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14. Februar 2007, 15:40 Uhr

"Beim Lesen wurde mir übel"

Schon Kinder gucken Pornos, auf Schulhöfen kursiert der "Arschficksong", Jungs vergewaltigen ihre Schwester - der stern-Bericht "Voll Porno" über sexuelle Verwahrlosung hat die Leser aufgerüttelt. Hier lesen Sie Ihre Kommentare, außerdem den vollständigen Magazinartikel.

Porno im Kinderzimmer? In manchen Familien ist das Realität© Hardy Müller

Der Befund ist dramatisch: Immer mehr Kids gucken Hardcore-Pornos, und zwar das volle Programm - Gangbangs, Analverkehr, Vergewaltigungsspiele. Die Bilderflut setzt sich in den Gehirnen fest: Die Jugendlichen verlieren das Gefühl für Privatheit, Intimität und Zärtlichkeit; sie spielen die Szenen nach, die sie gesehen haben, auch vor laufenden Handy-Kameras. Die Begleitmusik der Porno-Kultur liefern Rapper wie Sido, Bushido und Frauenarzt, die auf Deutschlands Schulhöfen schwer angesagt sind. Im günstigsten Fall bleiben bei den Heranwachsenden kaputte Bilder vom Umgang zwischen Mann und Frau hängen, im schlimmsten Fall werden überspringen sie die Grenze zur Kriminalität - die Zahl der jugendlichen Sexualstraftäter hat drastisch zugenommen. Der stern hat diese Entwicklung in dem aufrüttelnden Bericht "Voll Porno" beschrieben - und stern.de fragte die Leser: Sind wir zu liberal? Müssen der Verbreitung von Pornografie neue Grenzen gezogen werden?

Porno-Rap oder nicht?

In den Leser-Kommentaren ist ein großes Erstaunen darüber zu vernehmen, dass bislang weder Staat noch Verbände energisch gegen die "Porno-Seuche" vorgegangen sind. Vor allem die Songs von Bushido, Frauenarzt oder Sido ("Arschficksong") halten die meisten für inakzeptabel. "Wo sind die Politiker, wo ist die FSK bei den von Ihnen beschriebenen Texten? Hier hört die künstlerische Freiheit definitiv auf, da sie Gewalt gegenüber Frauen (oder besser: Mädchen) in einer Art und Weise verherrlichen, dass es mir beim Lesen übel wurde. Würde sich derselbe Rapper Texte über Nazis, seinen Hass auf Ausländer oder ähnlich gelagerte Themen aus den Fingern saugen, wären Verfassungsschutz, Polizei und Politik bereits geraume Zeit hinter diesem Mann her.......", schreibt Birgit M. aus Wels. Gabriel Gawlik von der Hilfsorganisation Carechild meint, hier sollte der Gesetzgeber einschreiten: "Es ist kaum zu glauben, dass die von Ihnen zitierten 'Songs' nicht unter den § 130 Strafgesetzbuch fallen, der schon seit 1960 regelt, dass Hasstiraden oder Angriffe auf die Menschenwürde strafbewehrt sind. In § 184 Strafgesetzbuch heisst es unter anderem, dass, wer Personen unter 18 Jahren pornographische Schriften anbietet, überlässt oder zugänglich macht, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft wird."

Ganz anderer Meinung sind naturgemäß die Anhänger der Rap-Musiker aus der Aggro-Berlin-Szene. Maurice K. schreibt, der stern habe die Berliner Rap-Stars gründlich missverstanden. In Sidos "Arschficksong" würde keine Vergewaltigung beschrieben, Bushidos "Gang Bang" sei ein "reiner Battle-Song aus dem Rapkult". Auch Nadja W. nahm die Rapper in Schutz. "Bushido ist definitiv kein Porno-Rapper und gegen amerikanischen Hip Hop sagt hierzulande niemand was - obwohl die Texte nicht harmloser sind als die der deutschen Rapper. Nur sind die leute anscheinend zu dumm, diese zu übersetzten". Tipp der stern.de-Redaktion: Wer sich selbst von Aussage und Qualität der Texte überzeugen will, sollte die Song-Titel einfach in einer Internet-Suchmaschine eingeben und sie nachlesen.

"Sex sells"

Über die Ursachen der Misere machen sich die Leser keine Illusionen - in ihren Augen ist vor allem die schwierige sozialen Lage dafür verantwortlich, dass Eltern ihren Nachwuchs schlecht betreuen. Peter V. beklagt den "Überlebenszwang", dass beide Eltern arbeiten müssten und daher weniger Zeit für die Kinder übrig bleibe. Gunnar C. charakterisiert den Zustand an den Rändern der Gesellschaft mit den Worten: " Perspektivlosigkeit und Hoffnungslosigkeit sowie die Unfähigkeit, etwas aus seinem Leben machen zu können beziehungsweise vielleicht auch zu wollen, sind einige der Gründe für diese Entwicklung. Es ist schon schlimm, wenn sich Menschen allein aufgrund ihrer sexuellen Aktivitäten definieren müssen."

