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27. März 2008, 12:06 Uhr

Der Dschihad-Kämpfer aus Deutschland

Cüneyt Ciftci war der vermutlich erste deutsche Selbstmordattentäter: Er sprengte sich in Afghanistan in die Luft und riss vier Soldaten mit in den Tod. Zuvor hatte er jahrelang einen westlichen Lebensstil gepflegt - die Geschichte einer rätselhaften islamischen Radikalisierung. Özlem Gezer, Rainer Nübel, Christian Parth, Georg Wedemeyer

Cüneyt Ciftci soll sich in Afghanistan in die Luft gesprengt haben© AP

Als an jenem Montag Anfang März der Mann, der höchstwahrscheinlich Cüneyt Ciftci war, von einer selbst gezündeten Bombe zerrissen wurde, war 5000 Kilometer entfernt in seiner Heimatstadt Ansbach gerade Mittagszeit. Ciftis Vater Orhan saß zu Tisch in der Werkskantine bei Bosch. Seine Schwiegermutter Cahide H. bereitete in ihrer winzigen Küche das Essen für ihren kranken Mann. Im Radio wurden die Ergebnisse der Bayerischen Kommunalwahl verkündet, mit Verlusten für die CSU. Ansonsten war in Ansbach an diesem 3. März 2008 alles ganz normal.

Die gewaltige Explosion der 4500 Kilogramm Sprengstoff auf der Ladefläche des blauen Toyota, den Ciftci gegen ein Verwaltungsgebäude im Osten Afghanistans gelenkt hatte, richtete ein Blutbad an. Vier Soldaten, darunter zwei Amerikaner, waren sofort tot. Dutzende wurden zum Teil schwer verletzt.

Cüneyt Ciftci, der erste Selbstmord-Attentäter aus Deutschland, wurde in Stücke gerissen. Bisher bemühen sich die deutschen Behörden vergeblich um DNA-Spuren des 28-Jährigen. Sie hätten seine Identität gerne eindeutig geklärt, schon um ihn ordnungsgemäß von der Liste der islamistischen Gefährder zu streichen. Aber auch, weil sie noch Zweifel haben an dem, was die Terrorgruppe "Islamic Jihad Union" (IJU) kurz nach dem Anschlag im Internet verkündete: Cüneyt, alias "Saad Ebu Furkan", sei der Bomber gewesen, "ein tapferer Türke, der aus Deutschland kam und sein Luxusleben gegen das Paradies eintauschte."

Ein Video zeigt Ciftci im weißen Kaftan

Jetzt ist ein Video aufgetaucht, das Ciftci bei den Vorbereitungen zu dem Anschlag zeigt. Auf der 45-Minütigen DVD, die "Spiegel Online" zugespielt wurde, wird gezeigt, wie Ciftci, gehüllt in einen weißen Kaftan und stets lächelnd, die Säcke mit dem Sprengstoff auf seinen Schultern schleppt und anschließend damit sein Auto präpariert. Dann verabschiedet sich der Deutsch-Türke in der kargen Steppe von Afghanistan mit einer herzlichen Umarmung von einem seiner Glaubensbrüder. Er kniet im Staub der sandigen Straße und betet ein letztes Mal zu Gott. Seine Daumen sind auf vielen Bildern gen Himmel gerichtet, bei Islamisten das Zeichen für den baldigen Gang ins Paradies.

Die letzte Fahrt von Ciftci in das Gebäude haben seine Kollaborateure schließlich aus verschiedenen Blickwinkeln festgehalten. Nach der Explosion schreien sie "Allahu Akbar" und sagen Gebete auf. Das Video wird derzeit noch von den Behörden analysiert. Denn vielleicht, so spekulierte das Bundeskriminalamt in der vergangenen Woche noch, war Ciftci zum Zeitpunkt des Attentats schon längst tot, und der Anschlag sollte nur "bestmöglich propagandistisch genutzt werden", um weitere Dschihad-Kämpfer in Deutschland zu rekrutieren.

Der Endpunkt einer rätselhaften islamischen Radikalisierung

So wie den in Freising geborenen Türken Cüneyt Ciftci selbst. Vor einem Jahr hatte der 1979 im bayerischen Freising geborene Familienvater überraschend seinen festen Job bei Bosch gekündigt, seine Wohnung aufgelöst und war mit Frau und den beiden Kindern gen Osten gezogen. Erst in die Türkei, dann in den Iran und schließlich ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet. Endpunkt einer rätselhaften islamischen Radikalisierung.

