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12. Januar 2008, 14:51 Uhr
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Altersvorsorge mit der Waffe

Sie haben graue Haare, sind im Rentenalter und sollten eigentlich ruhig und weise sein. Doch stattdessen gehen sie schwerbewaffnet auf Diebestour die schmale Rente aufbessern. Experten warnen: In Zukunft muss mit mehr Raubüberfällen durch reife Verbrecher gerechnet werden Von Rudolf Stumberger

Experten befürchten, dass es immer mehr Senioren geben könnte, die etwa Supermärkte ausrauben© colourbox

Noch bis spätestens zur Landtagswahl in Hessen Ende Januar werden jugendliche Straftäter im Mittelpunkt von Politiker-Reden und Boulevard-Blättern stehen. Doch längst bahnt sich am anderen Ende der Altersskala eine beängstigende Entwicklung an: Senioren-Räuber, die wegen zu geringer Rente zur Pistole greifen und Banken wie Supermärkte überfallen. In München wurde jetzt Anklage gegen einen 72-Jährigen erhoben, der mit einer scharfen Waffe drei Schlecker-Märkte überfallen haben soll. Und er ist bei weitem nicht der einzige. "Wir werden uns generell in Zukunft mehr mit älteren Tätern auseinandersetzen müssen", so der Leiter des Münchner Raubdezernats, Kommissar Erwin Pickl.

72-Jähriger als Serientäter

Im September vergangenen Jahres marschierte der Opa-Räuber zum ersten Male in einen Schlecker-Markt in dem Münchner Stadtviertel Au, bedrohte die Verkäuferin und entkam mit mehreren Hundert Euro, so die Anklage. Damit kommt man im teuren München nicht weit. Bereits eine Woche später soll der Mann eine weitere Filiale des Discounters überfallen haben, den dritten Coup startete er demnach gut zwei Wochen später. Beim vierten Überfall schließlich habe der 72-Jährige eine Filiale am Alpenplatz im Stadtteil Obergiesing betreten, hatte aber "ein ungutes Gefühl", wie er später äußerte und verließ den Laden wieder. Draußen wartete die Polizei.

Der Senioren-Täter ist ein unscheinbarer Mann mit einem geradlinigen Lebenslauf, von Beruf Buchdrucker, verheiratet und hat sich bis dahin nichts zu Schulden kommen lassen. Jetzt sitzt er im Gefängnis Stadelheim und die Münchner Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen ihn wegen schwerer räuberischer Erpressung in Verbindung mit schwerem Raub erhoben.

67-Jähriger zu zehn Jahren verurteilt

Der Opa-Räuber aus dem Münchner Stadtteil Obergiesing wird freilich nicht der einzige Rentner sein, der wegen bewaffneter Überfälle hinter Gittern sitzt. Ungefähr zur gleichen Zeit, wie er die Schleckerfilialen überfiel, wurde am Landgericht München I ein 67-Jähriger vom Richter zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der Mann, bekannt als "Der Schießer", hatte seit 2004 im Laufe von zwei Jahren insgesamt vier Banken und fünf Supermärkte ausgeraubt und so seine Rente aufgebessert. Dabei fuhr er jedes Mal mit einem Mercedes von seiner Mietwohnung in Südtirol nach München und schoss bei seinen Überfällen sogar dreimal in die Decke, um seiner Geldforderung Nachdruck zu verleihen. Rund 26.000 Euro erbeutete er auf diese Weise.

Auch der "Schießer" hatte bis dahin ein normales Leben geführt: Volksschule, Maurerlehre, Polier. Einer, der wie er sagt, ein ganzes Leben lang gearbeitet hat. Mit zwei Herzinfarkten, einem Bandscheibenvorfall und einer Quetschung von Nervenbahnen putschte sich der 67-Jährige mit Strohrum und Medikamenten auf, bevor er an die Aufbesserung seiner Rente von 1100 Euro ging. Die sei größtenteils schon für die Miete draufgegangen. Der dreiste Täter, der sich immer unmaskiert von den Überwachungskameras filmen ließ, wurde über eine Fahndung bei der ZDF-Serie "XY-ungelöst" von der erwachsenen Tochter seiner Lebensgefährtin erkannt und schließlich von den Carabinieri festgenommen.

