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1. September 2008, 16:14 Uhr

Bei Kusch kostet der Tod 8000 Euro

Roger Kusch bekennt Farbe: Wer sich mit seiner Methode beim Sterben helfen lassen will, muss mit Kosten von bis zu 8000 Euro rechnen. Diesen Preis nennt der ehemalige Hamburger Justizsenator auf einer Website, auf der er sein umstrittenes Modell zur Suizidbegleitung vorstellt.

Sterbehilfe als Geschäftsmodell: Der frühere Hamburger Justizsenator Roger Kusch hat im Internet die Kosten für seine Methode der Suizidbegleitung auf bis zu 8000 Euro beziffert© Roland Magunia/DDP

Der ehemalige Hamburger Justizsenator Roger Kusch hat für seine umstrittene Suizidhilfe eine eigene Internet-Seite eingerichtet. Seit Montag finden Sterbewillige dort "eine erste Orientierung", wie Kusch in Hamburg erklärte. Neben den Voraussetzungen und dem zeitlichen Ablauf nennt der promovierte Jurist auf der Website erstmals einen Preis: Bis zu 8.000 Euro soll seine Sterbebegleitung kosten.

Seit vor zwei Monaten seine Begleitung einer Frau aus Würzburg publik wurde, habe er 300 bis 500 Hilfsgesuche bekommen, sagte Kusch. Ende Juni hatte er die 79-jährige Bettina S. begleitet, die sich mit einem tödlichen Medikamenten-Mix das Leben nahm. Der von Kusch entwickelte Selbsttötungsautomat war dabei nicht zum Einsatz gekommen. Die Staatsanwaltschaft Würzburg hatte Ermittlungen zu den Umständen des Todes aufgenommen.

Kosten werden individuell vereinbart

Mit der neuen Website will Kusch nach eigenen Angaben Menschen die Möglichkeit bieten, festzustellen, ob sie überhaupt für seine Suizidbegleitung in Frage kommen. So erklärt er dort beispielsweise, nur Menschen zu unterstützen, die an einer unheilbaren körperlichen Erkrankung leiden. Zu dem Preis heißt es dort, der Betrag werde individuell vereinbart "unter Berücksichtigung der finanziellen Situation des Sterbewilligen". Die Kontakte bis zum ersten persönlichen Treffen seien kostenlos.

Seine erste Suizidbegleitung hatte Kusch noch kostenlos angeboten. Einen Termin für die nächste Sterbehilfe gebe es noch nicht, er sei derzeit aber bundesweit mit einigen Menschen in konkretisierenden Gesprächen, sagte Kusch.

"Geschäftemacherei mit dem Tod"

Der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, erklärte in Berlin, Kusch habe seine Maske fallenlassen: "Statt sich tatsächlich an die Seite Schwerstkranker und Sterbender zu stellen, geht es ihm ganz billig ums Geschäft." Brysch forderte die Politiker auf, sich endlich über Parteigrenzen hinweg auf ein Verbot der kommerzialisierten Beihilfe zum Suizid zu einigen: "Suizidhilfe ist keine Sterbebegleitung."

Auch die bayerische Justizministerin Beate Merk kritisierte Kuschs "Geschäftemacherei mit dem Tod". Mit der Internetwerbung und der unverhohlenen Geldforderung werde "der ganze Zynismus und die Menschenverachtung der kommerziellen Suizidbeihilfe nun für jedermann offenbar".