Cahide H. erinnert sich noch genau, wie Ciftci 2001 plötzlich an der Tür klingelte. Er hatte ihre Tochter, die schöne Seda, in einem Dönerladen an der Fischerstraße gesehen und ihre Adresse herausbekommen. Nun sagte er zu ihr: "Ich habe Dich gesehen und möchte Dich kennenlernen." Seda war ein schüchternes Mädchen, hatte die meiste Zeit mit ihren Eltern verbracht und am liebsten zu Hause türkische Popmusik gehört. Nun war sie ganz betört von soviel Mut und diesem Lächeln.

Doch Sedas Eltern, liberale Türken aus Istanbul, hatten Vorbehalte. Die Ciftcis stammen aus der türkischen Provinz und waren in ganz Ansbach bekannt für ihre strenge islamische Moral. Als Zwölfjährigen hatten sie ihren Sohn Cüneyt auf eine Koranschule in die Türkei geschickt. Als er zurück kam, konnte er den gesamten Koran auswendig. Seda dagegen war nach westlichem Vorbild erzogen worden. Ihre Eltern hatten ihr immer gesagt, dass sie frei über ihr Leben bestimmen könne.

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KOMMENTARE (10 von 11)
 
Oetker333 (28.03.2008, 17:40 Uhr)
@chatahootchee
Sie sind ja ein Volltrottel. Der Mann ist wütend über die US-Politik. Dadurch will er in Afghanistan gegen die dortigen US-Truppen kämpfen. Ihre hohle US-Birne ist wohl nicht eingeschaltet worden. Die USA war es, der den Zorn der Muslime ausgelöst hat. Da hilft ihre US-Anbiederei nicht. Wie wärs mit einem Job als Hure bei Walker Bush?
chatahootchee (28.03.2008, 12:23 Uhr)
ABGESCHOSSEN
Da hat der/die gute Oetker333 doch wohl eindeutig the Propagandavogel abgeschossen. So'n Bloedsinn habe ich lange nicht gelesen. Was hat denn der sog. "US Imperialismus" zu tun mit einem in D aufgewachsenen Mann? Hier haben in erster Linie die Eltern versagt.
Oetker333 (28.03.2008, 12:18 Uhr)
Erklärung
Das Migrantenkinder in Deutschland in Sachen Bildung benachteiligt werden ist seit UNO und Pisa klar. Ich glaube der Grund dafür dass er zum Terroristen geworden ist, ist wohl die Diskriminierung und der US-Imperialismus. Außerdem wollen die Menschen in den muslimischen Ländern Demokratie aber die Autokraten werden vom Westen unterstützt.
chatahootchee (27.03.2008, 18:12 Uhr)
SCHON KOMISCH ODER NICHT?
Ein Terrorist wird in "stern.de" zum Kaempfer, aber Protestanten gegen China's Politik in Tibet macht "stern.de" zu Randalierern. Wie Worte charakterisieren!
Ganzer (27.03.2008, 17:20 Uhr)
Radikalisierung
Nicht zu glauben ist dieses weitgehende Verstaendiss fuer die Radikalisierung von irgendwelchen Religionsgruppen ( in diesem Fall Islam)
Wenn die Personen,ob hier geboren, oder eingewandert , sich aber nicht mit dem Konzept einer freien Gesellschaft abfinden koennen, und ihren Glaubenswahn anderen aufdruecken muesen(Scharia/Selbsmordattentate/Inquisition/Teufelsaustreibung/Maria erscheint im Toastbrot, und den ganzen weiteren schwachsinnigen Ausartungen), sollte es unsere vornehmste Aufgabe sein, diese Elemente zu enfernen
Entweder zurueck wo sie herkommen, oder offensichtlich beobachten- damit wir im Vorfeld auf jede Radikalisierung eingehen koennen
Und Nein, ich bin kein rechtsgesinnter Neonazi oder Freud von dem „Big Brother Is Watching You“ Konzept– weit enfernt .- aber ich habe die Schnauze gestrichen voll, von den Ausartungen, und Radikalisierung, so ziemlich aller organisierten Religonsgruppen.
Da jeder von denen glaubt, sie habe die einzige echte Wahrheit, was nur die Schlussfolgerung von Relgionskonflikten/Kriegen erlaubt( und wir muessen nur unsere Schulgeschichtsbuecher oeffnen, um dieses nachzulesen!).
Im Prinzip gibt es nur zwei Gruende fuer Kriege – offensichtlich finanzieller Natur, oder Religisonkonflikte(oder eine Kombination der beiden) ganz frei nach dem Motto- “ich habe den groesseren und schoeneren, imaginaeren Freund,
