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Täter überwand neues Sicherheitssystem gewaltsam

Der Amoklauf von Newtown macht Amerika sprachlos. Nun kommt heraus, dass sich der 20-jährige Täter offenbar gewaltsam Zugang zur Schule verschafft hatte. Rätsel gibt der Beruf der Mutter auf.

  Eltern in Newtown reagieren verzweifelt, nachdem sie von dem Blutbad an der Grundschule erfahren

Eltern in Newtown reagieren verzweifelt, nachdem sie von dem Blutbad an der Grundschule erfahren

Alle Opfer des Amoklaufs an einer US-Grundschule in Newtown sind identifiziert - die Hintergründe der Bluttat mit 27 Toten bleiben zunächst aber weiter im Dunkeln. Aufschluss erhoffte sich die Polizei von Unterlagen, die im Wohnhaus des Todesschützen sichergestellt wurden. Die Durchsuchung habe "gute Beweise" erbracht, sagte der Sprecher der Polizei im Bundesstaat Connecticut, Paul Vance. Er teilte weiter mit, dass sich der 20-jährige Schütze gewaltsam Zutritt zur Schule verschaffte.

Polizeisprecher Vance sagte weiter: "Der Täter hat seinen Eintritt in die Schule erzwungen." Nähere Angaben machte er nicht. US-Medien hatten zuvor berichtet, dass die Grundschule erst in diesem Jahr ein neues Sicherheitssystem eingerichtet hat: Besucher müssen klingeln und erscheinen dann auf einer Sicherheitskamera. Erst wenn jemand innen auf den Türöffner drückt, kann man eintreten.

Täter sei klug, scheu und introvertiert gewesen

Der Täter Adam Lanza soll Berichten von Nachbarn und Bekannten zufolge in Newtown aufgewachsen sein. Er wird als klug, sehr scheu und introvertiert beschrieben. In jungen Jahren sei er ein Einzelgänger gewesen, erzählte eine frühere Klassenkameradin bei CNN. Nachbarn beschrieben ihn nach Berichten des Senders als merkwürdig. Bei dem Amoklauf soll er ganz in Schwarz gekleidet gewesen sein und eine kugelsichere Weste getragen haben. Er habe sein Auto direkt vor der Eingangstür geparkt, berichtete der Nachrichtensender CNN.

Widersprüchliche Meldungen gab es über die Mutter des Amokläufers. Viele US-Medien hatten zunächst berichtet, sie sei Lehrerin an der Grundschule gewesen. Daran hatten sich Spekulationen geknüpft, dass es einen Zusammenhang zwischen der Tätigkeit der Mutter und dem Motiv des Schützen gebe. Dem Sender ABC zufolge steht sie nach Angaben des Schulbezirks Newtown nicht auf der Liste des Lehrpersonals. Das schließe aber nicht aus, dass sie Ersatzlehrerin gewesen sei.

Wann genau wurde die Mutter getötet?

Unklar blieb zunächst auch, wann genau sie getötet wurde. Auch war noch nicht offiziell geklärt, ob der Amokläufer ebenfalls für ihren Tod verantwortlich ist. Der junge Mann soll bei seiner geschiedenen Mutter gewohnt haben, hieß es in Medienberichten. Demnach wurden auch der in New Jersey lebende Bruder und der Vater befragt.

Das Verbrechen geschah kurz nach Schulbeginn am Freitag. Nach Berichten von Augenzeugen gab der Amokläufer bis zu 100 Schüsse ab. "Ich habe Kugeln gesehen, die an mir vorbeigeflogen sind, und dann hat mich eine Lehrerin geschnappt und in einen Klassenraum gezogen", beschrieb ein Junge die Vorgänge in der Schule. Seine Mutter hielt ihn im Arm. "Die Lehrerin hat sein Leben gerettet, da bin ich sicher", sagte sie und weinte. "Mein Kind will am Montag nicht wieder in die Schule gehen", sagte ein Vater, dessen achtjährige Tochter überlebt hat. "Sie fragt mich ständig, wann das wieder passiert."

Obama kündigt Besuch in Newtown an

Die Bluttat löste weltweit Bestürzung aus und entfachte zugleich eine neue Debatte über das Waffenrecht in den USA. Präsident Barack Obama forderte "bedeutsames Handeln, um weitere Tragödien wie diese zu verhindern". Obama werde vermutlich im Laufe der nächsten Tage in die Stadt kommen. Er wolle erst den Familien der Gemeinde Raum "zum privaten Trauern" geben, sagte Senator Richard Blumenthal aus Connecticut dem Sender CNN.

Politiker suchten verzweifelt nach Worten. Obama bekräftigte in seiner Rundfunkansprache, derartige Tragödien passierten zu häufig in den USA. Seien es die Blutbäder wie jetzt in der Grundschule in Newtown oder Schießereien an zahllosen Straßenecken in Städten wie Chicago oder Philadelphia: "Alle diese Orte könnten unser eigener sein", sagte der Präsident.

Polizei will Namen der Opfer veröffentlichen

Die Leichen der Opfer wurden inzwischen aus der Schule gebracht. Sobald ihre Untersuchung abgeschlossen sei, würden Namen und Alter veröffentlicht, sagte die Polizei. Die Angehörigen der Opfer hätten darum gebeten, dass ihre Privatsphäre respektiert werde.

Zeugen des Massakers berichteten schreckliche Details: "Es war entsetzlich", beschrieb eine 29-jährige Lehrerin das Horrorszenario an ihrer Schule. "Ich habe nicht geglaubt, dass wir überleben würden", sagte Kaitlin Roig dem US-Sender ABC. Als sie Schüsse hörte, habe sie sich mit ihren 14 Schülern auf der Toilette eingeschlossen. "Ich habe ihnen gesagt, sie müssten absolut still sein". "Es wird alles gut werden", habe sie die weinenden Kinder getröstet, erzählte die Lehrerin unter Tränen.

"Alle weinten"

"Ich habe Kugeln gesehen, die an mir vorbeigeflogen sind, und dann hat mich eine Lehrerin geschnappt und in einen Klassenraum gezogen", beschrieb ein Junge die Vorgänge in der Schule. Seine Mutter hielt ihn im Arm. Die acht Jahre alte Alexia erzählte, wie Lehrer in ihr Klassenzimmer gestürmt waren, und alle Kinder angewiesen hatten, sich in einer Ecke zu verstecken. "Alle weinten. Und ich habe nur die Rufe der Polizeibeamten gehört." Ihre Mutter kann das Geschehene nicht fassen: "Wer tut so etwas? Das ist einfach krank", sagte sie CNN.

mlr/DPA/DPA

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