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37-Jähriger transportierte Leichenteile im Bus durch Leipzig

Ein 37-jähriger Mann soll ein Ehepaar erst getötet, dann zerstückelt und schließlich die Leichenteile in einem Koffer in einem Linienbus durch Leipzig transportiert haben. Jetzt gestand er seine Tat.

Der Angeklagte 37-Jährige wird beim Prozess in Leipzig in Handschellen vor Gericht geführt.

Justizbeamten führen den Angeklagten Faouzi A. in Handschellen vors Leipziger Landgericht. Der 37-Jährige gab am Montag zu, ein Ehepaar ermordet zu haben. 

Es ist der 23. Juli 2016. Ein Mann in Flipflops steigt in einen Linienbus in . Mit sich führt er einen Koffer. An sich ist das nichts Ungewöhnliches - er könnte ja in Urlaub fahren.

Dieser Mann aber fährt nicht in Urlaub. Viermal fährt er mit dem Bus die Strecke zum Baggersee in Leipzig-Thekla, um darin die Beweise einer blutigen Tat verschwinden zu lassen. Im Koffer, den er mit sich führt, befinden sich in Plastiktüten verpackte Leichenteile. Die beiden Toten hat er erst Stunden zuvor ermordet.

Aus Tunesien geflohen für eine neue Existenz

So lautet die schaurige Geschichte, die der Angeklagte Faouzi A. über seinen Anwalt vorm Leipziger Landgericht verlauten lässt. Dem 37-Jährigen wird vorgeworfen, das Ehepaar Ali und Hadia T. ermordet zu haben. Seit dem 3. Mai läuft der Prozess gegen den Tunesier, der 2013 über Lampedusa und Frankreich nach Dresden geflohen war. Dort wollte er sich eine neue Existenz aufbauen. Doch nach diversen Straftaten landete er für einige Monate im Knast.

Nach seiner Entlassung geht Faouzi A. nach Leipzig und trifft dort sein späteres Opfer Ali T., ebenfalls ein Tunesier. Die beiden sollen sich schon aus ihrer Heimat kennen. Ali T. nimmt Faouzi A. bei sich und seiner Frau Hadia auf und verschafft ihm einen Job auf einer Baustelle. "Ich bekam dort täglich 50 Euro, 20 musste ich an Ali für die Übernachtung abgeben", heißt es in der Erklärung laut "Tag24".

Zehn Bier, eine halbe Flasche Wodka und fünf Joints

Doch nach wenigen Wochen geraten der Angeklagte und das spätere Opfer aneinander, bis die Situation vollkommen eskaliert. Faouzi wird sogar entlassen. Aber anders als es in der Anklage der Staatsanwaltschaft heißt, will er das Ehepaar nicht daraufhin in der dessen Wohnung überrascht und heimtückisch ermordet haben.

Dem 37-Jährigen zufolge sollen Ali und Hadia ihn mit einem Messer und einer Kelle in der Küche der Wohnung bedroht haben. In einem "mystischen Zustand" habe er dann den im Schrank liegenden Hammer genommen und beiden auf den Kopf geschlagen. Anschließend habe er mit dem Messer auf beide eingestochen. Zudem behauptet er, dass er vor seiner Tat zehn Flaschen , eine halbe Flasche Wodka getrunken und fünf Joints geraucht habe.

Im Anschluss an den Mord habe er die Wohnung sofort verlassen und sei erst am nächsten Morgen zurückgekehrt, wo er dann damit begann, die Beine und Köpfe von den Körpern zu abzutrennen.

"Dieser Angeklagte ist schlichtweg krank"

Faouzi habe in seinem Leben sehr viel Leid erfahren, heißt es während des Prozesses. Als Kind musste er Überfälle und Schießereien mit ansehen. Wegen eines schweren Motorradunfalls lag er sogar monatelang im Koma. Über Kopfschmerzen von dem Unfall beklagt er sich noch heute. "Dieser Angeklagte ist schlichtweg krank", wird sein Pflichtverteidiger bereits zum Beginn des Prozesses von "Sächsischen Zeitung" zitiert. "Er hat sehr viel Ungemach in seinem Leben erlebt."

Auch die Staatsanwaltschaft bestätigte laut "Bild", dass der Angeklagte unter anderem an einer Persönlichkeitsstörung und einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Möglicherweise ist er deshalb nur vermindert schuldfähig.

Dem Tunesier könnte nun eine lebenslange Haftstrafe drohen. Ein Urteil ist erst Mitte Juli zu erwarten. So lange ist der Prozess angesetzt. 


rpw

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