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27. März 2009, 19:07 Uhr

Phantommörderin hat nie existiert

Jetzt ist es amtlich: Das "Phantom von Heilbronn" hat nie existiert. Die DNA, die 2007 beim Mord einer Polizistin gefunden wurde, stammt nicht von der Mörderin, sondern von einer Arbeiterin eines bayerischen Betriebes, die mit den Wattestäbchen in Berührung gekommen war. Bei der Aufklärung des Falles steht die Polizei nun wieder ganz am Anfang.

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Ein typisches Abstrichbesteck, das von der Polizei zur Sicherung von DNA-Spuren verwendet wird© Thomas Kienzle/AP

Die Gen-Spur vom Mord an einer Polizistin in Heilbronn vor eineinhalb Jahren stamme nicht von einem Tatbeteiligten, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Heilbronn, Volker Link, am Freitag in Stuttgart. "Sie stammt, wie wir heute definitiv wissen, von einer anderen Frau." Es handele sich um die DNA einer Arbeiterin in einem Verpackungsbetrieb in Bayern, sagte der Präsident des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, Klaus Hiller.

Am Donnerstag seien bei der Untersuchung von 96 unbenutzten Wattestäbchen sieben mit einer kleinen DNA-Verunreinigung festgestellt worden, sagte Darius Makuch vom Institut für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Homburg/Saar. Darunter befand sich dann ein genetischer Fingerabdruck, der mit dem des angeblichen Phantoms übereinstimmte.

Die Arbeiterin, von der seit dem Jahr 2001 an Tatorten unterschiedlichster Verbrechen immer wieder Gen-Spuren gefunden worden waren, wurde nach Angaben des LKA am Freitagnachmittag identifiziert. Sie habe mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts mit der Begehung von Straftaten zu tun.

Die Möglichkeit einer Verunreinigung der Untersuchungsmaterialien wurde nach den Worten des Leiters der Sonderkommission für den Heilbronner Polizistinnenmord, Frank Huber, von Anfang an in Betracht gezogen. Ganz konkrete Hinweise habe es von österreichischen Ermittlern erst am 18. März gegeben. Daraufhin sei die Polizei sehr schnell auf die Firma in Bayern zugegangen und habe Speichelproben von allen Mitarbeitern genommen. Bei der bayrischen Firma handelt es sich nach den Worten von Staatsanwalt Volker Link "nicht nur um eine Verpackungsfirma, sondern auch um eine Firma für Medizinalbedarf."

Die Fehler bei den Ermittlungen wurden nach den Worten von LKA- Präsident Hiller durch verunreinigte Wattestäbchen verursacht. Diese Stäbchen würden nun nicht mehr verwendet. "Die jetzt identifizierte Schwachstelle wird zu einer entscheidenden Verbesserung der Spurensicherung führen", erklärte der LKA-Präsident. Er kündigte Konsequenzen an: Die Ermittlungsbehörden in Baden-Württemberg würden zusammen mit den anderen Bundesländern an gemeinsamen Standards für die Spurensicherung arbeiten.

Das Bundeskriminalamt (BKA) kündigte an, künftig bessere Mittel bei der Spurensicherung einzusetzen. Die Wattestäbchen seien zwar "medizinisch steril"; es gebe aber spezielle Verfahren, um das Material noch steriler zu machen, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke im Deutschlandfunk. Dass es Fehlverurteilungen aufgrund von DNA-Analysen gegeben haben könnte, schloss er aus: "Die DNA-Analyse ist ein taugliches Beweismittel."

Die Polizei muss nun in mehreren Mordfällen, in denen die DNA der vermeintlichen Phantom-Mörderin gefunden wurde, die Ermittlungen wieder auf Anfang stellen: Am 25. April 2007 hatten zwei Täter auf eine 22-jährige Polizistin und ihren damals 24-jährigen Kollegen auf dem Heilbronner Park- und Festplatz Theresienwiese geschossen. Die Polizistin starb, ihr Kollege überlebte schwer verletzt und hat keine Erinnerung an das Verbrechen. Dieselbe DNA-Spur fand sich in zwei ungeklärten Mordfällen: 1993 wurde eine 62-jährige Rentnerin in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) erdrosselt, am 26. März 2001 ein 61-jähriger Mann in Freiburg.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
ZerStoiber (28.03.2009, 17:15 Uhr)
Gendatenbank
Eigentlich vortreffliche Argumente für den Bundesinneminister, eine vollständige Gendatenbank zu fordern.
Kommt dann sicher nach den Wahlen.
onkel.erwin (28.03.2009, 15:06 Uhr)
Es hat alles sein Gutes...
In einem Vorpost habe ich festgestellt , dass mein Vertrauen in die Leistungsfähigkeit und Kompetenz der deutschen Ermittlungsbehörden dahin sei. Nach reiflicher Überlegung muss ich das relativieren. Die deutschen Behörden arbeiten klug, umsichtig, effizient und absolut verlässlich. Auch in diesem Fall kann man das feststellen, da es sich amtlicherseits ja nun herausgestellt hat, dass unser superkriminelles Phantom gar nicht existiert. Das war den klugen Ermittlern , wie beschrieben, von Anfang an klar. Es hat halt nur etwas länger gedauert (15 Jahre), um diese amtliche Feststellung zu treffen. Die deutschen Behörden arbeiten exakt - solange dauert es nun mal bis zum amtlichen Nachweis. Für mich als notorischen Steuerhinterzieher, Serienmörder, Gewaltverbrecher, Killerspieler, Trunkenbold und Kinderschänder mit Zweitkonto in der Schweiz, Grundbesitz in Florida, MP5 und 30 kg Heroin unter der Matratze ergibt sich jetzt die beruhigende Erkenntnis: ich habe noch mindestens 14 Jahre Zeit, bis die Kripo an die Türe klopft. Bis erst einmal die Zuständigkeit geklärt ist, ist schon mal ein halbes Jahr um... Ein Hoch auf den ruhigen Gang auf deutschen Behördenfluren!
Stones60 (28.03.2009, 12:13 Uhr)
Unverständlich
Es ist schon erstaunlich; da werden im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft immense Summen für Evaluation ausgegebe. Aber beim Einkauf von Arbeitsmaterial wird dies noch nicht einmal auf entsprechende Verwendbarkeit überprüft und entsprechend den Erfordernissen geordert.
you_me_2 (28.03.2009, 11:21 Uhr)
@Reality
Was hat das jetzt mit den versifften Wattestäbchen zu tun, außer dass in dem im Artikel erwähnten Fahrzeug ein solches zur Spurensicherung verwendet wurde?
Ach ja, ist die große Geheimdienstverschwörung, deren Ziel die Volksverwirrung ist, indem falsche Spuren gelegt werden.
Reality (28.03.2009, 09:54 Uhr)
"Das Phantom von Heilbronn" und ein Leichentransport im LKA - Wagen...
Um die Sache noch undurchsichtiger zu machen als sie ohnehin schon ist, weise ich darauf hin, dass in einem Link von:
www.Hintergrund.de
ein Artikel unter der oben genannten Überschrift steht.
Geschrieben von "Regine Naeckel" am 10.03.2009
Viel Spass beim VerwirreSpiel !
Juris1 (28.03.2009, 09:38 Uhr)
Typisch öffentlicher Dienst
Im Öffentlichen Dienst wird ja bekanntlich an allen Enden und Ecken gespart - solange es nicht um Vorzeigeprojekte derer Vorgesetzten handelt, die damit Kariere machen.
ABER, dass zig Millionen Euro ausgegeben worden sind, nur weil jemand, der "von Anfang an die Verunreinigung von diesen Untersuchungsstäbchen" ausging, diese Spur nicht konsequent weiterverfolgt hat und zudem Untersuchungsstäbchen an die einzelnen Spezialisten verteilen lässt, die dafür gar nicht geeignet waren, lässt schon einen tiefen Blick in die Unfähigkeit der Verantwortlichen bei der Polizei zu.
Zudem sollen diese "Wattestäbchen" noch angewendet worden sein, als das "Verfallsdatum" bereits überschritten worden sei. Und wer behauptet - es geht steriler als steril - hat auch in der Schule nicht aufgepasst. Was für Idioten leiten eigentlich diese fleissigen unterbezahlten Polizeibeamten? - Es scheint, als wenn die "Managerriege" auch dort unfähig ist. Herr Minister, treten Sie zurück. Irgendjemand muss die Verwantwortung für die Verschwendung von Millionen Steuergeldern tragen. Dies wäre zumindest ein Anfang.
you_me_2 (28.03.2009, 08:15 Uhr)
@nony
Nur anhand des Bewesimittels DNA-Test ist noch niemand verurteilt worden, da kommen noch andere Beweise und Indizien dazu und in deren Summe wird dann ein Urteil gesprochen.
nony (28.03.2009, 06:18 Uhr)
@ skarrin
Gar nicht mal so falsch. Aber was ist mit all jenen, die Anhand dieses offensichtlich doch nicht ganz so tollen Beweismittels schon schon verurteilt worden sind?
Skarrin (27.03.2009, 23:37 Uhr)
Kann man auch positiv sehen
Hätten wir schon den Stasispitzelterrorstaat, an dem unsere Schäubles und Schilys gerade basteln, dann wäre die Frau jetzt solange gefoltert worden, bis sie sämtliche ca. 40 Verbrechen gestanden hätte, und Polizei&Politik hätten einen sensationellen Erfolg im Kampfgegendenterror verkündet.
Noch sind wir also zum Glück nicht soweit... noch nicht.
Jocx (27.03.2009, 22:03 Uhr)
und heute gab die Firma eine Pressekonferenz...
und sagte, dass die Wattestäbchen zwar steril, für DNA-Tests aber nachweislich nicht geeignet waren. Stand sogar drauf, angeblich.
Das ist immens peinlich für die Polizei und für Deutschland. Ich möchte nicht die Polizei an sich verurteilen, aber ein paar Schwachköpfe sollten da schon rollen, schließlich geht es hier um Steuergelder!!!
Und dann veröffentlicht die Polizei auch noch ein Phantombild einer Frau MIT BART.
Oh Mann, wie in einem schlechten Comic!
Es sind nicht nur Idioten bei der Polizei, aber wenn, dann richtig blöd!
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