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28. April 2009, 13:08 Uhr

Stadt in Mexiko hält sich für Ursprungsort

Ein vierjähriger Junge erkrankt als einer der ersten Mexikaner an der Schweinegrippe. In der Nähe seiner Heimatstadt La Gloria werden auf einer Riesenfarm 15.000 Schweine gemästet. Kann das Zufall sein? Wohl kaum, meinen die Bewohner und erheben Vorwürfe gegen die Betreiberfirma.

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Der vierjährige Edgar Hernandez (r.) aus La Gloria ist nach Behördenangaben als einer der ersten an Schweinegrippe erkrankt, aber wieder genesen© Alexandre Meneghini/AP

Mexikanische Kleinstadt in Aufruhr: Der Ort La Gloria im Bundesstaat Veracruz sieht sich als Ausgangspunkt der Schweinegrippe, der inzwischen weltweit vermutlich schon mehr als 150 Menschen zum Opfer gefallen sind. Die Bewohner machen eine riesige Schweinefarm in der Nähe für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich. Mexikanische Stellen bestätigen dies nicht. Für sie steht der Entstehungsort der Seuche noch nicht fest.

Einer der ersten nachgewiesenen Fälle von Schweinegrippe war allerdings der eines Vierjährigen aus La Gloria. "Als wir die Berichte im Fernsehen gesehen haben, haben wir uns gesagt: "Das ist, was wir hatten", sagt Jose Luis Martinez. Für den 34-jährigen Einwohner von La Gloria steht fest: "Es kam alles von hier... Die Symptome an denen die Leute leiden, sind die gleichen, die wir hatten." Zudem arbeitet nach seinen Angaben jeder Zweite aus dem Ort in Mexiko-Stadt und könnte die Krankheit leicht in die Hauptstadt verbreitet haben, wo die meisten Krankheitsfälle gemeldet werden.

Ein Sechstel der Einwohner erkrankt

Tatsächlich begannen schon Ende März mehr als 450 der rund 3.000 Einwohner des Ortes an schweren Atemwegserkrankungen zu leiden, deren Ursache sie in Belastungen durch den Dung und die Gülle einer nahegelegenen Schweinefarm sehen. Einwohner von La Gloria beschweren sich schon seit Jahren über den schrecklichen Gestank, der von dem rund 8,5 Kilometer entfernten und in direkter Windrichtung liegenden Betrieb ausgeht. Dort werden in 18 Riesenställen insgesamt 15.000 Schweine gehalten. Die Bewohner befürchten zudem, dass ihr Wasser und ihre Luft von den Misthaufen verseucht werden. Nach Medienberichten soll ein örtlicher Gesundheitsbeamter eine bestimmte Fliegenart, die sich in Schweinemist vermehrt, für den Ausbruch einer Krankheit in La Gloria nachgewiesen haben.

Die Betreiberfirma Granjas Carroll de Mexico, die zur Hälfte dem US-Konzern Smithfield Foods und damit einem der weltweit größten Produzenten von Schweinefleisch gehört, kann keinerlei Zusammenhang zwischen dem Betrieb und den Krankheitsfällen in La Gloria und der Schweinegrippe erkennen. Vielmehr handele es sich um ein "unglückliches Zusammentreffen", erklärt Betriebsmanager Victor Ochoa. Und er zeigt Journalisten eine große schwarze Plastikplane, die über riesige Zement-Misthaufen gebreitet ist, um sie von der Außenluft abzuschirmen. "All unsere Schweine sind ausgereichend geimpft, und ihre Haltung entspricht den neuesten Anforderungen", betont Ochoa. Nach Angaben von Smithfield Foods gibt es keine Anzeichen oder Symptome für Schweinegrippe in seinen Partnerbetrieben in Mexiko, weder bei den Tierbeständen noch bei den Beschäftigten.