Wer alt ist, scheut kein Risiko mehr

Für Kriminalkommissar Pickl, 53, sind diese Senioren-Räuber zwar noch nicht statistisch auffällig, was sich aber seiner Einschätzung mit der demographischen Entwicklung in Zukunft ändern wird: "Es ist zu befürchten, dass die Täterschaft älter wird". Denn, so Pickl, "die Leute sind vitaler und wollen ihren bisherigen Lebensstandard halten." Und stellen dann fest, die Rente reicht nicht mehr aus, das Leben so weiterzuführen wie bisher gewohnt. Es spielt auch eine gewisse Rolle, sagt der Kommissar, dass man in diesem Alter nicht mehr viel zu verlieren hat. Bei einer statistischen Lebenserwartung von 76 Jahren für Männer ist für einen 72-Jährigen die Möglichkeit, auf volles Risiko zu spielen, eine Überlegung wert.

Dies meint auch Prof. Michael Walter, 63, vom Institut für Kriminologie an der Universität Köln. Wenn die "Kosten-Nutzen-Analyse" für die potenziellen Opa-Räuber zugunsten des Nutzens ausfällt, dann "ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Fälle zunehmen werden". Zwar werden ältere Menschen in der Regel weniger straffällig wie jüngere, doch können Senioren, die wenig zu verlieren haben, auch nach einem völlig unauffälligen Leben zu Straftätern werden. Wenn der Lebensstandard etwa durch Langzeitarbeitslosigkeit und die dadurch geringere Rente absinkt, dann steigt die Wahrscheinlichkeit und die Attraktivität von Delikten an, so Walter. "Manche werden sogar straffällig, nur um ihren Enkel etwas schenken zu können."

"SOKO Opa" stellt dreistes Bankräuber-Trio

Attraktiv war dieser Weg der Geldmittelbeschaffung auf jeden Fall für das bislang älteste Bankräuber-Trio, das mit Handgranaten-Attrappen und Maschinenpistolen ihre eigene Form der privaten Altersvorsorge gestaltete. Die drei Männer im Alter von damals 64, 73 und 74 Jahren hatten von 1988 bis 2004 insgesamt 14 Banken in Westfalen und Niedersachsen überfallen und dabei rund eine Million Euro erbeutet haben. Erst vor gut drei Jahren konnten das Trio von einer eigens gebildeten "SOKO Opa" gefasst werden, der Richter verhängte insgesamt 31 Jahre Haft. Hauptmotiv für die Taten war Geldbedarf, unter anderem wegen geringer Rentenansprüche. So hatte der 73-Jährige einen Bauernhof gepachtet um nicht ins Altersheim zu müssen, der 64-Jährige wollte sich ein Polster für das Alter anlegen.

Von Rudolf Stumberger
KOMMENTARE (10 von 39)
 