DPA
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
deinemama (02.09.2008, 12:13 Uhr)
Umsonst ist nicht mal mehr der Tod...
Entsinne ich mich nicht all zu falsch, dann sollte diese Art der Sterbehilfe doch kostenlos sein?
Das Recht auf einen selbstbestimmten, würdigen Tod statt Maschinenmenschen und einsames Siechtum in versifften Altersheimen ist das Eine - aber aus der Angst und dem Schmerz eines Menschen 8000 Euro Profit auszuquetschen, mit Verlaub, das ist ekelerregend.
Äh - muss ich jetzt ein Kind ...? *würg*
SethusCalvisius (01.09.2008, 23:37 Uhr)
@exiled
Man kann über Sterbehilfe durchaus geteilter Meinung sein. Dieses Thema ist so schwierig, dass es nie eine Ideallösung geben wird. Aber Gegner der Sterbehilfe pauschal als Heuchler zu verunglimpfen, zeigt, dass Sie sich nicht ernsthaft mit der Thematik auseinandergestzt haben. Was hat Respekt vor dem Leben mit Heuchelei zu tun? Und wie kommnen Sie zu der absurden Vorstellung, Sterbehilfegegener würden in Thailand Kiddies....?
Haben Sie die Berichte über die Aktivitäten des Herrn Kusch einmal genau gelesen? Da wird einer alten Dame beim Selbstmord geholfen, die nicht schwerkrank ist, sondern nur Angst vor dem Altenheim hat. Das finden Sie in Ordnung? Muss man dann nicht auch Selbstmorde wg Liebeskummer, Arbeitslosigkeit, Bankrott etc zulassen?
Übrigens: Auch wenn Sie es sich das vielleicht nicht vorstellen können, man kann auch gleichzeitig gegen Sterbehilfe und Waffengeschäfte sein. (Was hat das eigentlich miteinander zu tun?)
exiled (01.09.2008, 21:17 Uhr)
..so what?
...ich verstehe den ganzen Troble und das pseudo-ethische Gequatsche ja mal wieder gar nicht! Das ist ein scheiß Business wie jedes andere auch, und es gibt 'ne Menge anderer Geschäftsideen, die viel verabscheuungswürdiger sind, wie inetwas die Waffengeschäfter der Regierung.
Heuchlerpack!! Regt euch mal schön alle auf und fahrt dann im nächsten Jahr wieder nach Thailand, minderjährige Kiddies vögeln..
Buntklecks (01.09.2008, 20:16 Uhr)
Das ist bestimmt nicht steuerfrei
Wie wir aus dem Kino wissen, Auftragskiller waren noch nie billig.
Wie bezeichnet Herr Kusch seine Arbeit denn beim Finanzamt?
jan75 (01.09.2008, 19:29 Uhr)
Der Tod war noch nie umsonst...
...aber bis zu 8000 Euro und dann noch die Beerdigungskosten - das ist nicht ohne. Und es hilft ja dann auch allen Helfern... Vielleicht ist das Sterben auf Abruf in ein paar Jahren ja irgendwo zum Schnäppchenpreis zu bekommen?!
hannes_schinder (01.09.2008, 19:18 Uhr)
Und was kostet es bei Kusch wenn
er meiner Erbtante die Einsicht wieauch immer vermittelt, dass ihr Suizid der einzig gute Weg ist und ihr dann dabei hilft?
tetrapanax (01.09.2008, 19:02 Uhr)
Darum inhaftieren!
Gesetz überarbeiten - ok. Aber so lange es in Kraft ist, verstößt Herr Kusch mit seiner selbstlosen Absicht dagegen, oder?
Ohne Patientenverfügung ist es nicht so einfach und über eine Änderung bestehender Vorschriften sollte man nachdenken, aber zuerst den Menschen sehen und nicht die Kohle, Herr Kusch!
berlin79 (01.09.2008, 18:49 Uhr)
Warum inhaftieren?
Wenn ein Mensch sich selbst entscheidet nicht mehr leben zu wollen, soll er es auch tun. Zur Not auch mit fremder Hilfe. Also gehören diese altertümlichen Gesetze überarbeitet. Vor lauter Verboten und Gesetzen wird einem ja direkt schlecht inzwischen. Meine Meinung.
chrgue (01.09.2008, 18:20 Uhr)
Warum wird er nicht inhaftiert?
Wer sich öffentlich anbietet, Straftaten zu begehen gehört nicht in den STERN sondern in den Knast!
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