„Du machst mit, und glaubst mir das, sonst gibt es was auf die Muetze“
( wir erinnern uns, der sprachgestoerte US Praesident Bush waehlte das Wort des „Kreuzuges“, am Anfang des Krieges mit Irak- ungewollter Versprecher ?-wohl kaum)
Ergo, weg aus allem oeffentlichen Leben, mit diesen organisierten profitorientierten Unternehmen wie: Katholizismus/Protestantismus/Islam und wie sich die ganzen Vereine schimpfen.
Sobald ein Mitarbeiter im oeffentlichen Dienst seine Religiositaet als eine seiner persoenlichen Leitlinien definiert- raus aus dem Amt! , da dieses nicht uebereinzubringen ist, mit einer rationalen Gedankenstruktur !
Meine persoenliche Schlussfolgerung:
Religionsfreiheit - Muss ich als demokratisch denkender Mensch leider akzeptieren.
Jede Form der Missionierung –NEIN!
Aber zurueck zum Punkt .
Hier jetzt lange danach zu suchen, wieso ein in Deutschland aufgewachsener junger Mensch, sich fuer diesen Unsinn hergibt(Selbstmordattentat), zeigt wohl das an der Integrierungsfaehigkeit des Islams, in die westliche Geselschaftstrukturin nicht viel zu machen ist .
An und fuer sich sollte man zurueck zur Moschee, und dem Iman gehen , welche der Attentaeter besucht hat, und den Iman zur Teilverantwortung ziehen.
(vielleicht sollte man man genauer nachlesen, was der waehrend seiner Predigen so von sich gibt !- und ob das auch nur halbwegs Verfassungskonform ist)
Wie wir wissen spielen/arbeiten Imane/Prieter/Pastoren/Rabbis etc. mit der Seele der etwas schwaecheren Mitmenschen, um diese dann in ihre persoenliche Religionsecke, oder Agenda zu ziehen.
msjones777 (27.03.2008, 15:51 Uhr)
mr_s
Ihren Kommentar kann ich leider in keinster Weise akzeptieren. Dieser junge Mann und alle anderen Kinder aus Migrationsfamilien haben alle Chancen bei uns. Der besagte junge Mann hatte einen guten Job bei Bosch und war gut ausgebildet. Was ist denn los in Euren wundervollen islamistischen Staaten, die zwar viel Geld durch Öl haben aber nicht demokratisch regiert werden. Der Punkt ist doch der, dass die Bildung und der Bildungswillen des (dummen( Volkes bei Null liegt. Siehe Bauern aus Ostanatolien....
Bei uns kann jeder lernen. Die Schulen sind frei. Wenn die Eltern zu dumm sind, weil der Junge eine analphabetische ´Jungfrau aus Ostanatolien heiraten muss, na dann, nur so weiter...
mr_s (27.03.2008, 15:38 Uhr)
@msjones777 Teil 2
... und es ist ein Unding, dass man sich bei allen Belangen auf den Staat verlässt. Die Veränderung muss von jedem Einzelnen ausgehen. Dafür ist der Staat nicht zuständig ...
mr_s (27.03.2008, 15:36 Uhr)
@msjones777
...eben das ist das Problem: Es hat eben nicht jeder alle Chancen in diesem unserem Vaterlande. Ein wenig mehr Toleranz gegenüber Andersdenkenden, Andersgläubigen oder überhaupt Anderen würde manche Probleme garnicht entstehen lassen.
msjones777 (27.03.2008, 14:47 Uhr)
WARUM?
Ich würde sehr gern verstehen, was eigentlich alles falsch läuft, dass ein junger Mann, der hier, bei uns aufgewachsen ist, alle Chancen hatte, sich als völlig verblendeter Selbstmordattentäter opfern konnte. Wo sind hier all diese Leute, die diesen jungen Menschen "ins Gehirn scheissen". Warum ist unser Staat nicht in der Lage, so etwas zu unterbinden. Wir soll bitte hier noch die Sicherheit der inländischen Bevölkerung garantiert sein, mit Millionen von lieben türkischen Mitbürgern, von denen wir nicht wissen, welche Zeitbomben diese darstellen???
timmler (27.03.2008, 14:02 Uhr)
oder auch nicht
Allerdings nicht die Autoren dieses Artikels, denn der ist exzellent recherchiert. Nach jeder Menge Nachrichten über den skandalösen Fall kommt jetzt ein fundiertes Stück - das hätte den Altvorderen wohl gefallen.
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