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17. März 2010, 09:40 Uhr

Bischof: In der Kirche wurde vertuscht

Die katholische Kirche ist nicht bekannt dafür, Fehler zuzugeben. Doch im Skandal um sexuellen Missbrauch an Schülern führt daran offenbar kein Weg vorbei. Auch wenn der Papst noch schweigt, so spricht der Missbrauchs-Beauftragte, Bischof Stephan Ackermann, von Vertuschung.

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"Fälle wurden vertuscht": Der Missbrauchsbeauftragte Bischof Stephan Ackermann räumt Fehler der Kirche ein© Rolf Haid/DPA

Der Sonderbeauftragte der katholischen Kirche für die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in Deutschland, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, hat schwere Versäumnisse der Kirche eingeräumt. "Da wo kein wirklicher Aufklärungswille vorhanden war und Täter einfach nur versetzt wurden, müssen wir in einer ganzen Reihe von Fällen gestehen, dass vertuscht worden ist", sagte Ackermann der "Rhein-Zeitung". Die Schuldfrage sieht der Bischof dabei weniger bei der Kirche als Institution, sondern bei den Tätern und denjenigen, die als Vorgesetzte ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden seien.

Ackermann äußerte sich zuversichtlich, dass die Missbrauchsfälle nun zügig aufgearbeitet würden. "Wir werden in diesem Jahr unsere Leitlinien überarbeitet und die Entschädigung geklärt haben", sagte er der in Koblenz erscheinenden Zeitung. Eine finanzielle Unterstützung der Opfer sei allerdings nur ein Teil der Entschädigung. "Die Anerkennung des Unrechts muss diesen Menschen auch gerecht werden. Wir wollen uns nicht durch bestimmte Summen freikaufen", sagte der Geistliche.

Die Diskussion um eine Abschaffung des Zölibats als Reaktion auf das Bekanntwerden der sexuellen Missbrauchsfälle hält Ackermann indes für nicht förderlich. "Eine sexuelle Störung liegt früher fest. Sie wird nicht durch ein Versprechen ausgelöst, das ein erwachsener Mann ablegt." Allerdings: Auch wenn er sich für die Beibehaltung des Zölibats ausspricht, sieht Ackermann der Zeitung zufolge in der Ehelosigkeit katholischer Priester keinen dogmatischen Glaubenssatz.

Bischhöfe erwarten baldige Papst-Erklärung

Ackermann verteidigte zudem Papst Benedikt XVI. gegen die Kritik, dieser habe kein klares Wort zu den Missbrauchsfällen in Deutschland gefunden. "Man tut dem Papst Unrecht, wenn man den Eindruck erweckt, er wäre in dieser Frage nicht klar", sagte der Sonderbeauftragte für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle.

Nach Einschätzung der deutschen Bischöfe wird sich der Papst noch in dieser Woche an die Missbrauchsopfer wenden. Der Papst habe sich bereits mehrfach entschuldigt, sagte der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe im Katholischen Büro Berlin, Prälat Karl Jüsten, in der ARD. "Wir müssen natürlich jetzt aufpassen, dass es nicht eine Art von Entschuldigungsfuror gibt, der dann hinterher nicht richtig wahrgenommen wird." Es sei aber "vernünftig und gut, wenn es eine persönliche Zuwendung des Papstes an die Opfer gibt. Damit ist diese Woche zu rechnen."

Der Vatikan räumte unterdessen nach neuen Vorwürfen aus Österreich und Hunderten von Fällen des sexuellen Missbrauchs in Deutschland und den Niederlanden ein, dass die Glaubwürdigkeit der Kirche gelitten habe. "Wie in allen Institutionen so ist das Vertrauen auch in die Kirche geringer geworden", sagte Tarcisio Bertone, der als Außenminister die Nummer zwei in der Hierarchie des Vatikans ist.

AFP/Reuters/DPA
 
 
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