. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
17. November 2009, 16:39 Uhr

Richter nimmt Stadt Köln in Schutz

Acht Monate nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist die Katastrophe erstmals vor Gericht aufgerollt worden. Mehrere Leihgeber, die dem Archiv Dokumente anvertraut hatten, werfen der Stadt Verletzung der Sorgfaltspflicht vor. Der Richter sieht das offenbar anders.

Köln, Stadtarchiv, Einsturz,

Das Kölner Stadtarchiv am Tag nach dem Einsturz: Als sicher gilt, dass der Ausbau der U-Bahn zu der Katastrophe beigetragen hat.© Mark Keppler/AP

Im ersten Verfahren zum Einsturz des Historischen Stadtarchivs muss die Stadt Köln offenbar keine Verurteilung befürchten. Zwar traf das Landgericht der Domstadt am Dienstag noch keine Entscheidung, doch der Vorsitzende Richter Reinhold Becker machte deutlich, dass er die Argumentation der Kläger in weiten Teilen nicht nachvollzieht. Als Monate vor dem Einsturz Risse im Archivgebäude aufgetaucht seien, habe die Stadt mehrere Statiker zurate gezogen, die alle keine Gefahr gesehen hätten, sagte Becker.

Einer der Kläger, der Regisseur Franz-Josef Heumannskämper, äußerte im Anschluss an die Sitzung die Überzeugung, dass das Gericht die Klagen abweisen wird. Der Anwalt Louis Peters will dann allerdings vor das Oberlandesgericht ziehen. Bei den Klägern handelt es sich um Leihgeber, die dem Archiv Unterlagen anvertraut hatten. Sie werfen der Stadt eine grobe Verletzung ihrer Sorgfaltspflicht vor. Nach den Rissen und anderen Warnzeichen hätten die Archivschätze ausgelagert werden müssen, kritisieren sie.

Anwalt Peters verwies auf ein Interview der Archivleiterin Bettina Schmidt-Czaia kurz nach dem Einsturz im "Kölner Stadt-Anzeiger". Auf die Frage, ob sie mit dem Schlimmsten gerechnet habe, antwortete sie: "Wir im Archiv schon." Peters sagte, damit sei das Verfahren eigentlich schon zu Ende, er müsse recht bekommen. Richter Becker maß dem Interview jedoch wenig Bedeutung zu.

Das Historische Archiv war am 3. März eingestürzt. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben. Das Archiv galt als eines der bedeutendsten Kommunalarchive Europas. Zur Einsturzursache ermittelt noch die Staatsanwaltschaft. Als sicher gilt nur, dass der Ausbau der U-Bahn zu der Katastrophe beigetragen hat.

"Wir sagen: Zeug zurück!"

In dem Verfahren klagen drei Leihgeber: Einmal Dorothea von Wittgenstein, die dem Archiv ihre Familienchronik als Leihgabe zur Verfügung gestellt hatte - es ging darin zum Beispiel um den ersten Präsidenten des Festkomitees Kölner Karneval, Heinrich von Wittgenstein. Dann die Brüder Oliver und Mario König, die zahlreiche Dokumente zu ihrem Vater René König (1906-1992) - einem bedeutenden Soziologen - in die Obhut des Archivs gegeben hatten. Und schließlich der Regisseur Heumannskämper, der dem Archiv den Nachlass seines 1995 gestorbenen Lebensgefährten, des Baritons William Pearson, verkauft hatte. Dabei hatte er sich jedoch das Recht zur weiteren Nutzung zusichern lassen.

Die Leihgeber wollen ihre Dokumente, Briefe, Fotos oder Tonbänder wiederhaben. "Wir sagen: Zeug zurück!", wetterte Peters. Falls die Sachen beschädigt sind, soll die Stadt sie bis Ende nächsten Jahres restaurieren. Sollten sie verloren sein, fordern die Leihgeber Schadenersatz.