muhtesem1 (14.01.2008, 23:53 Uhr)
AHA, jetzt verstehe ich die jugendkriminialität...
...die jungen ausländer , die keine arbeit und keine zukunft sehen, sehen in ihrem tun, die möglichkeit so eine decke und ein warmes süppchen?? die sind ja schlau die brüder, hahahaha....
Malt (14.01.2008, 11:26 Uhr)
Genau so...
...sieht mein Plan für die Altersversorgung aus!
Im Knast hat man 3 mal am Tag was zu Essen, wird medizinisch versorgt und hat den ganzen Tag lang soziale Kontakte - wieviele Rentner können das schon von sich behaupten?
gmathol (14.01.2008, 05:14 Uhr)
Ist doch verstaendlich!
Wo ist die Justiz die die Rentenbetrueger endlich hinter Schloss und Riegel bringt.
ganzbaf (13.01.2008, 18:22 Uhr)
Hehhehehehehehe....
:-D
Laramie (13.01.2008, 15:47 Uhr)
RAF Rentner Armee Fraktion
Wenn das so weitergeht gruenden dann die alt 68er die Rentner Armee Fraktion ,die haetten dann nach all der Verarsche durch wirtschaft und Politik sicher mehr Unterstuetzung bei der Bevoelkerung. Auf jeden fall wird das dann Kochs Wahlkampfthema fuer die naechste Land-oder Bundestagswahl
Nostradamus (13.01.2008, 15:08 Uhr)
ALDI's gute medizinische Versorgung
;-)
Du hast ziemlich unklar beschrieben. Man könnte meinen, dass Du beim ALDI klauen willst, weil es dort eine gute medizinische Versorgung gibt. ;-) Vermute, dass Du meinst, dass Du im Knast als Schließer arbeitest und beim ALDI klauen willst.
Diebstahl ist kein so großes Problem. Den Mundraub Paragraphen hat man zwar m.E. Anfang der 80'iger Jahre gekippt, weil in Deutschland angeblich niemand so arm sei, dass er wg. Hunger stehlen müsse, aber ich denke, dass die meisten Richter da sehr gnädig wären.
Ganz so schnell kommt man hier nicht in den Knast. Für einfachen Diebstahl eines Armen...ich denke, da ist das Hausverbot beim ALDI tragischer. Also ich würde empfehlen in den Luxus Supermärkten zu klauen, bis man überall Hausverbot hat und beim ALDI zu bezahlen.
Hausverbot bei ALDI dürfte für arme Rentner äußerst übel sein. Zumal die ALDI's eben gute Qualität für kleines Geld bieten. Naja....Penny ist meiner Meinung nach noch billiger aber meiner Meinung nach ist die Qualität mit ALDI Produkten nicht vergleichbar.
Im Übrigen halte ich Deinen Plan für dumm.
Wenn man nur noch 10-15 Jahre gut zu leben hat, dann würde ich meine Zeit anders nutzen, als in Deutschland mit Kleinkriminalität, Verhören und Gerichtsbesuchen zu verbringen und evtl. in den Knast einzuziehen.
Notfallpläne von intelligenten Menschen sollten besser durchdacht sein. Denk noch mal darüber nach, was Du noch für Alternativen hast!
h-p-t (13.01.2008, 12:58 Uhr)
kann ich nur empfehlen....
...auch mein plan ist es, bevor ich in irgendeinem altenheim zugrunde gehe ( ja ich kenn die zustände dort...) lieber jeden tag im aldi zu klauen bis sie mich einsperren. da ich dort arbeite, weiss ich wie gut die medizinische versorgung / verpflegung etc. dort ist und kann jedem nur empfehlen dies als alternative zu sehen. selbst mehrfachvergewaltiger bekommen in deutschland im knast noch einen tee und warme decken aufs dach gebracht, wenn sie flüchten.
hubo (13.01.2008, 12:49 Uhr)
Interessant bei zu erwartendem Pflegefall
Bei bald nicht mehr zu bezahlenden Pflegesätzen könnte ein alleinstehender älterer Kleinrentner mit beginnenden Anzeichen von Alzheimer schon mal auf den Gedanken kommen, erhebliche Straftaten im Bereich Hab und Gut (aber natürlich ohne das Leben oder die Gesundheit anderer Menschen zu schädigen) zu begehen, um sich noch ein schöneres Leben zu finanzieren. Wenn er dann mal erwischt und zu mehrjähriger Haftstrafe verurteilt wird und dann der Pflegefall eintritt, kann er davon ausgehen, nicht gerade in das billigste und einfachste Heim abgeschoben zu werden. Gibt es eigentlich schon Justizvollzugsanstalten mit angeschlossenem Altenpflegeheim ?