Aber auch die Medien bekommen ihr Fett weg. Jedem ist Strategie "sex sells" (frei übersetzt: "Mit Sex kann man alles verkaufen") geläufig, die dazu geführt hat, dass immer mehr halbnackte Menschen und erotische Szenen zur Schau gestellt werden. Ein Leser kritisiert: "Es ist mittlerweile egal, zu welcher Tageszeit man den Fernsehapparat anschalltet - es dauert es nicht lange bis man Werbung a lá 'sex sells' sieht. Da dies schon als normal empfunden wird, ist der weg zum Porno nicht mehr weit. Filme, die in meiner Kindheit als Nachtprogramm für Erwachsene galten, laufen heute als Familienprogramm am Nachmittag. Ich bin der Meinung, dass man dem Einhalt gebieten sollte." Dagmar S. nimmt auch die Printpresse nicht aus: "Nicht einmal so genannte "seriöse" Zeitschriften kommen heute ohne diverse Nacktbilder aus. Man erhöht ja die Verkaufszahlen." Ein anderer Leser mahnt Konsequenzen an: "Wie wäre es denn, wenn der stern als Beispiel voranschreiten und keine zweideutigen Bilder und Überschriften ('Die wilde Uschi' und ähnliches) zeigen würde?"

Den hypnotischen Pornobildern können sich Kinder nicht entziehen. Sie tendieren dazu, das Gesehene nachzuspielen© Hardy Müller

Wut und Kontrollverlust

Ist die deutsche Gesellschaft also zu liberal? Was Pornografie betrifft, sind die Leser fast einhellig der Meinung: Ja! "Sicherlich sollten Kinder wissen, dass nicht der Storch sie gebracht hat, aber ob Pornos der geeignete Lehrfilm sind, bezweifle ich stark", schreibt Anna T. "Liberalität ist gut und schön, aber nicht um jeden Preis, mein Schlafzimmer gehört mir und ich käme nicht im Traum auf die Idee, mit meinem erwachsen Sohn einen Pornofilm zu gucken, jeder hat eine Schamgrenze, eine Intimität, die nicht dazu da ist, sie öffentlich zu leben", meint Jacqueline. Dass Eltern vor ihren Kindern Geschlechtsverkehr haben, und sie dabei zusehen lassen, wie im stern-Artikel beschrieben, empfinden die Leser ebenfalls als Verstoß gegen jedwede Sitte. "Wie kaputt muss man denn sein, in Gegenwart seiner Kinder Sex zu haben? Oder sie Pornos gucken zu lassen?", fasst Katja S. zusammen.Dabei ist den meisten bewusst, dass sich die Verbreitung von Pornos kaum einschränken lässt. "Heute ist die Frage nicht mehr, wie man an Pornos rankommt, sondern wie man darum herumkommt", kommentiert ein Leser. Monika H. berichtet, dass sie Wut beim Lesen empfunden habe. "Wut auf die unkontrollierbaren technischen Möglichkeiten."

Was ist zu tun? Neben den bereits vorgeschlagenen Einschränkungen richten die meisten Leser flammende Appelle an Eltern, das Wohl ihrer Kinder sorgsamer zu schützen. "Heisst es nicht: 'Die Freiheit hat ihre Grenzen, wo die Freiheit anderer zerstört wird'? Was ist mit der freien Entwicklung von Kindern?", fragt Matthias E.. Auch Gunda S. wünscht sich ein Stück heile Familienwelt zurück - und ist doch zugleich im Klaren, dass dieser Wunsch ein frommer ist: "Die Politik heute kann nicht herbeizaubern, was in den Jahrzehnten des Wohlstands seit dem Wirtschaftswunder auch durch Konsumgewohnheiten und die Angebote der boomende Unterhaltungsindustrie vielfach verloren gegangen ist: miteinander leben, lieben und streiten in sozialen Gemeinschaften, Familien oder was auch immer. Dekadenz, Schmutz, Brot und Spiele hat's schon öfter gegeben in der Geschichte. Nachhaltig gelernt hat Mensch daraus offenbar kaum."

