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Frusrierter Nazi träumte von "heiligem Rassenkrieg"

Er träumte vom "heiligen Rassenkrieg" und propagierte diesen in der Musik seiner Bands. Der frühere Soldat Wade Michael Page, der in Wisconsin sechs Sikhs tötete, war als frustrierter Neonazi bekannt.

Fotos zeigen ihn mit kahl rasiertem Schädel und gotischen Tätowierungen - nach der Bluttat mit sechs Toten in einem Tempel der Sikh-Gemeinde im US-Bundesstaat Wisconsin werden immer mehr Details über den mutmaßlichen Täter bekannt. Der Ex-Soldat Wade Michael Page, der von der Polizei am Tatort erschossen wurde, hatte zahlreiche Verbindungen zur rechtsextremen Szene in den USA. Und diese hat zuletzt stark an Zulauf gewonnen.

Page sei ein "frustrierter Neonazi" gewesen, "der eine rassistische Band führte, die die Macht der Weißen feierte", erklärte die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center (SPLC). Die Band End Apathy (Beendet die Apathie) gründete Page 2005, in der rechtsextremen Musikszene war er aber bereits seit 2000 aktiv.

Qualifizierter Fallschirmspringer

Page stammte aus dem Bundesstaat Colorado, aus dem er im Jahr 2000 wegzog. Laut seinem Nachbar gab Page an, als Soldat zwei Mal in den Irak geschickt worden zu sein. Pentagon-Unterlagen zeigen jedoch, dass er zwischen 1992 und 1998 in der Armee diente und damit nach dem ersten Golfkrieg und vor der US-Invasion 2003. Laut dem Verteidigungsministerium war Page qualifizierter Fallschirmspringer und erhielt zahlreiche Medaillen. Zudem war er in psychologischer Kriegsführung spezialisiert, verließ die Armee jedoch mit relativ niedrigem Rang.

Auch in der Band Definite Hate (Eindeutiger Hass) spielte Page, deren Logo einen weißen Arm zeigt, der ein schwarzes Gesicht schlägt, sowie die Initialien HFFH (Hammerskins Forever, Forever Hammerskins). Die Organisation Hammerskins dominierte SPLC zufolge einst die rassistische US-Skinhead-Bewegung. Laut der Organisation Site, die extremistische Netzwerke im Internet beobachtet, beschreibt sich Hammerskins als "führungslose Gruppe von Männern und Frauen, die den Skinhead-Lifestyle weißer Überlegenheit angenommen haben". Page sei dort eine Art Mentor gewesen.

Wut über "kranke Gesellschaft"

"Steht auf und kämpft", schrieb Page laut Site in seinen Internet-Botschaften. Zugleich habe er zu "aktivem Widerstand, unabhängig vom Ausgang" aufgerufen und seine Nachrichten mit dem von Neonazis benutzten Zeichen 88 (für "Heil Hitler") unterzeichnet, wobei 8 die Position des Buchstaben H im Alphabet angibt. Site zufolge unterhielt der 40-Jährige Nutzerkonten "auf einigen der bekanntesten Foren weißer Extremisten".

Einem Ex-Armeekollegen zufolge sprach Page von einem "heiligen Rassenkrieg", auf den er gehofft habe. Er hätte aber nie gedacht, dass Page diese Drohung eines Tages wahr machen würde, sagte Christopher Robillard dem Sender CNN.

Dem Neonazi-Plattenlabel 56 sagte Page 2010, er habe End Apathy gegründet, um "positive Ergebnisse in unserer kranken Gesellschaft" zu erzielen. Bilder der Drei-Mann-Band zeigen diese auf dem Internetportal Myspace vor einer Flagge, die wie eine Nazifahne aussieht, andere zeigen keltische Kreuze oder den sogenannten Reichsadler.

Über 1000 "hasserfüllte" Gruppen

Die Zahl der rassistischen und extremistischen Organisationen ist SPLC zufolge in den USA seit dem Jahr 2000 um 69 Prozent gestiegen. 2011 gab es SPLC zufolge insgesamt 1018 aktive "hasserfüllte" extremistische Gruppen, wobei es sich meist um Gruppen von Weißen handle, es gebe aber auch solche mit schwarzen oder jüdischen Anhängern.

Die Gruppen teilen sich den Angaben zufolge unter anderem in Neonazis, rassistische Skinheads und Homophobe auf und agierten unter Namen wie "Blut und Ehre" oder "Arische Nationen". Die drastische Zunahme erklärt SPLC mit "Wut und der Angst vor einer schlechten Wirtschaftslage, der Zuwanderung nicht-weißer Ausländer und der sinkenden weißen Bevölkerungszahl, was durch die Wahl des ersten schwarzen Präsidenten in den USA (Barack Obama) symbolisiert" werde.

Trotz seiner Wut, die Page in zahlreichen Online-Foren artikulierte, und seiner Verbindungen in die rechtsextreme Szene gab es laut US-Bundespolizei FBI vor dem Anschlag auf den Sikh-Tempel keinen Grund anzunehmen, dass der Ex-Soldat eine solche Tat plante.

Fabienne Faur/AFP/AFP

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