counter Strike" in Kontakt mit dem anonymen Spieler gekommen. Auf Nachfrage habe die Person erklärt, dass es ihr Ernst sei. Es gebe Hinweise, dass es sich nicht um einen Trittbrettfahrer handelt, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Rau ordnete daraufhin verstärkte Streifenfahrten in der Umgebung von Schulen an. Ferner sollten mit den Schulen telefonisch Kontakt aufgenommen und örtliche Ansprechpartner benannt werden. Der Kultusminister verteidigte die von ihm öffentlich angeordnete Alarmbereitschaft. Die Angelegenheit müsse ernst genommen werden, sagte der CDU-Politiker. Er warnte aber vor Panik.

Die Polizei in Stuttgart registrierte besorgte Anrufe von Eltern, die fragten, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken sollten, berichtete eine Sprecherin. Es werde nach wie vor verstärkt Streife gefahren, sagte sie. "Über die Ernsthaftigkeit der Androhung kann die Polizei derzeit keine abschließende Bewertung abgeben", erklärten die Ermittlungsbehörden. Ergänzend bat das Ministerium die Schulleitungen, die Situation besonders sorgfältig zu beobachten und bei Auffälligkeiten gegebenenfalls umgehend mit der örtlichen Polizeidienststelle Kontakt aufzunehmen. Auch die Eltern wurden zu besonderer Aufmerksamkeit angehalten und gebeten, Auffälligkeiten vertraulich der Polizei zu melden.

Im westfälischen Emsdetten hatte ein 18-Jähriger am 20. November seine ehemalige Schule gestürmt, 37 Menschen verletzt und sich selbst getötet. Den Amoklauf hatte der frustrierte 18-Jährige im Internet angekündigt - viereinhalb Jahre nach dem Schulmassaker in Erfurt mit 17 Toten. Bayern und Niedersachsen kündigten eine gemeinsame Bundesrats-Initiative an, um ein Verbot von "Killerspielen" durchzusetzen.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
exarKun (06.12.2006, 12:51 Uhr)
ich kann mich dem nur anschliessen
Es kann irgendwo nicht angehen, das ständig die Videospiele, als Sündenbock und jeder Gamer als potentieller Amokläufer dahingestellt werden. Es mögen brutalle Spiele sein, aber dennoch ist, denke ich, die Ursache für die Probleme oder solche Amokläufer wo anders zu suchen. Wie bereits mein Vorredner erwähnte ist es, eher Aufgabe des Staates/der Politik, die Überwachung zu verschärfen, wer an welche Waffen kommt, auch sollte bedacht werden aus welchem Umfeld diese Personen kommen, in wie weit haben Eltern in diesem Punkt versagt ihre Kinder zu erziehen? Diese Fragen und viele weitere sollten sich die Politiker stellen. In wie weit können Schulen in diesen Dingen aufgeklären, bzw. haben sie es getan?
Es mag sicher immer wieder Amokläufer geben und sicher kommen viele aus der "Szene" der Gamer, aber deswegen gleich die Spiele, ich wiederhole SPIELE, das ist nicht Reallife, um etwas in die Gamersprache abzudriften. Dann hätte man auch wenn man jetzt die Computerspiele verbieten will, damals auch die brutalen Videos, die Rockmusik und andere Dinge verbieten müssen. Jede Generation an Politikern, sucht doch immer wieder einen Sündenbock und in unserer Generation sind es die Computerspiele, in der nächsten ist es wieder was anderes und in der Generation davor waren es Videos/Musik und andere Themen. Man kann es sich ja so schön einfach machen als Politiker, aber die wahren Gründe, warum Menschen zu solchen Aktionen geführt werden, bleiben weiterhin ungeklärt und werden nicht bekämpft. Warum auch es kostet ja nur Geld....
Manchmal glaube ich, sind manche Politiker genauso beschränkt in der Birne wie die Amokläufer selbst.
grüße
Exar Kun
Tuxigor (06.12.2006, 11:47 Uhr)
Nachgedacht
Hmm wenn ich mir hier so die Dinge durchlese die sich Herr Beckstein ausgedacht hat, fällt mir klar auf des es dieser Herr nicht geschafft hat (zmindest was die Technik und deren Bedeutung innerhalb der Gesellschaft und Jugendkultur) von seinem Baum herunter zu kommen. Dieses geforderte Verbot ist für mich ein klares Zeichen gegen die morderne Jugend (Die sehr wohl unterscheiden können das es sich bei einem Virtuellen Gegner nur um einen Haufen Polgone und Pixel handelt). Leider wird auch hier wieder klar wie deutlich die Politik am tatsächlichen Leben des "Normalbürgers" vorbei geht und darüber hinaus fehlinterpretiert wird. Normalerweise ist solch eine Vorbotsforderung derart lächerlich das sie nur auf einschlägig bekannten Scherzseiten im Netz zu finden ist. Nun ist es Zeit Herr Beckstein sich um Dinge zu kümmern die momentan in der Jugend versämmt werden. Nämlich Perspektiven auszuzeigen und nach Ursachen zu forschen warum es bei bestimmten Personen überhaupt so weit kommen kann, das sie zur Waffe greifen. Dieser Vorschlag sucht in diesem Zusammenhang was Ignoranz, Engstirnigkeit, Zurückgebliebenheit und absolut an der Sache vorbei seines gleichen. Wer hat den Menschen in seine Position gebraucht ?
Und glaubt er ernsthaft an das was er da so von sich gibt ?
Als nächstes werden Verboten:
Kunst
Bücher
Freie Meinung
Ich bin ernsthaft gespannt wo diese Diskusion enden wird. Denn Ändern wird sie an den Problemen vieler Jugendlichen lieder überhaupt nichts.
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