Israelische Reisende im Visier der Terroristen

19. Juli 2012, 15:11 Uhr

Mangelnde Obhut: Während die Bürger in Israel Schutz durch strenge Sicherheitskontrollen genießen, werden sie im Ausland schnell zur Zielscheibe von Terroristen. Als Täter des Selbstmordanschlags in Burgas kommen für Israel nur die Hisbollah und Teheran infrage.

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Israelis leben auf Auslandsreisen gefährlich. Am Mittwoch sind bei einem Selbstmordanschlag in Burgas sieben israelische Touristen getötet worden.©

Schon kurz nach dem blutigen Selbstmordanschlag auf israelische Touristen an der bulgarischen Schwarzmeerküste standen für Jerusalem die Verantwortlichen fest. Die israelische Führungsriege zeigte am Donnerstag einhellig mit dem Finger auf Teheran und die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon. Israels Reaktion auf den Terror im Urlaubsort Burgas werde hart ausfallen. "Wir werden jedes Mördernest an jedem Ort aufspüren", kündigte Staatspräsident Schimon Peres vor Journalisten an.

Wie der israelische Geheimdienst dies anstellen will, ist allerdings noch unklar. "Wir müssen schlau vorgehen", sagte der stellvertretende Außenminister Danny Ajalon. "Wir dürfen nicht aus der Hüfte schießen."

Der neue Anschlag mit sieben Toten verdeutlicht das Dilemma Israels als Staat im Dauerkonflikt, dessen Bürger im Ausland besonders gefährdet sind. Israelis fahren gerne und oft in Urlaubsorte in aller Welt, können dort jedoch ins Visier von Terroristen geraten. Die israelischen Reisenden sind die weiche Flanke des jüdischen Staates und häufig nur schwer zu schützen. Der israelische Militärexperte Ron Ben-Jishai sagte am Donnerstag, die Sicherheitsvorkehrungen in Bulgarien seien nicht zu vergleichen mit jenen für israelische Touristen etwa in Deutschland. "Dort gibt es extra gesicherte Terminals für israelische Flüge", sagte Ben-Jishai.

Anschläge auf israelische Bürger mehren sich

Immer wieder gab es in den letzten Monaten versuchte Anschläge auf Israelis im Ausland: Vor knapp zwei Wochen konnte auf Zypern nach Hinweisen des israelischen Geheimdienstes ein Libanese mit schwedischem Pass festgenommen werden. Er soll auf der Insel einen Anschlag auf israelische Touristen vorbereitet haben.

Nach israelischen Angaben hat die libanesische Hisbollah-Miliz schon mehrfach versucht, den Mord an ihrem Militärchef Emad Mughnija zu rächen. Die pro-iranische Schiiten-Bewegung machte den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad für die Tat im Februar 2008 in Damaskus verantwortlich. In zahlreichen Fällen sei es aber gelungen, geplante Anschläge zu verhindern, etwa in der Türkei, Aserbaidschan, Thailand und in Kenia.

Angesichts des ungelösten Konflikts in Nahost und des Säbelrasselns zwischen Israel und dem Iran werden immer mehr Urlaubsorte für Israelis sehr ungemütlich. Früher galt vor allem die nahe gelegene Türkei als beliebtes Ziel für israelische Reisende. Seit der dramatischen Verschlechterung der Beziehungen zwischen den früheren Bündnispartnern in den vergangenen Jahren meiden jedoch die meisten Israelis Ausflüge in das Land am Bosporus. Als Ausweichmöglichkeit werden heute mehr Reise-Pakete nach Griechenland und überhaupt Europa angeboten.

Kein vollständiger Schutz für Israelis

Doch der Anschlag in Burgas zeigt, dass es nirgendwo vollständige Sicherheit für Israelis gibt. Mit Sonderflügen brachte die israelische Armee am Donnerstag zahlreiche Verletzte zurück in ihre Heimat. Israelische Polizeiermittler bemühten sich in Burgas um die Identifikation der schlimm zugerichteten Leichen.

"Es war ein schrecklicher Anblick", erzählt Josef Solomon von der israelischen Organisation Zaka, die nach solchen Anschlägen auch kleinste sterbliche Überreste einsammelt, damit die Toten vollständig begraben werden können. "Die Menschen waren kaum wiederzuerkennen - es ist wirklich sehr schwer, darüber zu sprechen."

Sara Lemel/DPA
 
 
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