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20. Januar 2011, 07:56 Uhr

Rudolf Elmer zum zweiten Mal verhaftet

Anfang der Woche übergab Rudolf Elmer CDs mit Daten von Steuerhinterziehern an Wikileaks. Nun hat er gleich mehrere Verfahren am Hals. Am Mittwoch wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt - und anschließend erneut verhaftet.

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Rudolf Elmer konnte die Freiheit nur kurz genießen. Nach einem ersten Urteil wurde der Ex-Banker erneut verhaftet© DPA

Der Schweizer Banker Rudolf Elmer ist am Mittwoch kurz nach seiner Verurteilung wegen Verletzung des Bankgeheimnisses erneut verhaftet worden. In einem neuen Strafverfahren gehe es wieder um den Verdacht der Verletzung des Bankgeheimnisses, wie Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei Zürich mitteilten.

Grund für die Festnahme und das erneute Verfahren gegen den entlassenen Julius-Bär-Banker seien Daten-CDs, die Elmer am Montag in London an den Chef des Enthüllungsportals Wikileaks, Julian Assange, übergeben hatte. Die Staatsanwaltschaft überprüfe nun, ob der 55-Jährige damit gegen das schweizerische Bankengesetz verstoßen habe, teilten die Justizbehörden mit. "Gegen Rudolf Elmer ist ein neues Strafverfahren wegen der mutmaßlichen Verletzung des Bankgeheimnisses eröffnet worden", teilte die Züricher Kantonspolizei auf ihrer Internetseite mit.

Elmers Motiv: Rache am Arbeitgeber

Der frühere Geschäftsleiter der Julius-Bär-Filiale auf den Cayman Islands war am Nachmittag von einem Gericht in Zürich zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte zugegeben, geheime Kundendaten an Steuerbehörden und Wikileaks weitergegeben zu haben. Das Gericht sprach den Angeklagten neben der Verletzung des Bankgeheimnisses auch der versuchten Nötigung und Drohung für schuldig.

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Fall acht Monate Haft gefordert. Sie hatte Elmer vorgeworfen, nach seiner Entlassung 2002 zahlreiche interne Dokumente mitgenommen und die Namen von Kunden an Medien und den schweizerischen Fiskus weitergeleitet zu haben. Elmers Motiv sei nicht wie angegeben der Kampf gegen Steuerflucht gewesen, sondern seine Entlassung durch die Bank, erklärte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Die Anklage hatte Elmer zudem beschuldigt, einen Bombenalarm bei seinem ehemaligen Arbeitgeber ausgelöst zu haben. In diesem Punkt wurde Elmer freigesprochen.

Eine symbolische Geldstrafe

Elmer sieht sich selbst als Informant der Öffentlichkeit (whistle blower), der Missbräuche im Offshore-Geschäft aufdecken wollte. Die Geldstrafe beträgt 7200 Franken (etwa 5600 Euro) und die Bewährungsfrist zwei Jahre. Das Gericht bewertete als schwerwiegend, dass Elmer gegen einen Bankangestellten eine Todesdrohung ausgesprochen haben soll.

Am Montag hatte Elmer, der in der Schweiz bereits 30 Tage im Gefängnis saß, Wikileaks Tausende über Jahre gesammelte Daten von mutmaßlichen Steuerbetrügern zur Auswertung und Veröffentlichung übergeben. Die Dateien sollen nun geprüft werden. Elmer hatte angekündigt, zunächst keine Namen von Firmen oder Personen bekanntgeben zu wollen.

swd/DPA/AFP
 
 
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