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9. November 2007, 12:15 Uhr

"Wir wollen keine Sterbetouristen"

Auf einem Parkplatz in der kleinen Schweizer Gemeinde Maur nahmen sich zwei Deutsche das Leben - assistiert von der Sterbehilfeorganisation Dignitas. "Inakzeptabel und provokativ" sei diese Vorgehen, sagt der Verwaltungsdirektor von Maur stern.de. Er beschreibt die Stimmung im Ort - und geißelt den "Sterbetourismus."

Der Verwaltungsleiter der Gemeinde Maur, Markus Gossweiler, äußert sich kritisch über die Sterbehilfeorganisation Dignitas© Ton Poortvliet/Hollandse Hoogte/Corbis Sygma

Herr Gossweiler, in Ihrer Gemeinde haben sich kürzlich zwei Deutsche in ihrem Auto auf einem Parkplatz das Leben genommen. Sie wurden bei ihrem Suizid von der Dignitas Sterbehilfeorganisation unterstützt. Wie steht Ihre Gemeinde zu dem Fall?

Ich finde es inakzeptabel. Der Parkplatz liegt zwar am Rande des Ortes in einem Waldgebiet, einige Kilometer von dem nächsten Haus entfernt. Aber es ist sowohl für die Angehörigen als auch für die Betroffenen selber unwürdig. Da wird der Name Dignitas ins Gegenteil verkehrt. Neben der Respektlosigkeit stört uns, dass der Parkplatz direkt neben einem Naherholungsgebiet liegt. Und da einer der Suizide am Nachmittag stattgefunden hat, bestand auch die Gefahr, dass Spaziergänger davon etwas mitbekommen.

Das ist diesmal passiertl?

Nein. Denn die Sterbehelfer haben sofort die Polizei gerufen und dann sind Arzt, Bestatter und Polizei an den Ort gefahren.

Wie wurde der zweifache Selbstmord in der Bevölkerung aufgenommen?

Die Bürger sind davon nicht direkt betroffen gewesen. Aber sie sind schon konsterniert, wie provokativ Dignitas vorgeht. Die Leute haben zwar Verständnis für die liberale Praxis in der Schweiz und dass jeder Mensch seinen Todeszeitpunkt selber bestimmen kann. Aber es sollte eben in vertrauter Umgebung stattfinden Und niemand will, dass die Schweiz ein Mekka für Sterbewillige wird. Es kann nicht sein, dass Massen an Sterbetouristen zu uns kommen.

Es war also nicht das erste Vorkommnis dieser Art in Maur?

Der Gründer und Chef von Dignitas, Ludwig A. Minelli, lebt in unserer Gemeinde. Im September haben sich zwei Leute bei ihm im Haus das Leben genommen. Wir haben ihm das sofort untersagt, da er eine Nutzungsbewilligung für gewerbliche Sterbehilfe braucht. Minelli hat das sofort angefochten, nun müssen wir auf die Entscheidung der Gerichte warten

Wie wird Minelli in Ihrer Gemeinde gesehen?

Minelli wohnt seit vielen Jahren bei uns, und die Nachbarn haben sich noch nie negativ über ihn geäußert. Wir haben nichts gegen Herrn Minelli als Bürger. Aber was im Zusammenhang mit Dignitas passiert, ist natürlich nicht unbedingt erwünscht. Es hat zwar keinen Einfluss auf das Gemeindeleben aber ist es für unsere Gemeinde unangenehm, mit diesem Thema in Verbindung gebracht zu werden.

Was können Sie als Gemeinde dagegen tun, dass weitere öffentliche Selbstmorde bei Ihnen passieren?

Nicht viel. Denn wir können ja nicht jeden fragen, ob er hier ist, weil er sterben will. Auch die Polizei kann nichts tun, Selbstmord ist kein Verbrechen.

War es im Nachhinein nicht ein Fehler, Minelli den betreuten Suizid bei ihm zu Hause zu verbieten?

Ich denke nicht. Als wir damals gegen Minelli interveniert haben, haben es die Bürger positiv aufgenommen. Wir als Behörde müssen alles für das Wohl der Einwohner tun. Und die Frage ist jetzt, ob Minelli nicht einen Schritt zu weit gegangen ist und es nun Gesetzte gegen diese Methoden geben muss.

Sie sind also dafür, dass Ausländern der assistierte Suizid in der Schweiz verboten wird?

Die Leute, die so etwas auf sich nehmen, sind arm dran und wir wollen bestimmt nicht auf diese Personen losgehen. Aber ich denke schon, dass in der Schweiz eine Regelung wie ein den Niederlanden gefunden werden muss. Nämlich, dass Ausländer zur Sterbehilfe nicht akzeptiert werden.

Interview: Malte Arnsperger

Interview: Malte Arnsperger
 
 
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