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Vergewaltigt, gemobbt, in den Tod getrieben

Rehtaeh Parsons wurde als 15-Jährige von vier Männern vergewaltigt, einer fotografierte die Tat. Mitschüler mobbten das Mädchen monatelang. Vor wenigen Tagen erhängte sich Rehtaeh im Bad ihrer Eltern.

Von Christoph Fröhlich

  Ein Foto der Facebook-Seite von Rehtaeh Parsons: Die 17-Jährige hat sich nach jahrelangen Mobbing-Attacken am vergangenen Donnerstag erhängt.

Ein Foto der Facebook-Seite von Rehtaeh Parsons: Die 17-Jährige hat sich nach jahrelangen Mobbing-Attacken am vergangenen Donnerstag erhängt.

Rehtaeh Parsons war jung, mochte Tiere und zählte zu den Besten ihrer Klasse. Das kanadische Mädchen war hübsch und hatte viele Freunde an der Cole Harbour District High School. Doch im November 2011 änderte sich ihr Leben abrupt: Als sie mit einer Freundin im Haus eines Bekannten feierte, wurde die 15-Jährige von vier jungen Männern vergewaltigt. Einer der Täter fotografierte den Vorfall und verteilte das Bild als Demütigung an Rehtaes Mitschüler.

Fortan verging kaum ein Tag, an dem das Mädchen nicht beschimpft und an den schrecklichsten Tag ihres Lebens erinnert wurde. Selbst ehemals beste Freunde wandten sich von ihr ab. Sie wurde depressiv und wechselte die Schule. Doch es half nichts: Wo sie auch hinkam, alle kannten das Foto. Anderthalb Jahre ertrug das junge Mädchen die seelische Tortur. Nun ist Rehtaeh Parsons tot. Sie hat sich vergangenen Donnerstag im Bad ihrer Eltern erhängt. In den USA und Kanada sorgt der Selbstmord des jungen Mädchens für einen Aufschrei.

Die Täter wurden nie bestraft

"Wer versagte bei Rehtaeh Parsons?", fragte die kanadische Tageszeitung "The Chronicle Herald" am Dienstag. Seitdem laufen auf Rehtaes Facebook-Seite im Minutentakt Beileidsbekundungen aus der ganzen Welt ein. "Absolut herzzerreißend. Ruhe in Frieden, Schönheit", schreibt eine Teenagerin aus den USA. Ein User aus Pakistan kommentiert: "Ich trauere um den Verlust. Mobbing ist ein Verbrechen."

Rehtaes Facebook-Profil wurde mittlerweile in eine Kondolenzseite umgewandelt und heißt nun "Engel Rehtaeh". Am Montag hinterließ ihre Mutter Leah Parsons dort einen langen Beitrag, in dem sie den Tod der Tochter bestätigt. "Meine wunderschöne Tochter hat sich erhängt", schreibt sie. "Sie hat impulsiv gehandelt, aber ich glaube tief in meinem Herzen, dass sie nicht vorhatte, sich wirklich zu töten." Die Mutter brach die Badezimmertür auf und brachte ihre Tochter ins Krankenhaus, wo Ärzte versuchten, ihr Leben zu retten. Vergebens. Am Sonntag, drei Tage nach dem Vorfall, habe die Familie die lebenserhaltenden Geräte abgestellt. Dem Bericht zufolge kämpfte die Teenagerin seit der Vergewaltigung gegen Depressionen und Wutausbrüche an.

"Die Schikane wurde so schlimm, dass sie aus ihrer Heimat vertrieben wurde und ein neues Leben in Halifax startete", heißt es in dem Beitrag. Rehtaeh habe sich sechs Wochen selbst in ein Krankenhaus eingewiesen, um Hilfe zu bekommen. Dann zog sie zurück zu ihren Eltern. Doch das Mobbing hörte nicht auf. "Für sie war das wie eine erneute Vergewaltigung … sie war das Opfer und wurde schikaniert, immer und immer wieder", schreibt die Mutter. Ein Jahr später habe die Polizei die Ermittlungen gegen die vier jungen Männer mangels Beweisen eingestellt. Die kanadische Polizei zweifelte nicht an der Tat, schreibt Leah Parsons, doch das Foto reichte nicht für eine Verurteilung. "Sie konnten nicht beweisen, wer den Foto-Button auf dem Handy gedrückt hat. "Scott MacRae, ein Sprecher der Polizei, bestätigt das: "Es gab nicht genügend Beweise für eine Verurteilung", sagte er gegenüber dem "Chronicle Herald".

Nicht der erste Fall von Mobbing-Selbstmord

Mit ihrem Facebook-Beitrag will Rehtaehs Mutter, die einen Hunderettungsdienst leitet, auf die Probleme junger Teenager und die Gefahren sozialer Netzwerke aufmerksam machen. "Rehtaeh würde wollen, dass ihre Geschichte erzählt wird", sagte sie dem "Chronicle Herald". Die Schuld sieht die Mutter vor allem bei den Mitschülern. Die Kinder seien gnadenlos gewesen, erklärt sie im Gespräch mit der Zeitung. "Die ganze Zeit wurde sie von Menschen angeschrieben, die fragten 'Willst du Sex mit mir haben?'", erinnert sie sich. Die Mädchen seien nicht weniger unerbittlich gewesen: "Sie sagten, 'Du bist so eine Schlampe'."

Es ist nicht der erste Fall von Teenagern, die nach Mobbing-Attacken in den Selbstmord getrieben wurden. Im vergangenen Oktober bewegte der Tod der 15-jährigen Amanda Todd die Welt: Jahrelang wurde die Kanadierin gehänselt, nachdem ein Fremder ein Nacktbild von ihr ins Internet stellte. Die 15-Jährige stand fortan seelische Höllenqualen aus - bis sie sich das Leben nahm. Zuvor berichtete sie in einem Youtube-Video von Mobbing-Attacken im Internet und in der Schule sowie von Schlägen, Einsamkeit und Verzweiflung. Ebenfalls im vergangenen Jahr sorgte der Fall eines 16 Jahre alten Mädchens in den USA für Schlagzeilen. Sie war von zwei Football-Stars im August vergewaltigt wurden, die das Geschehen via Twitter und Instagram live im Netz dokumentierten.

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