Nostradamus (13.01.2008, 12:03 Uhr)
@GanzBaf: System der Abschreckung nicht verstanden
Beamte denken anders. Man betrügt die Bürger um die wohlverdiente Rente, um den Staat zu finanzieren, der nur deshalb in Not ist, weil man die Zahlung von Pensionsprüchen auf kommende Generationen verschoben hat in der Hoffnung, dass das Wachstum es richtet, während man gleichzeitig alles unternommen hat, um Wachstum zu verhindern. Naja SPD und CDU setzen lediglich auf das Wachstum von Konzernen.
Die Masse der Rentner und Alten wird alle Abschläge hinnehmen und nicht kriminell werden, wenn man harte Urteile verhängt und dem Rentner bewußt wird, dass er im Gefängnis sterben wird.
In den 70'iger Jahren hatten wir bereits ähnliche Probleme. Wenn Du mal in den Archiven, auch des Sterns suchst, dann wirst Du Berichte finden in denen über die zunehmende Zahl älterer Damen berichtet wurde, die Tiernahrung kauften, um sich zu ernähren. Ich durfte mich mit dem Thema mal im BWL Unterricht befassen und es war erschreckend zu sehen, dass Trümmerfrauen keine Rente bekamen, weil ihre Unterlagen verbrannt waren.
Dafür zahlt man heute dem russischen oder polnischen General, der das deutsche Volk besiegt hat, Rente in Deutschland als hätte er hier eingezahlt.
Naja, heutzutage kann man mit einem Bananencurry auf der Basis von Katzenfutter sogar in England hoch angesehene Kochwettbewerbe gewinnen, ohne damit ein Problem zu haben, weil Tiernahrung qualitativ hochwertiger als Menschennahrung ist und deren Qualität auch besser überwacht wird.
Jedenfalls die monatlichen Knastkosten auf die Alten zu verteilen, um ihre Renten zu erhöhen ist eine Milchmädchenrechnung, da nichtmal 1 Promille kriminell werden wird. Und man die Zahl noch durch Abschreckung drücken kann. Das ist billiger als allen Rentnern 1.000,00€ zu zahlen, um kriminelle Karrieren zu verhindern.
Im Übrigen:
Warum verteilt man von Arbeitern und Angestellten hin zu Pensionären? Der Staat hat noch mehr angst vor den Pensionären, denn das sind Polizisten, Zoll, Verfassungsschutz, Bundeswehr und auch ex-Stasis Leute, die tatsächlich das Potential für einen Aufstand hätten, denn die kennen sich mit dem Organisieren und mit Waffen aus.
cobdet (13.01.2008, 12:02 Uhr)
Rentner rauben ?
Schade..hier hat die Stern Redaktion ihre Chance vertan ! Ein Beitrag über die Suizid -Rate im Alter aus Scham und Angst vor der Altersarmut hätte dem Stern besser zu Gesicht gestanden als die pauschale Verdächtigung "alt und Räuber werden ist eins"
Aber auch der Stern wird nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt.
Und der Wunsch unserer Wirtschaft ist jawohl Über die Arbeitskraft der Leute zu verfügen bis sie umfallen, eine besondere soziale Leistung wäre dann der Betriebsfriedhof ( die Beerdigung wird allerdings mit der letzten Lohnzahlung verrechnet).
Und jetzt spielt die Sternredaktion schon mal den "Hessen - Koch " frei nach dem Motto Oh ihr Wohlhabende passt auf der Rest der Gesellschaft wird kriminell . Schützt euer Eigentum baut Altersknäste ( wobei ich mich allerdings frage worin der Unterschied zu den meisten Altersheimen da liegen soll)
Vielleicht ist das ja auch der Grund warum Schäuble die Bundeswehr im Inneren einsetzen will...gegen das Heer der bewaffneten Rentner ist die normale Polizei sicher machtlos (Ironie ?)
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