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1. Juli 2008, 18:08 Uhr

Joe Horn macht kurzen Prozess

Als im Nachbarhaus im texanischen Pasadena Einbrecher zugange waren, zögerte Joe Horn nicht lange. Der Rentner erschoss die beiden. Dennoch hat ein Gericht ihn nun freigesprochen. Der Fall sorgt für Wirbel, nicht nur, weil es sich bei den Opfern um illegale Einwanderer handelte. Von Matthias B. Krause, New York

Die texanische Flagge weht über einem Staat, in dem noch Gesetze aus der Zeit der Cowboys etwas gelten© Picture-Alliance

In der ruhigen Nachbarschaft von Pasadena, einem Vorort der texanischen Öl-Metropole Houston, war Joe Horn nie besonders aufgefallen. Er lebte das ruhige Leben eines Rentners im Haus seiner Tochter. Darüber war er alt geworden und ziemlich übergewichtig. Doch das, was die Notrufzentrale am 14. November vergangenen Jahres mitschnitt, klang ganz anders. Er habe beobachtet, dass in das Haus nebenan eingebrochen worden sei, sagt Horn darin - und jetzt werde er mit seinem Jagdgewehr rausgehen und die Einbrecher stellen. Der Mann am anderen Ende fleht ihn an, drinnen zu bleiben: "Sonst riskierst du, erschossen zu werden", sagt er. Horn erwidert: "Willst du eine Wette abschließen? Ich werde sie töten". Dann tritt er vor die Tür und feuert dreimal in schneller Folge. Die beiden Einbrecher - im Rücken getroffen - sterben auf der Stelle.

"Schießt ihnen in den Rücken"

Seitdem hat Horn, 62, keine Minute im Gefängnis verbracht. Ein Polizist, der die Szene beobachtete, sah keinen Grund, ihn zu verhaften. An diesem Montag nun sprach auch eine Grand Jury Horn frei. Damit hat er keine Strafverfolgung mehr zu fürchten. Die Laienrichter hörten zwei Wochen lang die Zeugen in dem Fall, dann entschieden sie, Horn habe im Sinne des in Texas herrschenden "Castle Law" gehandelt. Somit ist er weder ein "Mörder" noch einer, der "Selbstjustiz" vollzogen habe, wie seine Kritiker beklagen, sondern der "Held", als den ihn seine Nachbarn feiern. Einer von ihnen, Randi Laird, jubelte nach der Entscheidung: "Sie waren Diebe, schießt ihnen in den Rücken, in den Hintern. Tötet sie."

Der Fall brodelte monatelang in Texas und rief die landesweiten Medien auf den Plan. Es gab Proteste und Gegenproteste. Horn erhielt Todesdrohungen. Die einen sehen in ihm einen Mann, der Recht und Gesetz durchsetzte und dafür sorgt, dass seine Nachbarn ruhig schlafen können. In Texas und mehr als zwei Dutzend weiteren US-Bundesstaaten gelten Regelungen, die den Leuten das Recht zugestehen, nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Besitztümer und ihre Immobilien mit Waffengewalt zu verteidigen. Sind die Gesetze, die aus den Zeiten des Wilden Westens stammen und seitdem nur wenig verändert wurden, besonders locker, erlauben sie, wie in Texas, unter bestimmten Umständen sogar, auch das Hab und Gut anderer zu schützen.

Die Einbrecher waren illegale Einwanderer

Die Kritiker glauben, der Fall wäre ganz anders entschieden worden, hätte es sich bei Horn nicht um einen Weißen und bei den Einbrechern Hernando Torres, 38, und Diego Ortiz, 30, nicht um illegale Einwanderer aus Kolumbien gehandelt. Frank Ortiz, Mitglied der Bürgerrechtsgruppe United Latin American Citizen, sagte dem "Houston Chronicle": "Es ist erstaunlich, dass sie ihn freigesprochen haben, obwohl es so viele Beweise gegen ihn gab. Und es ist erstaunlich, dass niemand mit einem hispanischen Nachnamen Gerechtigkeit bekommen kann. Dies war nichts anderes als ein Akt der Selbstjustiz." Die Ortsgruppe der New Black Pather schlug sich ebenfalls auf die Seite der Opfer, ein Aktivist namens Quanell X sagt: "Houston ist nun eine Stadt in Gottes Hand. Man braucht keine Justiz mehr, keine Polizei, keinen Richter und keine Jury. Du kannst all das ganz alleine machen." Er erinnerte zudem an einen Fall vor wenigen Wochen, in dem ein Schwarzer festgenommen worden war, weil er einen Hund auf seinem Grundstück erschossen hatte. Erst als er nachweisen konnte, dass der Hund ihn und seine Familie bedroht hatte, wurde er wieder freigelassen.

