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29. Januar 2009, 15:20 Uhr

Piraten kapern deutschen Tanker

Somalische Piraten haben einen deutschen Gastanker geentert, dabei soll es einen heftigen Schusswechsel gegeben haben. Nach Angaben der Reederei entführten die Seeräuber die "MV Longchamp" im Golf von Aden - obwohl das Schiff in einem international geschützten Konvoi fuhr.

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Im Golf von Aden ist die "MV Longchamp" von Piraten gekapert worden© www.marinetraffic.com

Somalische Piraten haben am Donnerstag im Golf von Aden den deutschen Tanker "Longchamp" in ihre Gewalt gebracht. Das bestätigten ein Mitarbeiter der Reederei in Nairobi sowie ein Sprecher des Hamburger Schiffsfinanzierers MPC, der an dem Schiff beteiligt ist. Die Piraten konnten das rund 3500 Tonnen große Schiff um 2.30 Uhr in der Nacht zum Donnerstag kapern, obgleich es in einem internationalen geschützten Konvoi fuhr.

Nach Darstellung des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr setzte der Frachter in der Nacht noch einen Hilferuf ab. Als eine indische Fregatte daraufhin zu Hilfe kam, sei es allerdings schon zu spät gewesen. "Es gab einen heftigen Schusswechsel", sagte Andrew Mwangura, Leiter der kenianischen Sektion der Organisation Seafarers Assistance Programme im kenianischen Nairobi.

Besatzung angeblich unverletzt

Derzeit besteht kein Kontakt zu dem Tanker. Dem Kapitän sei nur kurzzeitig erlaubt worden, den Schiffsmanager zu kontaktieren und zu sagen, dass alle Crew-Mitglieder unverletzt und in Sicherheit seien, hieß es. Die Piraten hätten noch keine Forderungen gestellt.

Der rund 100 Meter lange und 16 Meter breite Gastanker war unterwegs von Europa nach Asien. Es habe den Suez-Kanal durchquert und eigens einen Tag gewartet, um sich dem Konvoi anzuschließen, sagte der Sprecher. Der 1990 gebaute Tanker transportiert Flüssiggas. Er gehört der Gesellschaft MPC Steamship, wird aber von der Hamburger Reederei Bernhard Schulte bereedert. Gechartert hatte die "Longchamp" eine Reederei aus dem liberianischen Monrovia. Das Schiff fährt allerdings unter der Flagge der Bahamas.

Die Piraten hätten die Besatzung - einen indonesischen Kapitän und zwölf philippinische Seemänner - mittlerweile gezwungen, aus dem Konvoi auszuscheiden und Kurs auf Somalia zu nehmen, sagte der MPC-Sprecher. Er rechne mit einer Lösegeldforderung. Das Schiff sei versichert gegen die Folgen von Krieg, Terrorismus und Piraterie.

Die Überfälle auf Schiffe sind inzwischen das einträglichste Geschäft in Somalia, das seit Jahrzehnten keine stabile Regierung mehr hat und völlig verarmt ist. Vor der somalischen Küste sind in diesem Jahr bereits drei Schiffe von Piraten gekapert worden, die derzeit in der Region insgesamt 16 Schiffe besetzt halten. Im vergangenen Jahr haben Piraten vor der Küste Somalias mehr als 40 Schiffe entführt und geschätzte 30 Millionen Dollar an Lösegeld erpresst.

Im Kampf gegen die Seeräuber sind zur Zeit vier Schiffe und drei Aufklärungsflugzeuge von EU-Ländern in dem 500 Seemeilen umfassenden Gebiet vor Afrika im Einsatz. Sie sollen vor allem Containerschiffe und Tanker vor Angriffen im Golf von Aden schützen. Die internationale Schifffahrt kann das Gebiet kaum meiden. Der Golf von Aden verbindet Asien über das Rote Meer und den Suez Kanal mit dem Mittelmeer und ist damit eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt.

AP/DPA/AFP/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 31)
 
