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Putin-Gegner Litwinenko radioaktiv vergiftet: Russlands entscheidender Fehler?

In London werden die Untersuchungsergebnisse der Vergiftung von Ex-Spion Alexander Litwinenko veröffentlicht. Die Spur führt nach Moskau - denn die Mörder haben sich wohl den falschen Tatort ausgesucht.

Hat Russland den Putin-Gegner Alexander Litwinenko radioaktiv vergiften lassen?

Alexander Litwinenko (r.) bei einer Pressekonferenz im Jahr 1998, acht Jahre vor seiner Ermordung

Wer tötete den Kremlgegner Alexander Litwinenko - und in wessen Auftrag? Ein Jahr lang hat sich der britische Richter Robert Owen mit diesen Fragen beschäftigt, am Donnerstag werden seine Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Russe Litwinenko, ein früherer Geheimdienst-Mitarbeiter, war 2006 in London an einer Vergiftung mit radioaktivem Polonium-210 gestorben. Die Untersuchung sollte klären, wer für den Mord verantwortlich ist. Owen kann in seinem Bericht aber nur Empfehlungen geben, strafrechtliche Konsequenzen hat er keine - es war kein Prozess. Das bedeutet aber nicht, dass die umgerechnet rund drei Millionen Euro teure Untersuchung folgenlos bleibt.

Diplomatische Eiszeit nach Tod von Alexander Litwinenko

Russische Zeitungen fürchten einen Rückschlag für das ohnehin labile bilaterale Verhältnis. Denn schon kurz nach Litwinenkos Tod verdächtigten in London viele den Kreml, in das Verbrechen verstrickt zu sein. Dann lieferte Russland die Hauptverdächtigen nicht aus. Es folgte eine diplomatische Eiszeit. Die britische Regierung wollte verhindern, dass der Fall wieder aufgerollt wird, doch Litwinenkos Witwe Marina setzte sich durch.

Am spannendsten ist nun die Frage, ob Richter Owen den Kreml für verantwortlich hält. Litwinenko selbst hatte auf dem Sterbebett Präsident Wladimir Putin beschuldigt, auch für seine Witwe und die britische Polizei ist die Sache klar. 

Litwinenko war 43 Jahre alt, als er in einem schicken Londoner Hotel vergifteten Tee trank. Vieles spricht dafür, dass das während eines Treffens mit den Russen Dmitri Kowtun and Andrej Lugowoi geschah, die seither als Hauptverdächtige gelten. 

Die gefährlichste Obduktion der westlichen Welt

Vergangenes Jahr nun hatten im Rahmen der Untersuchung Dutzende Zeugen ausgesagt, Dokumente kamen wieder auf den Tisch, der Fall wurde von allen Seiten im Detail beleuchtet. Ein Gerichtsmediziner hatte über die posthume Untersuchung Litwinenkos gesagt, sie sei wohl die gefährlichste der westlichen Welt gewesen. Bei der Obduktion hätten die Mediziner zwei Sicherheitsanzüge übereinander getragen, so sehr habe die Leiche gestrahlt.

Ein an der Untersuchung beteiligter Wissenschaftler, der Physik-Professor Norman Dombey von der Universität in Essex, ist überzeugt, dass die Verantwortlichen für Litwinenkos Tod einen entscheidenden Fehler gemacht haben, nämlich London als Tatort zu wählen. Für Dombey ist die britische Hauptstadt der einzige Ort der Welt mit den Ärzten und der medizinischen Infrastruktur, die ungewöhnliche Todesursache festzustellen. Und weil Polonium-210 weltweit praktisch ausschließlich in Russland hergestellt werde, führte die heiße Spur nach Moskau: "Diesen Rückschluss hätten wir ohne die verfügbaren Experten in London niemals ziehen können", sagte Dombey der britischen Zeitung "Guardian".

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