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29. April 2009, 22:15 Uhr

So gefährlich ist die Schweinegrippe

Virus erreicht Deutschland

Angst, Panik und manche offene Frage - weltweit reagieren die Menschen verunsichert auf die Schweinegrippe. Wie gefährlich das Virus ist und wie man sich dagegen schützen kann - stern TV beantwortet wichtige Fragen.

Virus, H1N1, Mexiko, Deutschland

Besonderer Schutz: In den Krankenhäusern in Mexiko City sind Atemschutzmasken Pflicht© Eduardo Verdugo/AP

Die Schweinegrippe ist weiter auf dem Vormarsch: Nach dem Ausbruch der Krankheit in Mexiko gab es zunächst Fälle in den USA und Kanada. Es folgten Spanien, Großbritannien, Israel, Neuseeland – und nun auch Deutschland.

Für die Bevölkerung gebe es aber nach wie vor "keine allgemeine Gefährdung" durch die Schweinegrippe, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) am Mittwoch mit. "Generell empfohlene persönliche Hygienemaßnahmen sollten aber besonders beachtet werden." Das gilt insbesondere bei Kontakt zu Reiserückkehrerern aus betroffenen Regionen, hieß es. Denn: Vor allem beim Niesen oder Husten könnten Grippe-Erreger auf die Hände gelangen und dadurch weiterverbreitet werden.

Wie Sie sich sonst gegen die Schweinegrippe schützen können, erfahren Sie hier.

Auf keinen Fall sollte man sich dagegen prophylaktisch Grippemedikamente verschreiben lassen und sie vorbeugend einnehmen. Denn: Diese Mittel helfen nur im Krankheitsfall. Außerdem wäre das bei einer weiteren Ausbreitung des Virus' gefährlich. Behörden und Gesundheitsexperten warnen außerdem davor, Grippemittel wie Tamiflu auf dem Schwarzmarkt oder bei dubiosen Anbietern im Internet zu kaufen: Denn: Dabei handelt es sich häufig um gefälschte Medikamente, die nicht wirken und schädlich sein können.

Wie gefährlich die Schweinegrippe wirklich ist, ob Sie noch Schweinefleisch essen können und welche Symptome bei Betroffenen auftreten, erfahren Sie links in der Spalte oder unter: www.stern.de.

Was ist eigentlich die Schweinegrippe?

Bei der Schweinegrippe handelt es sich zunächst einmal um eine Atemwegserkrankung, die üblicherweise bei Schweinen auftritt. Der Grippevirus kann aber auch vom Tier auf den Menschen übergreifen.

Wie ist das Virus entstanden?

Der aktuelle Erreger stammt aus Mexiko. Er ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine neu entstandene Variante des Virus-Typs H1N1, der sowohl bei Menschen als auch bei Schweinen und Vögeln vorkommen kann.

Generell gilt: Grippeviren verändern sich ständig. Und: Schweine können gleichzeitig mit Schweine-, Vogel- und Menschenviren infiziert sein. Ist das der Fall, können sich die Gene im Körper des Schweins austauschen. So entsteht ein neuer Virustyp. Der Erreger verbreitet sich dann auch von Mensch zu Mensch. Das ist aktuell offenbar passiert.

Es ist außerdem möglich, dass das Virus schon vor einiger Zeit vom Schwein auf den Menschen übergegangen ist, und sich dann so verändert hat, dass es unter Menschen übertragbar ist.

Ist das aktuelle Virus besonders gefährlich?

Dasderzeit grassierende Virus ist insofern sehr gefährlich, als es laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) das "Potenzial" zu einer weltweiten Epidemie hat. Denn: Im Gegensatz zu früheren Virusarten - etwa der Vogelgrippe - wird das aktuelle Virus auch von Mensch zu Mensch übertragen. Dazu kommt, dass die Schweinegrippe nicht nur alte und schwache Menschen, sondern insbesondere junge, gesunde Erwachsene trifft.

Ist es gefährlicher als die normale Influenza?

Der Vergleich mit der normalen Grippe zeigt auch, dass die Schweinegrippe nach jetzigem Stand noch relativ kleine Auswirkungen hat. 5000 bis 8000 Grippetote gibt es üblicherweise in einer Saison in Deutschland.

Wie wird das Virus übertragen?

Die Schweine-Influenza ist zwar weltweit verbreitet. Dass Menschen an der Infektionen erkrankt sind, war bislang aber selten. Das hat sich nun geändert. Die derzeitige weltweite Ausbreitung des Virus' zeigt aber auch, dass eine Ansteckung von Mensch zu Mensch möglich sein kann. Die meisten der Infizierten hatten nämlich keinen direkten Kontakt zu Schweinen.

Die Übertragung erfolgt über die Tröpfchen-Infektion, das heißt durch Husten, Niesen oder Speichel.