Nirvana (30.01.2009, 22:39 Uhr)
Kein deutsches Schiff
Das deutsche Flaggenrechtsgesetz und die UN-Konvention über die Hohe See sind eindeutig: Ein Schiff ist immer Staats- und Rechtsgebiet des Staates welche Flagge es führt. Dabei ist es unerheblich, ob es noch im deutschen Register registriert verblieben ist (Doppelregistrierung). Nach §7 Abs.1 des FlRG kann ein deutsches Schiff auf Zeit (die ewig verlängert wird)die Genehmigung zum Führen einer fremden Flagge erteilt werden. Der Schiffseigner verliert die Reedereigenschaft (HGB) und darf es nicht mehr vom deutschen Boden aus betreiben, denn ein Schiff welches vom deutschen Boden aus betrieben wird, muss auch zwingend die deutsche Flagge führen. Unter frmeder Flagge muss das Schiff zwingend von einem Ausländer vom ausländischen Boden betrieben, bezahlt etc. werden. Ein Mißbrauch §15 FlRG, steht unter Strafe.
Gleichwohl wird das FlRG seit den 70iger Jahren permanent mißbraucht, weil man sich damit jeglicher Pflichten unter deutscher Flagge entledigt aber durch die noch behaltene deutsche Registrierung sämtlicher Steuervorteile einkassiert.
Aus taktischen Gründen wird es als deutsches Schiff benannt, was es definitiv nicht ist.
Im Übrigen fahren auch auf Schiffen unter deutscher Flagge kaum noch deutsche Seeleute, viele der noch exestierenden deutschen Seeleute arbeiten unter fremder Flagge. Die Bedingungen sind nicht abhängig von der Flagge sondern immer vom Schiffsbetreiber.
Bei den somalischen Piraten sollte man fragen, woher die Waffen und Geräte kommen? Wer profitiert davon, dass die Somalier instrumentalisiert werden? Piraterie ist überall auf der Erde kriminell und und gefährlich für die Seeleute. Die Menschen an Bord zählen aber nur wenig, wie Seeleute generell. Sie sind nur Mittel zum Zweck wie die Somalier, deren Lebensgrundlagen von anderen Nationen weggefischt werden. Außerdem ist es durchaus strategisch günstig dort im Gebiet schon mal die Marine im Einsatz zu haben. Lord of War- ja gar nicht mal so abwegig. Nichts ist unmöglich wie die Geschichte lehrt.
bR4iNST0RM (30.01.2009, 10:19 Uhr)
Schwierig.
@ STR_EDDS Klar! Habe Ihnen auch nicht zu nahe treten wollen! Dafür von meiner Seite Sorry! :) Vielleicht sieht man sich ja bei einer Reserveübung.
Zum Thema: Ich habe heute in der Zeitung gelesen, dass bereits durch eine Indonesische Fregatte Hilfe angeboten wurde, die der Kapitän abgelehnt hat. Jetzt stellen sich mir zwei Fragen: Der Tanker fuhr im Konvoi und wurde dennoch gekapert? Warum bittet der Kapitän um Hilfe, wenn er sie dann doch ablehnt?
Sehr Merkwürdig.
Es ist auch sehr schwer, Piratenschiffe von zivilen Schiffen auseinander zu halten. Von einem Bekannten der zur See fährt, habe ich gehört, dass es erst über Funk heißt: „We need water, we need water!“ Wenn angehalten oder die Fahrt gedrosselt wird und das Schiff nahe genug ist, wird die Panzerfaust rausgeholt und auf die Brücke gerichtet.
Diesen Menschen ist scheinbar wirklich jedes Mittel recht. Es ist sehr Schwierig, hier eine gute Schutzmöglichkeit zu finden.
botoxia (30.01.2009, 09:40 Uhr)
30 Mille
Was mich auch mal interessieren würde: Wo bleibt dieses ganze erpresste Geld. Stehen jetzt lauter fette Villen am somalischen Strand? Ist der Pirat nur "in eigener Sache" unterwegs, oder passiert eine Umverteilung des Geldes in diesem armen Land, so dass auch die Menschen was davon haben? Was machen die mit dem ganzen Geld?
gmathol (30.01.2009, 00:47 Uhr)
Schutzgelderpressung durch die US Sicherheitsfirma?: Blackwater.
Es mehren sich die Hinweise das eine bekannte private Moerderbande getarnt als US Sicherheitsfirma: Blackwater diese Piraten-Akte sponsort. Firmen die die ein Schutzangebot der besagten Firma ablehen werden merkwuerdigerweise in diese Piratie-Akte verwickelt.
Hier muss endlich den US Schurken die rote Karte gezeigt werden.
STR_EDDS (29.01.2009, 22:27 Uhr)
@brainstorm
Gut, lieber brainstorm. Da sind wir wohl etwas aneinander geraten. Von meiner Seite: sorry dafür. Die Idee mit Wasserwerfern halte ich in der Tat auch für eine sehr gute. Leider wird es wohl daran scheitern, dass Reeder die Umbaukosten scheuen. Zudem dürfte es auf dem Markt kein fertiges System geben. Manueller Betrieb scheidet aus. Die Piraten haben Erfolg wegen dem Überraschungsmoment und wegen der Tatsache, dass die meisten Besatzungen in "Schiffsverteidigung" mit egal welchen Mitteln nicht ausgebildet sind. Ist ein Schiff einmal gekapert, ist es alleinige Sache des Flaggenlandes sich um es zu kümmern. Auch aus diesem Grund darf die Bundesmarine nach einer Kaperung gemäß Seerecht nicht einfach den Kahn stürmen. Diesen wichtigen Punkt vergessen leider viele. Simma wieder friedlich? :-)
Sebi89 (29.01.2009, 22:19 Uhr)
Maschinengewehre?
Maschinengewehre auf einem Gastanker?!?
Da darf man noch nicht mal an Deck Rauchen!
Piratenabwehr durch Sprengung des eigenen Schiffs.
Auch ne Idee...
ossi48 (29.01.2009, 18:47 Uhr)
An diesem Schiff
ist nicht mal mehr der Name deutsch. Also kann von einem "deutschen Frachter" wohl keine Rede sein.
undueberhaupt (29.01.2009, 17:58 Uhr)
Nachts?
Nachts schlafen unsere Marinesoldaten und träumen von Beck`s, Beck`s, Beck`s, Beck`s, Beck`s, Beck`s und Sex.
RealRock (29.01.2009, 17:23 Uhr)
@aurum
Ihr werter Großadmiral v. Dönitz wurde 1946 bei den Nürnberger Prozessen von den Alliierten als Kriegsverbrecher verurteilt!
Ich denke sie hetzen da die falschen Leute auf ihr "Piratenpack"...
RealRock (29.01.2009, 17:11 Uhr)
Klarer Fall...
...von den 13 Besatzungsmitgliedern kommen 12 aus den Philippinen und einer aus Indonesien.
Dann soll sich auch bitte die Phillipische Marine oder die der Bahamas, unter deren Flagge der Tanker fährt, um die Befreiung kümmern!
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