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"Hätte ich einen Sohn, er sähe aus wie Trayvon"

Ein Weißer erschießt in Florida einen schwarzen Jungen und wird nicht verhaftet. Wochenlang geschieht nichts. Doch jetzt hat sich sogar Barack Obama eingeschaltet.

  Wut und Trauer: Zahlreiche Menschen forderten bei einer Kundgebung in Los Angeles Gerechtigkeit für den getöteten Teenager Trayvon Martin

Wut und Trauer: Zahlreiche Menschen forderten bei einer Kundgebung in Los Angeles Gerechtigkeit für den getöteten Teenager Trayvon Martin

Die Bilder des Opfers, die durch die US-Medien gehen, zeigen einen schwarzen Jungen, fast noch ein Kind. Sanfte Augen, schüchternes Lächeln. 17 Jahre alt wurde Trayvon Martin. Bei einem Abendspaziergang in Sanford/ Florida fiel der Jugendliche einem sogenannten "Nachbarschaftswächter" in die Hände. Minuten später tötete der 28-Jährige den unbewaffneten Jungen mit einem Schuss in die Brust - angeblich aus Notwehr. Wochen später wühlt der Fall die Öffentlichkeit auf. Tausende demonstrieren für eine Bestrafung des Täters, Präsident Barack Obama fordert die lückenlose Aufklärung des Falls.

Die genauen Ereignisse jenes Februarabends, an dem Trayvon Martin sterben musste, sind einen Monat später aber noch immer unklar. Der afroamerikanische Teenager ging in einem Vorort von Orlando mit einer Tüte Süßigkeiten in der Hand nach Hause, als sich sein Weg mit dem von George Zimmerman kreuzte, Mitglied einer Bürgerwehr und im Besitz einer geladenen Waffe. Zimmerman sagt, er habe den Jugendlichen in Notwehr erschossen, doch die Zweifel daran wachsen. Der Fall ist ein Lehrstück über Rassismus und laxe Waffengesetze in den USA.

Obama fordert Aufklärung der Tragödie

Präsident Obama forderte am Freitag, die Tragödie um den Tod von Trayvon Martin müsse voll aufgearbeitet werden. "Wenn ich an diesen Jungen denke, denke ich an meine eigenen Kinder", ergänzte Obama. Er könne nachempfinden, was dessen Eltern nun durchmachten. "Wenn ich einen Sohn hätte, würde er aussehen wie Trayvon", sagte der erste afroamerikanische US-Präsident.

Bis zu 20.000 Menschen versammelten sich am Donnerstagabend zu einer Kundgebung in der Vorstadt Sanford, um ihrer Wut über den Tod des Teenagers Luft zu machen. Trayvons Eltern waren gekommen, prominente Bürgerrechtler wie Al Sharpton, viele Afroamerikaner. Sie forderten einen Prozess gegen Zimmerman, der bislang weder festgenommen noch offiziell beschuldigt wurde. Vor allem aber verlangten sie Gerechtigkeit in einem Justizsystem, in dem die Hautfarbe allzu oft über das Schicksal von mutmaßlichen Tätern und Opfern mitentscheidet.

An dem verhängnisvollen Abend des 26. Februars befand sich Martin auf dem Rückweg zur Wohnung der Verlobten seines Vaters, er hatte die Pause eines Basketballspiels im Fernsehen zu einem kleinen Einkauf genutzt. Es regnete, der Jugendliche zog sich die Kapuze seines Pullovers über den Kopf. Wie US-Medien berichteten, telefonierte er mit seiner Freundin, als er bemerkte, dass ihn offenbar jemand verfolgte. Das Mädchen riet Martin davonzulaufen.

Das Opfer war unbewaffnet

Zimmerman fuhr mit seinem Pickup-Truck durch die Nachbarschaft, zuletzt hatte es mehrere Einbrüche gegeben. Der 28-jährige Student hegt eine besondere Leidenschaft für Recht und Ordnung, dem TV-Sender CNN zufolge ließ er sich 2008 in einer viermonatigen Schulung zum Hilfssheriff ausbilden. In der Bewerbung habe er damals geschrieben: "Ich habe die höchste Achtung vor Gesetzeshütern und hoffe, eines Tages selbst einer zu werden." Zunächst reichte es aber nur für den ehrenamtlichen Nachbarschaftsschutz.

Als Zimmerman an dem regnerischen Abend eine ihm verdächtige dunkelhäutige Gestalt mit Kapuze sah, wählte er den Notruf. Der Junge fange an zu rennen, sagte er laut veröffentlichten Mitschnitten des Telefonats. Die Beamten wiesen ihn an, den Verdächtigen nicht auf eigenen Faust zu stellen. Kurz darauf gingen weitere Anrufe in der Zentrale ein, Anwohner meldeten erst einen Kampf und dann einen Schuss. Als die Polizei eintraf, war Trayvon Martin tot.

Zimmerman erklärte, er habe aus Notwehr gehandelt. Der Teenager habe ihn angegriffen. Die Polizei glaubte dem Schützen, obwohl Martin unbewaffnet war. In Florida gilt das "Stand Your Ground"-Gesetz (Weiche nicht zurück), das Bürgern ein besonders ausgeprägtes Recht auf Selbstverteidigung einräumt. Wer sich bedroht fühlt, darf sogar tödliche Gewalt anwenden - kombiniert mit den laxen US-Waffengesetzen eine Art Freibrief.

"Trayvon war unser Held"

Martins Eltern erzählten auf der Internetplattform change.org die andere Seite der Geschichte. "Trayvon war unser Held", schrieben sie und prangerten an, dass Zimmerman "für den Mord an unserem Sohn" noch immer nicht angeklagt worden sei. Ihre Onlinepetition, den Schützen zur Verantwortung zu ziehen, unterstützen rund 1,5 Millionen Menschen - und die Zahl wächst rasant.

Die Behörden wurden erst angesichts der wachsenden Empörung aktiv. Mittlerweile ermitteln das Justizministerium und die Bundespolizei FBI. Eine sogenannte Grand Jury soll am 10. April klären, ob die Beweise ausreichen, um Anklage zu erheben. Wäre Trayvon ein weißer Junge gewesen, säße Zimmerman längst hinter Gittern, klagt sein Vater Tracy Martin.

Dass Rassismus möglicherweise auch ein Mordmotiv gewesen sein könnte, weist die Familie des Schützen vehement zurück. Zimmerman habe selbst hispanische Wurzeln und viele afroamerikanische Freunde und Familienmitglieder, hieß es. "Er wäre der letzte, der jemanden wegen irgendetwas diskriminiert."

Gregor Waschinski, AFP, Peer Meinert, DPA/DPA

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