Verbleib und Zustand der Dokumente häufig unklar

Mittlerweile sind 85 Prozent der Archivbestände geborgen, doch praktisch jedes Stück muss restauriert werden. Wo sich welches Dokument befindet und in welchem Zustand es ist, kann die Stadt in den meisten Fällen gar nicht sagen. Die geborgenen Bestände lagern zurzeit in anderen Archiven in unterschiedlichen Städten.

Auch das ist nach Meinung von Peters inakzeptabel. "Die waren nicht nur vor dem Einsturz schlecht organisiert, die waren es auch nachher", klagte er. "Die hätten da einfach 20 Leute abstellen müssen, um aufzuschreiben, wo was hingeht." Der Anwalt der Stadt argumentierte jedoch, dies sei angesichts der ungeheuren Menge der Archivalien nicht möglich gewesen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Corazito3333 (18.11.2009, 14:34 Uhr)
Feindbild Sozial.... oder Soziallismus oder die Linken????
wir sind ja auch bei "the real life" Mitglieder
aber Sie haben schon recht, die Beamten und Politiker sind haftbar und werden immer zur Rechenschaft gezogen....????? konkreter Fall ???wann geschehen????
Tempelhofer (18.11.2009, 12:47 Uhr)
@ schinder, corazito
Das sind doch wieder einmal total haltlose Beschuldigungen. Für Sie besteht wohl die ganze Welt nur aus korrupten Feinden.

Sie haben sich vom real life schon weit entfernt.
Corazito3333 (18.11.2009, 11:03 Uhr)
da wird es keinen Schuldigen geben
alle waschen die Hände in Unschuld, Beamte sind nicht verantwortlich werden nicht zur Rechenschaft gezogen, Politiker sowieso nicht. ??Wer bezahlt den Richter, wer die Statiker??? Auf Unwegen wir!!!!!!!!!!!!
hannes_schinder (18.11.2009, 06:08 Uhr)
Wie kommen
mehrere Statiker zu der Annahme, daß Risse im Archivgebäude, die offensichtlich durch die Baustelle entstanden waren keine Gefahr darstellen?
Von wem wurden diese Statiker bezahlt?
Wer zahlt den Richter?
MEHR ZUM ARTIKEL
Kölner Stadtarchiv-Einsturz Feuerwehr stoppt Bergung wertvoller Dokumente

Vor mehr als vier Monaten ist in Köln das Stadtarchiv eingestürzt, rund 90 Prozent der verschütteten Dokumente sind in Sicherheit gebracht worden. Jetzt hat ein Feuerwehrsprecher das vorläufige Ende der Bergungsarbeiten verkündet: "Man kann nicht mehr tiefer gehen, sonst bricht alles weg". mehr...

Restaurierung im Kölner Stadtarchiv Durch Schockfrieren Dokumente retten

Noch ist nicht klar, wie viele Dokumente aus dem Kölner Stadtarchiv gerettet werden können. Nur eines steht fest: Es wird viel Arbeit auf die Restauratoren zukommen. Dokumente schockfrieren, "Stoffwechsel" herunterfahren, um Schimmel zu stoppen - das passiert beim Restaurieren. mehr...

Kölner Stadtarchiv Unter Trümmern verborgene Schätze

Der Versicherungswert der im eingestürzten Kölner Stadtarchiv gelagerten Objekte beträgt 400 Millionen Euro. Doch was besagt schon der materielle Wert? Das Archiv beherbergte unschätzbare Dokumente aus mehr als 1000 Jahren Geschichte. Eine Bestandsaufnahme. mehr...

Kölner Stadtarchiv Wie Geschichte gerettet wird

Historische Schätze von unermesslichem Wert liegen noch unter den Trümmern des Kölner Stadtarchivs. Seit fast zwei Monaten versuchen Helfer zu retten, was zu retten ist. Einige Kostbarkeiten haben sie sogar unbeschädigt aus dem Schutt bergen können. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe