"Systematische Prostitution" in Berlusconis Villa

4. März 2013, 19:48 Uhr

Vergangene Woche knapp bei den Wahlen gescheitert, jetzt vor Gericht - Silvio Berlusconi. Im "Ruby"-Prozess wirft der Staatsanwalt ihm ein umfassendes System der Prostitution in seiner Villa vor.

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Blitzlicht, das er gar nicht mag: Silvio Berlusconi im Mailänder Gericht©

Für die wilden Privatpartys von Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi ist nach Einschätzung der Anklage ein "umfassendes System der Prostitution" organisiert worden. Dabei sei die seinerzeit noch minderjährige Marokkanerin Ruby ein "fester Bestandteil" gewesen, führte Staatsanwalt Antonio Sangermano zu Beginn seines Plädoyers in Mailand aus. Der "Ruby"-Prozess gegen Berlusconi ist damit in der Schlussphase. Der Medienzar und Milliardär ist angeklagt, Sex mit minderjährigen Prostituierten gehabt und sein Amt missbraucht zu haben.

Es sei falsch, nur von Festessen in Berlusconis Villa Arcore bei Mailand auszugehen, angereichert durch ein paar "burleske Szenen", sagte der Staatsanwalt. Dies hatte Berlusconis Seite immer behauptet. Vielmehr habe ein Kreis von Vertrauten und Freunden Berlusconis ein regelrechtes "System" organisiert: Die jungen Frauen seien in bar bezahlt oder mit beruflichen Versprechungen, unter anderem hohe Posten in der Politik, honoriert worden.

Polizisten setzten Staatsanwältin unter Druck

Vor den Plädoyers hatte die Staatsanwältin Annamaria Fiorillo als Zeugin vor Gericht ausgesagt und Berlusconi schwer belastet. Sie hatte demnach in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 2010, als die marokkanische Tänzerin Karima El Mahrough alias Ruby festgenommen wurde, Dienst im Mailänder Jugendgericht. Sie setzte sich nach eigenen Worten dafür ein, dass die damals minderjährige Ruby in eine betreute Wohngemeinschaft kommt.

"Ich habe an meiner Position vehement festgehalten, und die lautete, dass das Mädchen in eine Wohngemeinschaft verlegt werden sollte, weil ich sie der Prostitution verdächtigte", sagte Fiorillo. Sie bekam demnach in der fraglichen Nacht vier Anrufe von der Polizei, bis schließlich eine Beamtin sagte, dass es keinen freien Platz in einer Einrichtung für die Marokkanerin mehr gebe. Außerdem habe sich eine Regierungsberaterin namens Nicole Minetti vorgestellt, die das Mädchen in ihre Obhut nehmen wolle, da Ruby "die Nichte von Husni Mubarak", dem damaligen ägyptischen Präsidenten, sei.

Berlusconi schaltete sich ein

"Ich habe geantwortet, dass mir gesagt wurde, dass sie Marokkanerin ist, und deshalb wohl maximal die Tochter des marokkanischen Königs sein könnte", sagte Fiorillo. Sie habe der Polizeibeamtin außerdem gesagt, dass diese die Verantwortung trage, wenn das Mädchen nicht in eine Einrichtung gebracht würde. Minetti hatte die junge Frau schließlich abgeholt, angeblich nachdem sich Berlusconi in den Fall eingeschaltet hatte. Unter anderem deshalb und weil er für Sex mit Minderjährigen bei Partys in seiner Villa bezahlt haben soll, ist Berlusconi angeklagt.

Das Plädoyer sollte an diesem Freitag fortgesetzt werden. Es wird erwartet, dass Berlusconis Anwälte danach auf Freispruch plädieren. Berlusconi hatte immer seine Unschuld beteuert. Der Prozess gegen Berlusconi hatte im April 2011 begonnen. Ein Urteil soll noch im März gesprochen werden. Wegen Amtsmissbrauchs drohen Berlusconi zwölf Jahre Haft, für Prostitution Minderjähriger drei Jahre. Ein erstinstanzliches Urteil hat in Italien aber zwei Berufungsinstanzen.

swd/AFP/DPA
 
 
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