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KOMMENTARE (10 von 18)
 
First_Lady (15.02.2007, 14:28 Uhr)
An Strangulierte
Ihre Beiträge schockieren mich, genauer gesagt, daß was Sie darin schildern.
Wenn das wirklich wahr ist...machen Sie es öffentlich! Verstecken Sie sich nicht! Wenn es wirklich so viele Menschen gibt, die Ihr Schiksal teilen, warum verbünden sie sich dann nicht?
Malt (15.02.2007, 09:09 Uhr)
Wenn wundert's?
Nachdem gestern die UNICEF Studie veröffentlicht wurde, kann doch jeder die Ursache nachlesen:
Selbst die Kinder sind der Meinung, dass Ihre Eltern zu wenig mit Ihnen reden und zu wenig Zeit mit Ihnen verbringen.
Da wird die Schuld für die "Verrohung der Jugen" bei "Killerspielen", der Pornoindustrie, dem Staat, der Zensur zugeschoben... aber vor der eigenen Tür will mal wieder keiner kehren... obwohl ein Gespräch mit den eigenen Kindern noch nicht mal einer Gesetzesänderung bedarf!
Antidemokrat (15.02.2007, 08:35 Uhr)
Wo kommt der ganze Mist denn her ?
Natürlich aus den prüden USA, dort wird nahezu 95% produziert. Gewalt, Horror und Sex + Drugs, Hip Hop, Gangsta Rap, all der ganze Mist kommt ungefiltert zu uns und Ihr fragt Euch, was mit unserer Gesellschaft los ist ? Jetzt wissen wir, das die gute alte Medien-Zensur gar nicht so verkehrt ist !
donnie_kalibo (15.02.2007, 02:48 Uhr)
Feuchte Höschen...
Moinsens...
Wer stellt denn hier noch ernsthaft eine "FRAGE an Politiker"? Ey Kids, ihr seid in Deutschland - die hirnlosen Politiraffzähne sind doch nicht mal in der Lage, über ein Rauchverbot zu entscheiden. Lasst die doch endlich am Straßenrand eures Lebens zurück und kümmert euch selbst drum. Porno ab 18, in passenden Kinos und aus Videotheken raus. Bessere Alterkontrolle mit drakonischen Strafen, wenns mal nicht passiert. Porno selber werdet ihr nicht los. Eltern und Pornokinobetreiber kommen bei Zuwiderhandlungen einfach strikt und sofort 5 Jahre in den Knast und werden wie in Amerika im Internett veröffentlicht. So, und jetzt muß das nur noch der Pundesbräsident unterschreiben und dann geht das los. So einfach kann das gehen...
First_Lady (15.02.2007, 00:56 Uhr)
Ich habe bereits angefangen....
...und praktiziere "gelebten Kinderschutz". Das heißt ich akzeptiere keine Übergriffe mehr - nicht nur für mich nicht,nicht nur für mein Kind nicht, sondern auch, wenn ich einfach nur beobachte, daß einem Kind etwas angetan wird.
So zu leben ist hart, ich bin ein Einmischer, Anzeiger, Aufschreier- wie auch immer es genannt wird ist mir egal, wenn ich nur einmal ein Kind bewahrt habe. Es lohnt sich! wer traut sich noch?
Mensch.Student (14.02.2007, 22:29 Uhr)
FRAGE an Politiker...
Das ein Kind (Person unter 14Jahren) keine Strafmündigkeit besitzt ist verständlich. Aber weshalb kommen Eltern/Erziehungsberechtigte ohne Strafen davon wenn deren Kinder anderen Kindern grausames angetan haben ...(Vergewaltigung eines 12Jährigen Mädchen durch einen 11Jährigen...)
Mensch.Student (14.02.2007, 22:23 Uhr)
WIR könnten es ändern...
Kein Kind oder Jugendlicher tut etwas - erst Recht nicht mit herausragender Brust, wenn es von der Gesellschaft als abscheulich oder ekelerregend wahrgenommen wird. Etwas Aufklärung in den Medien bezgl. der Entstehung von Szenen, in welcher ein junges Mädchen zwischen mehreren Erwachsenen Männern steht...wäre sicher ein effektiver Schritt in die richtige Richtung. Schöne Grüße aus dem Rheinland S.O.
teewursttee (14.02.2007, 22:09 Uhr)
der artikel
ich hab nichmal den artikel zuende gelesen,die kommentare spar ich mir auch...............ich weiss schon halbwegs,was los is,mir wird schlecht
Ginnungagap (14.02.2007, 22:08 Uhr)
Der Cousin meiner Freundin
besucht die 5te Klasse und bekam in der Schule extremste Sex und Snuff Videos gezeigt. (Köpfungen, Erschießungen)
Den Eltern öffnete er sich erst, nachdem sie sich wochenlang fragten , warum er so verstört ist.
Gute Nacht
Norbert100 (14.02.2007, 22:06 Uhr)
Brot und Spiele!
Schmeißt dem Volk doch solch ein Thema vor und es wird nicht danach fragen, wann denn endlich: Der Nahost-Konflikt geklärt, unser Steuer-und Sozialsystem renoviert, die Umweltbelastung gesenkt oder unsere Energiesicherheit gewährleistet werden kann. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Nur, wer traut sich schon?
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