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12. Juli 2010, 08:49 Uhr

Hitze und Unwetter stürzen Bahn ins Chaos

Das extreme Wetter stellt die Bahn bloß: Kaputte Klimaanlagen, kollabierende Passagiere und teilweise kompletter Stillstand. Das Unternehmen verspricht Widergutmachung.

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Viele Passagiere warten am Montag in Nordrhein-Westfalen vergeblich auf ihren Zug© Andreas Frücht/DPA

Am Wochenende kollabierten die Passagiere, dann brachen die Zugverbindungen zusammen: Die große Hitze und ein kräftiges Unwetter haben bei der Deutschen Bahn und ihren Fahrgästen für chaotische Tage gesorgt. Am Montag brachte eine Gewitterfront den Bahnverkehr auf wichtigen Strecken in Nordrhein-Westfalen fast vollständig zum Erliegen. Ein Bahnsprecher berichtete von "massiven Störungen" wegen Blitzeinschlägen und Bäumen im Gleis. Betroffen waren der Fern- und Nahverkehr sowie alle S- Bahnlinien im Bereich Rhein-Ruhr.

Auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof standen die Reisenden am Nachmittag in dichten Trauben auf den Bahnsteigen und warteten auf Züge. Unter anderem waren die Hauptstrecken Köln-Düsseldorf und Köln-Aachen sowie die Verbindung Oberhausen-Altenessen-Gelsenkirchen betroffen.

Bahn-Chef verspricht Entschädigung

Am Wochenende waren bei tropischen Temperaturen in vielen Zügen die Klimaanlagen ausgefallen. Mehr als 40 Fahrgäste erlitten wegen der extremen Hitze zumeist einen Kreislaufkollaps und mussten behandelt werden. Die Bahn versprach eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle: "Wir nehmen die Ereignisse der letzten Tage sehr ernst", sagte Konzernchef Rüdiger Grube am Montag in Berlin. Die Bahn will demnach die Betroffenen schnell und unbürokratisch entschädigen. Sie können sich unter der Telefon-Nummer 01805-996633 mit dem Unternehmen in Verbindung setzen.

Die Hitzepannen haben für das Unternehmen trotzdem ein juristisches Nachspiel. Die Bundespolizei ermittelt gegen das Staatsunternehmen wegen Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und der unterlassenen Hilfeleistung. Untersucht werden soll, ob es nicht möglich gewesen wäre, angesichts von Temperaturen bis zu 50 Grad im Zuginneren eher Abhilfe zu schaffen. Eingeschaltet sind auch die Staatsanwaltschaft Bielefeld und das Eisenbahnbundesamt, das die Technik und betrieblichen Abläufe untersucht.

Ramsauer: "Nicht hoch stilisieren"

Auch das Bundesverkehrsministerium macht Druck auf die Deutsche Bahn: "Das Thema Mängel bei den ICE ist auf der Tagesordnung", sagte eine Ministeriumssprecherin. "Der Aufsichtsrat wird sich in seiner nächsten Sitzung damit beschäftigen", kündigte sie an. Zudem sei das Verkehrsministerium in Gesprächen mit der Bahnindustrie, der Bahn und dem Eisenbahnbundesamt, um "zukünftige Generationen von ICE zu optimieren".

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer warnte allerdings davor, die ausgefallenen Klimaanlagen in ICE "zu einer nationalen Tragödie hoch zu stilisieren". Zugleich forderte der CSU-Politiker am Montag, die Ursachen der aktuellen Vorfälle müssten gründlich untersucht und beseitigt werden. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) forderte in der "Bild"-Zeitung die schnelle Überprüfung aller Züge. Es sei ein ernster Vorgang, wenn Fahrgäste gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten, wurde Aigner zitiert.

Fahrgastverband kritisiert Sparpolitik

Der Fahrgastverband Pro Bahn hält die gehäuften Defekte von Klimaanlagen in ICE für ein hausgemachtes Problem. "Es waren alles Züge des Typs ICE II. Das sind Züge, die jetzt 15 Jahre alt sind", sagte Karl-Peter Naumann, Bundesvorsitzender des Verbandes, am Montag. Eine Generalüberholung der Züge sei dringend nötig. "Die kommen jetzt auch in die Revision, vielleicht hätten sie doch etwas früher reingemusst."

Fatal sei nach wie vor der Umgang der Bahn mit Problemen. "Was die Bahn noch immer nicht gelernt hat, ist, mit Krisen umzugehen", kritisierte Naumann. "Wenn es kritisch wird, muss man einen Zug auch mal anhalten und nicht nur, wenn er nicht weiterfahren kann, sondern auch, wenn im Inneren Dinge des Komforts nicht mehr stimmen." In den konkreten Fällen vom Wochenende hätte man die Reisenden aussteigen lassen müssen. "Das geht nicht anders."

Die größte Bahn-Gewerkschaft Transnet forderte ebenfalls Gegenmaßnahmen. "Die Ursachen müssen schleunigst erforscht und beseitigt werden", sagte der Vorsitzende Alexander Kirchner nach Angaben seines Sprechers. Er warnte zugleich vor einer Vorverurteilung der Zugbegleiter. "Sie haben einen harten Job und leiden auch unter den Problemen."