Noch keine erkrankten Schweine entdeckt

Das mexikanische Landwirtschaftsministerium konnte bislang ebenfalls keine Hinweise auf die Seuche in den Beständen der Farm im Staat Veracruz feststellen. Zudem wurden nach diesen Angaben auch sonst noch keine infizierten Schweine gefunden. Allerdings waren die Untersuchungen des Ministeriums möglicherweise nicht ausführlich genug. Nach Angaben von Farmmanager Ochoa wurde sein Betrieb bislang noch nicht untersucht. Die UN-Welternährungsorganisation FAO bestätigt gleichwohl, dass es bislang noch keine Hinweise auf kranke oder sterbende Schweine in Mexiko gebe. Zugleich hält UN-Experte Juan Lubroth das mexikanische Überwachungssystem für ausreichend. Schließlich habe es zuvor eine andere Schweine-Seuche erkannt und ausgemerzt.

"Woher hatte er sie?"

Für die mexikanischen Gesundheitsbehörden haben selbst die Grippefälle in La Gloria nichts mit der Schweinegrippe zu tun. Von 30 untersuchten Menschen mit Atemwegserkrankungen dort sei lediglich bei einem, dem bereits genannten Vierjährigen namens Edgar Hernandez, das neue Virus nachgewiesen worden, wie Gesundheitsminister Jose Angel Cordova erklärt. Die übrigen hätten an einer "normalen" Grippe gelitten. Aber die Bewohner der Kleinstadt wollen sich damit nicht zufriedengeben. Für sie war Edgar, der wieder gesund wurde, nicht das einzige Opfer der Schweinegrippe in ihrem Ort. Die Grundschullehrerin Concepcion Llorente meint: "Sie sagen, dass wir hier eine untypische Grippe hatten, aber wenn der Junge positiv auf Schweinegrippe getestet wurde, bleibt die Frage, woher hatte er sie?"

Olga R. Rodriguez/AP
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
elllen (28.04.2009, 22:43 Uhr)
nicht unlogisch...
letztlich klingt es ja mehr als logisch, das die erste Mutation dort ausbricht, wo die (scheinbar weit verbreitete) Schweinegrippe (also die der Schweine) und die saisonale Influenza aufeinandertreffen. Genau dieser Zustand lag doch - lt. Berichterstattung - vor. Der ideale Schmelztigel für eine Mutation. Ohne die Fälle der saisonalen Grippe wäre es ja eher unwahrscheinlich...
Der-nette-Nachbar (28.04.2009, 19:45 Uhr)
Abzocker..
Angenommen das Virus käme von dort:
Die Viehzüchter werden das Virus wohl kaum absichtlich verbreitet haben.
Aber sicherlich vorher ein großer Arbeitgeber im Umkreis gewesen sein. Heute werden sie also vorverurteilt, und morgen freut sich das Dorf, wenns ne Touristenattraktion draus gemacht hat: "Der Ort wo das Grauen 2009 began!" .. und dann verkaufen die Lästermäuler von heute Snacks und Getränke an die Touris..
Saraela (28.04.2009, 16:42 Uhr)
ja genau
früher war es die hexe aus dem nebendorf oder der teufel persönlich - heute sind es die verschwörer, die regierung oder sonstwas, wenn man sich etwas nicht erklären kann.
terrax (28.04.2009, 16:01 Uhr)
Woher er der kleine Junge die Grippe hat?
Wahrscheinlich von irgend so einem Club wie CIA, NSA usw. Nun können die Herrschaften sagen die Grippe kam aus Mexiko... Gründe hätten Sie genug für den Virus angesichts der Wirtschaftskrise. Dann ist da noch die Frage welche in der öffentlichen Presse überhaupt nicht erwähnt wurde sondern nur auf vielen Blogs: Weshalb hat der Bundesstaat Texas anfang April so viele Plastiksärge bestellt und Kapazitätsanfragen bei Friedhöfen durchgeführt?....
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