Die Debatte über das Recht und Unrecht von Horns Handeln erhält vor dem Hintergrund der Diskussion um illegale Einwanderung und Waffengesetze zusätzliche Brisanz. Mehr als zwölf Millionen Menschen leben in den USA ohne korrekte Papiere. Alle Versuche, das Problem zu lösen, scheiterten bislang an dem massiven und ideologisch aufgeheizten Widerstand der Republikaner und der konservativen Demokraten im Kongress. Die einigten sich nur darauf, den Grenzzaun zu Mexiko massiv auszubauen. Vergangene Woche hatte der Supreme Court zudem die strengen Waffengesetze in der Bundeshauptstadt Washington für verfassungswidrig erklärt. Nach Auffassung der konservativen Richter hat jeder Amerikaner laut Grundgesetz das Recht, eine Waffe zu besitzen.

Joe Horn, der seit 30 Jahren jagen geht, hatte nie Zweifel daran, dass er im Namen von Recht und Gesetz handelte, als er vor seine Tür trat und schoß. Gewissensbisse plagen ihn dennoch. Und der Trubel um seine Person macht ihm schwer zu schaffen: "Mein Leben ist die Hölle. Und das meiner Familie auch." Nächstes Mal, sagt er, würde er im Haus auf die Polizei warten. Im Augenblick allerdings versucht er nur, dem Scheinwerferlicht zu entgehen. Vor seinem Haus hat er ein großes Schild aufgestellt, das das Betreten des Geländes verbietet. Eine Warnung, die man besser ernst nehmen sollte.

Von Matthias B. Krause, New York
 
 
KOMMENTARE (10 von 85)
 
