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10. Januar 2009, 17:25 Uhr

Althaus droht Anklage

Eine Anklage gegen Dieter Althaus wegen fahrlässiger Tötung wird immer wahrscheinlicher: Nach Medienberichten gehen die Sachverständigen von einer Mitschuld des Thüringer Ministerpräsidenten aus. Unterdessen hat der Anwalt des Opfers eine Schadensersatzklage angekündigt.

Zoom

Die Unglücksstelle auf der österreichischen Riesneralm© Kerstin Joensson/AP

Eine Anklage gegen Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus wegen fahrlässiger Tötung wird immer wahrscheinlicher. Der österreichische Staatsanwalt Walter Plöbst erklärte im Magazin "Der Spiegel", dass es nach Landesrecht bei einem tödlichen Unfall in jedem Fall zum Gerichtsprozess kommt, sobald von einen Teilschuld des Überlebenden auszugehen ist. Es gebe in solchen Fällen keine Möglichkeit, das Verfahren einzustellen. Dann müsste sich Althaus dem Bericht zufolge vor dem österreichischen Bezirksgericht Irdning wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung verantworten.

Sachverständige und Anwälte beider Parteien haben den Unfallort mittlerweile begutachtet. Laut "Spiegel" gehen die Sachverständigen davon aus, dass Althaus entgegen der Fahrtrichtung links abgebogen, leicht bergauf gefahren und frontal mit der Frau zusammengestoßen sei. Den bisherigen Ermittlungen zufolge sei der Politiker etwa 40 Stundenkilometer schnell gefahren, die getötete Frau dagegen langsamer. Die beiden Skifahrer trafen demnach fast frontal aufeinander und wurden einige Meter durch die Luft geschleudert. Das ergebe sich zwangsläufig aus dem Unfallgeschehen. Der Althaus-Anwalt in Österreich, Walter Kreissl, räumte im "Spiegel" ein, dass der Ministerpräsident "nach Lage der Dinge ein Stück bergauf" gefahren sei. Er weist aber darauf hin, dass ein Unfall sich jederzeit auf Skipisten ereignen könne. Althaus habe sich weder "rücksichtslos, ungewöhnlich, noch auffällig" verhalten.

Opfer-Anwalt kündigt Schadensersatzforderung an

Nach dem tödlichen Skiunfall fordert der Ehemann des Opfers von Althaus Schadenersatz. Das kündigte der Salzburger Anwalt der Hinterbliebenen, Alexander Rehrl, am Samstag in mehreren Medien an. "Nach den bisherigen Ermittlungen fuhr der Ministerpräsident von einer steileren Piste bergauf in einen flacheren, langsameren Skihang. Der Ministerpräsident hätte so fahren müssen, dass er niemanden gefährdet. Das war anscheinend nicht der Fall. Deshalb wollen wir Schadenersatz fordern", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Focus". Zur Höhe der Forderung äußerte er sich nicht. "Ein Leben ist nicht bezahlbar", sagte Rehrl. Sollte es zu keiner außergerichtlichen Einigung kommen, werde er eine Zivilklage anstreben.

Die Schuldfrage kann aber erst abschließend beantwortet werden, wenn sie durch Expertengutachten geklärt ist. "Die Gutachten von zwei Sachverständigen liegen noch nicht vor", sagte Plöbst im "Focus". Der Unfallhergang soll mit den Sachverständigen auf der Skipiste rekonstruiert werden. "Voraussichtlich in etwa vier Wochen werden die Ermittlungen abgeschlossen sein, und dann entscheiden wir." Vor allem solle der Frage nachgegangen werden, wo genau sich Althaus' Leibwächter befand und warum er den CDU-Politiker nicht sehen konnte, obwohl die Skipiste von oben gut einsehbar ist.

Althaus wird inzwischen in Jena behandelt

Althaus, der bei dem Unfall ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt, war am Freitag von Österreich in die Uniklinik Jena verlegt worden. Nach Auskunft der Ärzte befindet er sich auf dem Weg der Besserung. Er selbst kann sich nach Auskunft des Staatsanwalts "überhaupt an nichts erinnern". Der Politiker war am Neujahrstag bei der Abfahrt von der Riesneralm mit der 41-jährigen Beata C. zusammengestoßen. Die Frau starb auf dem Weg ins Krankenhaus, Althaus erlitt ein Schädel-Hirn- Trauma.

Der Skiunfall von Althaus und die Folgen waren auch Thema im CDU- Bundesvorstand in Erfurt. Vize-Ministerpräsidentin Birgit Diezel berichtete über den aktuellen Gesundheitszustand und ging auch auf die Beerdigung von Beata C. ein. Dabei ging es nach Teilnehmerangaben aber nicht um einen möglichen "Plan B" bei der Frage der CDU- Spitzenkandidatur in Thüringen, obwohl auch erwähnt wurde, dass offen sei, wann der Regierungschef vollständig genesen ist.