Welche Symptome treten auf?

Als Symptom gilt vor allem hohes Fieber. Ansonsten klagen Betroffene über ähnliche Beschwerden wie bei einer normalen Grippe: Husten, Schnupfen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.

Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

Die Gefahr, sich mit der Schweinegrippe zu infizieren, ist etwa genauso hoch wie bei einer normalen Grippe. Die Inkubationszeit beträgt etwa eine Woche. In der Zeit kann man sich theoretisch bei einem Infizierten anstecken, obwohl dieser selbst noch keine Symptome aufweist.

An einer Schweinegrippe kann derzeit nur erkranken, wer sich in den vergangenen sieben Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten hat oder Kontakt zu jemandem hatte, der in einem Risikogebiet war.

Falls Sie befürchten, sich mit der Schweinegrippe angesteckt zu haben, suchen Sie sofort einen Arzt auf und lassen Sie sich behandeln. Weisen Sie den Arzt vorher telefonisch auf Ihren Verdacht hin und geben Sie ihm konkrete Informationen zu Ihrem Aufenthalt in einem Risikogebiet.

Wie kann ich mich vor dem Virus schützen?

Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut rät zu konsequentem Händewaschen. Beim Niesen sollte man nicht in die hohle Hand, sondern in ein Papiertaschentuch oder den Ellenbogen niesen. So verringert sich die Wahrscheinlichkeit, jemanden anzustecken, da man ihm zum Beispiel zur Begrüßung die Hand, und nicht den Ellenbogen reicht.

Weitere Tipps finden Sie hier.

Schützt eine Grippe-Impfung vor der Schweinegrippe?

Einen Impfstoff gegen das Virus gibt es noch nicht, ein normaler Grippe-Schutz schützt daher mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht gegen die Schweinegrippe.

Warum kann die Einnahme von Grippemedikamenten gefährlich sein?

Schweinegrippe-Viren sind derzeit noch nicht resistent gegen Grippemittel wie etwa Tamiflu. Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut rät daher dringend davon ab, sich jetzt aus Panik mit sämtlichen Grippemitteln einzudecken. Bei Erkältungsanzeichen sollte man keinesfalls ein Grippemittel einnehmen, da man sonst Resistenzen entwickeln kann. Das Mittel würde dann im tatsächlichen Fall einer Grippe-Infektion (Schweinegrippe oder normale Influenza) nicht mehr wirken.

Gibt es in Deutschland genügend Medikamente für den Ernstfall?

Eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa zeigt, dass in Deutschland in den meisten Bundesländern für 20 Prozent der Bevölkerung Medikamente wie Tamiflu und Relenza für den Notfall eingelagert sind - wie es die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt. Die Medikamente waren im Zuge der Vogelgrippe und der bereits damals von Experten beschriebenen Pandemie-Gefahr angeschafft worden. Darüber hinaus verfügen auch Krankenhäuser und Apotheken über die antiviralen Medikamente.

Wie lange dauert es, bis es einen wirksamen Impfstoff gibt?

Das Paul-Ehrlich-Institut versucht gerade, an den Schweinegrippe-Virus zu kommen, um die tatsächliche Wirksamkeit des derzeitigen Impfstoffes zu testen. In den USA arbeiten Labors schon seit einiger Zeit an einem geeigneten Impfstoff. Aus Zeiten der Vogelgrippe gibt es schon zugelassene pandemische Impfstoffe, in die noch der entsprechende Schweinegrippe-Erreger zugesetzt werden muss. Die Voraussetzungen sind also gut, dass bald ein wirksames Mittel gegen das Virus vorliegt.

Sollte man auf Schweinefleisch verzichten?

Nein, Schweinefleisch kann man nach wie vor bedenkenlos essen. Die Scheinegrippe wird nicht über Lebensmittel übertragen.

Epidemie und Pandemie - was ist der Unterschied?

Eine Epidemie ist eine Seuche, die innerhalb einer Population vorkommt. Meist handelt es sich dabei um Infektionskrankheiten. Breitet sich die Krankheit über mehrere Länder oder sogar Kontinente aus, spricht man von einer Pandemie. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Schweinegrippe das Potential zu einer Pandemie, weil kaum ein Mensch gegen das Virus immun ist.

KOMMENTARE (1 von 1)
 
astra1971 (02.05.2009, 09:59 Uhr)
Anstatt aber die Ursachen zu bekämpfen
(Verbot grenzüberschreitender
Tiertransporte und der entsetzlichen Massentierhaltungen, wo sich durch den permanten Streß, die hochbelastete Stall-"Luft" sowie die Massierung zigtausender armer Tiere auf engstem Raum Seuchen aller Art in Windeseile verbreiten können), sucht die Pharmaindustrie, unterstützt von hörigen Politikern und Medien, wiederum nach milliardenschweren neuen
Profitquellen.
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