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Wulff sagt sich von Glaeseker los

Ex-Präsident Christian Wulff hat im Verfahren gegen seinen früheren Sprecher und Vertrauten Olaf Glaeseker ausgesagt - und verweigert ihm jede Hilfe. Packt Glaeseker jetzt gegen Wulff aus?

Von Thomas Steinmann, Berlin

  Ist die eigene Haut in Gefahr, hört die Freundschaft offenbar auf: Alt-Bundespräsident Christian Wulff

Ist die eigene Haut in Gefahr, hört die Freundschaft offenbar auf: Alt-Bundespräsident Christian Wulff

  • Thomas Steinmann

Bislang waren es nur ein paar Informationen, die über das brisanteste Verfahren der Hannoveraner Staatsanwaltschaft nach außen drangen. In der Regel ging es dabei immer nur um die Frage, wann feststeht, ob Ex-Bundespräsident Christian Wulff mit einer Anklage rechnen muss - oder ob die Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorteilsnahme eingestellt werden. Die Staatsanwälte führten dabei einige Verrenkungen vor. Mal war von einer Entscheidung im Sommer die Rede, mal von Spätsommer und mal von Frühherbst. Die Ermittlungen sind offenbar nicht einfach.

Seit sich Wulff nach seinem tiefen Sturz wieder vorsichtig in die Öffentlichkeit zurücktastet, sprudeln die Informationen jedoch reichlicher. Der vorläufige Höhepunkt war am Wochenende erreicht, als der "Spiegel" aus dem Protokoll von Wulffs Zeugenaussage Ende Juni im Verfahren gegen seinen Ex-Sprecher Olaf Glaeseker zitierte. Auch gegen Glaeseker ermitteln die Korruptionsstaatsanwälte - in seinem Fall wegen des Verdachts der Bestechlichkeit.

Wulffs langjähriger Vertrauter soll als Regierungssprecher in Niedersachsen die Partyreihe Nord-Süd-Dialog des Eventmanagers Manfred Schmidt organisatorisch und finanziell gefördert und im Gegenzug Gratisurlaub bei Schmidt gemacht haben. Schmidt war als Zeremonienmeister in Wulffs Glamourwelt stets gern gesehen. Und er kam immer gern, weil er mit den Partys unter Wulffs Schirmherrschaft Hunderttausende Euro verdiente.

Maximale Distanz zur Selbstrettung

160 Minuten hat die Aussage des Zeugen Wulff gedauert, es ist eine Aussage, die es in sich hat. Viele, die das Gespann Wulff/Glaeseker erst in Hannover und dann in Berlin erlebt haben, können gar nicht glauben, was sie da lesen. Glaeseker habe über ihn alles gewusst, er über Glaeseker dagegen nicht viel mehr als über andere Mitarbeiter, berichtete der frühere Ministerpräsident laut "Spiegel" den Ermittlern. Natürlich sei das eine sehr enge und sehr persönliche Beziehung zwischen ihnen gewesen. Aber wie kein anderer Mensch, den er kenne, habe Glaeseker darauf geachtet, zwischen Dienst und Urlaub zu trennen. Selbst an die Tatsache, dass seine Ex-Frau und seine Tochter einmal gemeinsam mit dem Ehepaar Glaeseker Urlaub bei Schmidt machten, will sich Wulff nur vage erinnern.

Wulffs Verteidigungslinie ist klar: Er geht auf maximale Distanz zu seinem langjährigen Wegbegleiter. Dass sein Sprecher, den er einmal als sein Alter Ego bezeichnet hat, in Schmidts Ferienhäusern in Südeuropa logierte, will er nicht mitbekommen haben. Wulff hat ja auch selbst genügend Ärger mit Urlaubsreisen. Im Ermittlungsverfahren gegen ihn geht es um den Vorwurf, er habe sich von dem befreundeten Filmfinanzierer David Groenewold mehrfach nach Sylt einladen lassen - während er sich als Ministerpräsident für eine Bürgschaftszusage des Landes für eine von Groenewolds Firmen eingesetzt habe. Da kann Wulff nicht gebrauchen, wenn klar würde, dass er von der vermeintlichen Bestechlichkeit seines engsten Mitarbeiters gewusst hätte.

Die Aussage im Fall Glaeseker könnte für Wulffs Glaubwürdigkeit dennoch ein Nachspiel haben. Die Ersten, die in besseren Zeiten Zeugen der engen Beziehung zwischen dem Politiker und dem Politikverkäufer wurden, wollen die Darstellung vom Einzeltäter Glaeseker nicht so stehen lassen. Am Wochenende kündigte die frühere Sat-1-Unterhaltungschefin Edda Kraft an, sie wolle bei der Staatsanwaltschaft gegen Wulff aussagen. Sie habe miterlebt, wie Wulff und Glaeseker "sogar im Urlaub ständig simsten und telefonierten", sagte die TV-Managerin der "Bild am Sonntag". Sie ist seine Zeugin, die weiß, wovon sie spricht: Sie war jahrelang mit Wulff, Glaeseker und auch Partymanager Schmidt bekannt.

Glaeseker hat nichts mehr zu verlieren

Überhaupt will in der niedersächsischen Politik kaum jemand glauben, dass Wulff tatsächlich so wenig über das Treiben seines Sprechers wusste, wie er die Staatsanwälte glauben machen will. Es sei "völlig utopisch", dass der Ministerpräsident nicht über Glaesekers Urlaubsreisen informiert gewesen sei, sagt einer, der in der Staatskanzlei früher täglich mit beiden zu tun hatte. Auch dass der Sprecher ohne Wissen des Schirmherrn Wulff, aber in dessen Namen Sponsoren für Schmidts Nord-Süd-Dialog angeworben haben soll, halten Insider für nicht vorstellbar - zumal Wulff und seine Frau im Oktober 2009 selbst an einem Abendessen bei der Nord/LB teilnahmen, bei dem es nach Aussage von Teilnehmern um Sponsorenakquise ging.

"Wenn Wulff behauptet, er hätte von alledem, was Glaeseker gemacht hat, nichts gewusst, dann kann das nicht der Wahrheit entsprechen", sagt Fernsehmanagerin Kraft. Dem Sinn nach, wenn auch diplomatischer hat das so auch schon Glaesekers Verteidiger formuliert.

Als Jurist wird das frühere Staatsoberhaupt wissen, dass Falschaussagen bei der Staatsanwaltschaft nicht das gleiche Gewicht haben wie vor Gericht. Eine direkte Auswirkung auf sein eigenes Ermittlungsverfahren gibt es daher nicht. Doch Wulff weiß auch, dass es für ihn nicht angenehm würde, wenn Glaeseker verärgert über seine Illoyalität auspacken sollte. Viel zu verlieren hat dieser nach Einschätzung von Wegbegleitern aus Hannover nicht: "Glaeseker hat für Wulff alles aufgegeben." Das Buch, an dem Glaeseker derzeit arbeitet, wird sicher spannend.

FTD

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