Zoom

Die stern.de-Montage basiert auf einem von der Alpinpolizei Liezen herausgegebenen Foto. Die Pfeile zeigen die Fahrtrichtungen der Unfallgegner und die genaue Unfallstelle auf der Piste© stern.de-Infografik nach Polizeifoto/DDP

AP/DPA
KOMMENTARE (10 von 24)
 
Morendis (11.01.2009, 22:46 Uhr)
Also....
wenn man der Skizze Glauben schenken kann, dann schaut es tatsächlich so aus als habe der Herr Althaus einen Abzweig verpaßt und aufgrunddessen den Unfall verursacht.
Solche Unfälle können passieren, weil es eben auf Skipisten nicht so ein detailliertes Hinweissystem wie auf Autobahnen gibt, wobei es trotzdem immer noch Autofahrer schaffen in verkehrter Richtung auf eine Autobahn aufzufahren! Da spielt schon sowas wie Kenntnis über die örtlichen Gegebenheiten mit ein.
Skifahren ist ein Risikosport. Es bedarf nicht irgendeinen Minister um sich auf einer Piste den Hals zu brechen.
Ich betreibe diesen Sport seit ca 30 Jahren und weiß daß ich auf einer Piste mit genausovielen Idioten wie als Autofahrer im Straßenverkehr rechnen muß.
Es ist einfach nur zum Kotzen "deutsch", daß irgendjemand dafür büßen muß, weil ein tragischer Unfall ein Todesopfer gefordert hat.
Gisella (11.01.2009, 16:35 Uhr)
Der Herr
Ministerpräsident wird sich an NICHTS erinnern können, wollen, werden. sicher auch nicht, dass er Ministerpräsident war oder ist-also, was schliessen wir daraus??? Übrigens würde ich lieber an Polizeipräsident Mannichl kommentieren-viel spannender.Schimanski-wo bist Du???
leboz (11.01.2009, 08:34 Uhr)
soondecember
Sie haben völlig Recht. Das Schilaufen, so wie es heute als Herunterrasen von einem Berg mit irrsinniger Geschwindigkeit betrieben wird,ist extrem gefährlich. Beide Beteiligte hatten sich dafür entschieden: Von "Schuld" kann deshalb keine Rede sein. In den Schigebiten wird man das nicht gerne hören wollen, weil der "Kick" halt doch viele Urlauber anzieht.
soondecember (11.01.2009, 00:39 Uhr)
ein Risikosport
Wer einen Risikosport betreibt hat eben auch Eigenverantwortung, wenn es schief geht. Wer Täter und wer Opfer ist, ist insoweit bei diesem Unfall wohl auch Zufall, es richtete sich hier allein nach dem Überleben, der Überlebende stellt sich der Täterrolle und die Tote ist eben das Opfer im Sinne der Anklage. Nur ist das richtig und gerecht ? Beide hatten gute Sicht und fuhren schnell, beide hätten ausweichen können. Sie trug dazu noch keinen Helm, hätte er keinen Helm getragen, wäre die Täterfrage gar nicht möglich, da er nicht überlebt hätte.
Also die Täterrolle richtet sich in diesem speziellem Unfall eigentlich nur nach dem Überleben und nicht nach objektiver Schuld, wie kann es objektive Schuld geben, wenn es sowenig exakt gültige Regeln beim Skifahren gibt ? Es gibt einen Toten also muss es ein Verfahren und Tätersuche geben, macht das Sinn ?
Der Junge der beim Schlittenfahren verstarb (Wasserkuppe Hessen), wer ist dann Täter ? Die Eltern?- (wir sind auch alle als Kinder allein Schlitten gefahren ), derjenige der den Baum pflanzte, an den der Junge prallte ? Ich will damit sagen, mir erscheint die journalistische und jouristische Suche nach Tätern bei Risikosportarten, bei denen auch das Opfer das Risiko bewusst einging, nicht so sinnvoll.
zappuser (11.01.2009, 00:13 Uhr)
Ja, "nur" ein Unfall war es,
@Leboz
und darum wird ja auch nur wegen fahrlässiger Tötung und nicht wegen Totschlags verhandelt.
Gerauer (10.01.2009, 20:41 Uhr)
MP Althaus
Ich möchte Herrn Ministerpräsident alles Gute zu seiner weiteren Genesung wünschen. Alle anderen Fragen lassen sich bestimmt später klären, was ja auch in zwei Rechtsstaaten kein Problem ist. Schlimm sind immer Spekulationen, die mit Sicherheit nicht der Wahrheitsfindung dienen. Zu allem Unglück, gibt es wenigstens für Herrrn Althaus eine glückliche Fügung, das er nicht bei Ulla Schmidt (SPD) versichert ist.
Kommentator21 (10.01.2009, 19:33 Uhr)
@Leboz
wenn du nen Verkehrsunfall in der BRD baust kannste es ja auch auf die Straßenmeisterei schieben....
leboz (10.01.2009, 19:33 Uhr)
Es war ein Unfall
und damit sollte man es gut sein lassen. Niemand hat sich ja absichtlich falsch verhalten.
leboz (10.01.2009, 19:25 Uhr)
Kommentator21
also, was die österreichische Justiz anbelangt:.. wer war denn verantwortlich, als in Sölden ein Betonkübel vom Hubschrauber ausgeklinkt worden ist?...Wer war denn verantwortlich als in der Kapruner Gletscherbahn ein falsch montierter Heizlüfter gebrannt hat ...usw.,usw,
Kommentator21 (10.01.2009, 19:03 Uhr)
Amtsenthebung
falls Althaus verurteilt wird muss er sein Amt räumen, er ist verantwortlich und ggf . zu bestrafen und zu verureteilen, wie jeder andere Mensch, einen Ministerpräsidentenbonus gibt es hoffentlich in Österreich nicht.Wäre es hier passiert würde man alles erdenklich tun um die Sache zu verschleiern und abzubiegen.(Stichwort Bananrepublik und Amigowirtschaft).
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