stern.de-Admins (03.07.2008, 17:15 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Kommentare. Wir schließen die Diskussion an dieser stelle.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
Knuffiman (03.07.2008, 16:00 Uhr)
@ tricky_dude
auch zustimmung. tiere klauen nicht, und handel auch nicht mit drogen, brechen nicht ein und begehen auch sonst keine straftaten, die unter umständen leib und leben gefährden.
der gutmensch ist nur so lange ein gutmensch, bis ihm schlimmes wiederfahren ist.
Knuffiman (03.07.2008, 15:55 Uhr)
@ nony
ach ja der... der saß ja in seinem wagen und hat zugesehen....auf dem baum kann es vom standort machmal gar nicht so übel sein. von dort oben hat man einen weiteren blick.
nony (03.07.2008, 14:56 Uhr)
Bin zwar noch nicht ....
alle Kommentare durch, aber ich könnte schon wieder kotzen.
Hehh ihr Gewaltverherrlicher, denen es nicht brutal genug zugehen kann. Habt ihr eigentlich bei all eurem Applaus für den Mörder das Lesen verlernt??
Im Artikel steht klar, dass ein Polizist anwesend war und die Szene beobachtet hat!!! Also was hatte unser Killerjoe da überhaupt mit seiner Knarre zu suchen??? Kommt also mal wieder von euren Bäumen runter. In einer zivilisierten Gesellschaft gibt es andere Methoden, mit Problemen umzugehen.
Und ja .... heult doch, dass hier die Täter mit Samthandschuhen angefasst werden! Auf diese Weise ist wenigstens sichergestellt, dass solch menschenverachtendes Gesocks nicht mehr an die Macht kommt.
tricky_dude (03.07.2008, 11:18 Uhr)
@Die_Tina
Volle zustimmung! Tiere behandle ich meist sehr gut, da sie sich deutlich sozialer und ehrlicher benehmen wie Menschen. Vor allem kennen sie keine Ideologien.
Die_Tina (03.07.2008, 10:17 Uhr)
@Der_Herold
Was ist denn das für eine stumpfsinnige Aussage??
>>> Wer sich wie ein Tier benimmt, der soll auch so behandelt werden!!!
Der_Herold (03.07.2008, 00:45 Uhr)
Richtig so!!!!
Ich würde auch nicht anders handeln, wenn jemand in mein Haus, oder in das meiner Nachbarn eindringt! Wenn das jeder so macht, denken die Verbrecher vielleicht nochmal drüber nach. Das die Diebe davon ausgehen nicht erwischt zu werden ist mir auch klar, aber wenn sie damit rechnen müssen sich ne Kugel im Rücken einzufangen, lassen sie´s vielleicht! Wer sich wie ein Tier benimmt, der soll auch so behandelt werden!!!
Knuffiman (02.07.2008, 21:48 Uhr)
@mr_s
klar ist es absurd. absurd ist es auch
ihrer meinung nach sein eigentum oder das von freunden nicht schützen zu dürfen. in texas ist dies mit waffengewalt möglich. da weiß ein jeder der klauen geht auf was er sich einlässt. sie helfen wahrscheinlich noch beim tv raustragen, so wie sie sich äußern. glauben sie wirklich die beiden hätten nicht von der schusswaffe gebrauch gemacht wenn sie in bedrängnis geraten wären ?? daher weis die diebeszunft nun genau béscheid, in diesem revier ist es gefährlich zu wildern. denken sie doch mal ein wenig weiter.. vllt ist es beschaffungskriminalität mit drogenhandel. vielleicht vertickten die 2 das zeug an minderjährige schulkinder oder haben sogar kleine mädels angefixt um diese dann auf den strich zu schicken. bei dem vorstrafenregister ist die wahrscheinlichkeit sehr hoch. der crime in den staaten ist ein anderer wie wir ihn hier kennen. da wird für ein paar dollar nicht lange gefackelt. es ist teilweise wirklich so "auge um auge".... daher hätte ich auch geschossen von hinten oder vorn vollkommen egal. die beiden komen jedenfalls nicht wieder zum klauen. so, ihr dürft loslegen, ich nehme es mit einem lächeln
Kommentator21 (02.07.2008, 18:48 Uhr)
@tricky_dude
ich meinte den Koma Schläger aus Köln, der Antigewaltstraining davon kam. Wir kennen nicht die genauen Umstände die das Gericht in Texas bewog den Mann freizusprechen, die Geschworeren kamen zu dem Urteil, das er unschuldig ist. Zumindestens setzt es ein Zeichen für künftige Gangster, das man ein entsprechendes hohes Risiko eingeht, wenn man in Häuser einbricht. Warum sollte der US Steuerzahler für die Verpflegung und Unterbrinung der Illegal eingewanderten Kriminellen aufkommen, somit hat der Mann der USA erhebliche Kosten erspart.
tricky_dude (02.07.2008, 17:43 Uhr)
@Kommentator21
Ist schon klar, das Thema mit den Schlägern ist aber auch ein ganz anderes. Die Münchner U-Bahnschläger erwarten die Höchststrafe. In Urlaub würde ich die auch schicken, allerdings würde ich vorher Freund Vladimir Putin fragen obe er noch Kapazitäten in Sibirien frei hat.
Bei einem Einbruch kommt es auch darauf an wie einsam man wohnt. In einer Wohnanlage, mitten in der Stadt hat der Einbrecher meist schlechte Karten. Gabs hier schon, ging immer in die Hose, dank gutem Kontakt mit dem Nachbarn.
Allerdings hat es auch seinen Reiz einem Strolch mal eine gute deutsche Luftgewehrkugel in die Hinterbacke zu jagen. Aber das ist bei uns meist nicht nötig, aber in den USA sind die Ganoven um einiges gewaltbereiter und oft auch bewaffnet. Noch dazu haben gerade die Südstaaten den ganzen Drogentraffic aus Mittel/Südamerika am Hals, mit allen Begleiterscheinungen. Unter diesem Umständen wird schneller geschossen, trotzdem schießt man niemand in den Rücken.
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