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Wie man eine schwerreiche Adelsfamilie ausnimmt

Jahrelang spielte Thierry Telly einer Familie vor, sie vor dem Tod zu retten. Mit strategischen Psycho-Spielchen und rhetorischem Geschick ergaunerte er ihren gesamten Besitz. Resultat: Knast für ihn.

Von Henrietta Reese

  In diesem Schloss im französischen Monflanquin verbarrikadierte sich die Adelsfamilie de Védrines

In diesem Schloss im französischen Monflanquin verbarrikadierte sich die Adelsfamilie de Védrines

  • Henrietta Reese

Es war einmal eine französische Adelsfamilie. Die de Védrines lebten friedlich und zufrieden in Frankreich. An einem Tag im Jahre 1999 änderte sich das - Thierry Tilly trat in ihr Leben. Ein Hochstapler und Schwindler, der sich mit kalter Taktik das Vertrauen der Familie erschlich. Ghislaine Marchand (geb. de Védrines) soll laut "Daily Mail" das erste Familienmitglied gewesen sein, das mit dem vermeintlich unscheinbaren Mann in Kontakt trat. Sie stellte Tilly ihrer Familie vor. "Er erzählte uns, dass er für einen Geheimdienst arbeitet, der mächtiger als alle anderen sei, der alles richten könne. Er sagte, dass er im direkten Kontakt mit dem Präsidenten der USA stehe", berichtet eine Familienangehörige dem Radiosender Europe 1. Tilly redet den Adligen ein, Opfer eines internationalen Anschlags zu werden. Eine Verschwörung von Freimaurern, Rosenkränzlern, Juden und Homosexuellen habe es auf sie abgesehen. Doch er könne die de Védrines beschützen, erklärt er. Tragisch dabei: Die Familie glaubt ihm.

Der Meister der Manipulation zieht die Familie in seinen Bann, in eine Welt, in der er zum Guru avanciert. Er macht die Familienmitglieder zwischen 15 und 87 Jahren zu Marionetten seines perfiden Spiels, um ihre Reichtümer zu erbeuten. Der Clan zieht sich aus Angst vor Bösewichten aller Art auf sein Schloss im südfranzösischen Monflanquin zurück, verbarrikadiert sich. Die Angehörigen leiden unter Verfolgungswahn, glauben dass sie ermordet werden sollen - Tilly schürt diese Angst. Mit rhetorischem Geschick lenkt er die de Védrines in die völlige Abhängigkeit und Isolation. Gerissen erzeugt Zwietracht und Eifersucht. "Er spielte uns gegeneinander aus. Wir hatten Angst vor allem und jedem", wird ein Familienmitglied in Medienberichten zitiert.

Ohne Scham spielt Tilly jahrelang die Rolle des Beschützers in einem tyranischen Komplott. Sogar von Folter ist die Rede. Um den Aufenthaltsort eines angeblichen Familienschatzes herauszufinden, soll er gar Familienmitglieder tagelang in dunkle Räume gesperrt haben, ohne Nahrung und ohne Schlaf.

Tilly zieht nach England. Selbst ohne seine Anwesenheit behält er die Kontrolle über die de Védrines. E-Mails und Anrufe ihres angeblichen Beschützers reichen, um die Angst weiter anzufeuern. Sie verkaufen Besitztümer, auch ihr herrschaftliches Anwesen. Das Geld, insgesamt rund viereinhalb Millionen Euro, überlassen sie dem Mann, der sie physisch und psychisch unter Druck setzt.

2008 zieht ein Teil der Verwandtschaft zu ihm nach Oxford und nimmt Arbeiten als Gärtner und Küchenhelfer an.

Ein Familienmitglied wagt die Flucht

"Immer mal wieder rebellierte einer von uns", erzählt Ghislaine Marchand. "Aber die anderen haben uns dann wieder auf die Strecke gebracht." Erst im Mai 2009 wendet sich das Blatt. Christine de Védrines wagt die Flucht aus Oxford. Mit der Hilfe von Angehörigen kehrt sie zurück nach Frankreich, wo sie die Polizei einschaltet. Im Oktober wird Tilly festgenommen, ebenso sein Komplize Jacques Gonzalez, der ihn bei dem jahrelangen Betrug unterstützte. Bei der Festnahme des zweiten Mannes wurden auf seinem Anwesen ein BMW 645, ein Boot, teure Uhren und viele weitere Luxusgüter gefunden.

Vor wenigen Tagen wurde der Mann, dem eine ganze Familie zum Opfer gefallen ist und der in seinem Heimatland als "Guru von Monflanquin" bekannt ist, von einem französischen Gericht wegen Täuschung, Missbrauch, Freiheitsberaubung, Gewaltanwendung und Urkundenfälschung zu acht Jahren Haft verurteilt. Sein Auftritt vor der Justiz war ebenso bizarr wie der Fall selbst. Lächelnd trat er vor die Richter, von Einsicht oder Reue keine Spur – er will das Urteil anfechten und behauptet, Gonzalez hätte ihn zu den kriminellen Machenschaften angestiftet. "Ein bisschen falsch, ein bisschen wahr, ein bisschen absurd: Vermischen Sie all das und Sie haben Thierry Tilly", beschreibt des Staatsanwaltes Pierre Bellet den Angeklagten.

Für die de Védrines enden mit der Urteilsverkündung Jahre des Horrors und der Angst. Doch das Vermögen der Familie ist weg, verprasst von dem Mann, den sie für ihre letzte Rettung vor dem sicheren Tod hielten. Tilly soll hohe Summen Schmerzensgeld zahlen. Doch das wird die Erinnerungen an die jahrelange Tortur wohl kaum auslöschen.

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