Bahn will mehr Getränke und einen "Extra-Blick"

Die Bahn kündigte am Montag Maßnahmen an. Bei der Wartung über Nacht würden die Klimaanlagen mit einem extra Blick genauer überprüft, sagte ein Sprecher. Zudem seien Zugbegleiter nochmals darauf hingewiesen worden, stärker auf Unregelmäßigkeiten zu achten. Außerdem sollen künftig mehr Getränke mitgenommen werden, mit denen sich Reisende erfrischen können.

Neben den drei überhitzten ICE wurden weitere Probleme bekannt. Ein Korrespondent der DPA berichtete von einem IC von Passau nach Hamburg, in dem am Sonntag in mehreren Wagen die Klimaanlage versagt hatte. Im Intercity 2311 von Westerland nach Köln sei am Sonntag die Klimaanlage ausgefallen, sagte der 37-jährige Kölner Matthias Bosmann. Er habe selbst in dem Zug gesessen. Einige Wagen seien wegen Hitze geschlossen worden, Fahrgäste hätten auf andere Waggons ausweichen müssen. "Es war ein Riesenchaos."

fw/DPA/AFP/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
FraGeZ (13.07.2010, 13:17 Uhr)
Manager
an die Spitze eines solchen Konzerns gehören gestandene Eisenbahner, die vom Geschäft etwas verstehen. Keine Manager, die nur den Profit und die Rendite im Visier haben. Warum muss die Deutsche Bahn AG Globalplayer spielen und sich überall auf der Welt einkaufen??
Sie soll zu allererst ihren Beförderungsauftrag in Deutschland erfüllen. Wozu sie per Gesetz verpflichtet ist.
utasieg (12.07.2010, 21:07 Uhr)
Die Deutsche Bahn
Alle sprechen vom Wetter....... wir nicht !!!!!
Josh67 (12.07.2010, 19:42 Uhr)
Tja,
wer jammert jetzt? Das Wahlvolk wollte die Privatisierung doch in den 90ern.
Also alles weiter privatisieren, Wasser wäre noch übrig. Danach steigt bestimmt die Qualität und das Wasser wird billiger, wetten;)
Mile (12.07.2010, 18:49 Uhr)
Besserer Blick???
In jedem Discounter und Baumarkt bekommt man Temperaturmesser mit Sensor für unter 20?.
Das würde schon reichen lieber Herr Gruber, um zu kontrollieren, wie warm es in einem Abteil ist.
igora (12.07.2010, 18:47 Uhr)
So etwas nennt man
Profitmaximierung
hardius (12.07.2010, 18:31 Uhr)
Von der Politik so gewollt
Mit der Bahnreform 1994 sollte die DB entschuldet werden und Manager übernahmen die Führung.
Jo, die sehen als Erstes die Rendite, nicht die qualitative Erfüllung ihres Verkehrsauftrages. Es wird unter Niveau Unterhaltung und Ausstattung der Fahrzeuge realisiert.
Die Politiker sollten mal ihre eigene Entscheidung hierzu überdenken.
Beobachter2010 (12.07.2010, 18:11 Uhr)
Ich sage nur ....
DB = Disaster Bahn

Da bekommen sogenannte Manager ein vollständiges Unternehmen, bezahlt aus Steuermitteln, an die Hand. Was machen sie daraus einen Schrotthaufen ohne Dienstleistung und Service.

Der Kunde steht bei der Bahn im Mittelpunkt ...... und damit im Weg.
berlin79 (12.07.2010, 18:11 Uhr)
@Greeper
Sinnfreier Beitrag und eine merkwürdige Auffassung.

Wenn es nach Ihnen ginge sollten alle Menschen nur noch mit Autos durch die Gegend fahren?

Das Gejammere über noch verstopftere Straßen und Autobahnen würde ich mir dann gerne anhören/anschauen.

Aber manche Leute haben ein Scheuklappendenken.
bali (12.07.2010, 18:06 Uhr)
Diese Bimmelbahn
findet doch immer neue Ausreden, warum es bei ihr einfach nicht funktioniert: Sonne, Herbstwind, Winter, Schnee u.v.a. mehr. So geht es das ganze Jahr über...
Solange man nach dem Erwerb einer sauteuren Fahrkarte als Fahr"gast" auch nur das Recht erkauft, von der Bahn von A nach B transportiert zu werden (sogar ohne Anspruch auf einen Sitzplatz, geschweige denn auf sonstigen Komfort), wird sich an den Mißständen NICHTS ändern. Hier fehlt einfach die Konkurrenz!Oder besser aufs Flugzeug umsteigen...
loisl (12.07.2010, 18:01 Uhr)
Bahn
Die Bahn ist ein Paradebeispiel für gelebtes Missmanagement und für konsequentes an den Kunden vorbei wirtschaften. Seit Jahren beobachtet man, wie Strecken ausgedünnt und Fahrpläne zusammengestrichen werden. Fachpersonal wird entlassen. Züge werden so knapp kalkuliert, dass fast die Hälfte der Reisenden stehen muss. Usw. usf. Dazu kommt, dass die Bahn lieber den Weg geht, sich zu Tode zu sparen. Weniger Geld für Management und Verwaltung und für seltsame Prestigeprojekte, stattdessen mehr für den Kunden, das wäre doch mal was. Dann könnte man auch die Preise erhöhen, denn zufriedene Kunden nehmen so etwas gerne hin.
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