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Unfähigkeit des Täters verhinderte Explosion

Die Hinweise, dass die Bombe im Bonner Hauptbahnhof von islamistischen Terroristen gelegt worden sein könnte, verdichten sich. Ein angeblicher Montagefehler des Täters verhinderte eine Katastrophe.

  In dieser Tasche war eine zündfähige Bombe versteckt. Ein Baufehler verhinderte eine Explosion, die vermutlich zu einer Katastrophe am Bonner Hauptbahnhof geführt hätte.

In dieser Tasche war eine zündfähige Bombe versteckt. Ein Baufehler verhinderte eine Explosion, die vermutlich zu einer Katastrophe am Bonner Hauptbahnhof geführt hätte.

Am Freitagmittag verbreitete sich eine brisante Nachricht über Twitter: "Nach WDR-Informationen soll die Bombe vom Bonner Bahnhof zündfähig gewesen, aber wegen falscher Montage nicht detoniert sein", war im Kurznachrichtendienst zu lesen. Wenige Stunden später zog die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen an sich. Es lägen nun Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich um einen "versuchten Sprengstoffanschlag einer terroristischen Vereinigung radikal-islamistischer Prägung" handele, teilte die Ermittlungsbehörde in Karlsruhe mit.

Aus Ermittlerkreisen war zu erfahren, dass die Untersuchung des Sprengsatzes Indizien für eine Zündung ergebe. Zu diesen Hinweisen gehörten unter anderem eine fast leere Batterie und Rußspuren auf einem Draht, was auf eine Erhitzung hindeute.

Szenario des Anschlags

Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft hat sich der versuchte Anschlag so abgespielt: Gegen 13 Uhr stellt am Montagmittag ein Mann die blaue Nylonsporttasche mit dem Sprengsatz auf dem Bahnsteig von Gleis 1 im Bonner Hauptbahnhof ab. Die Bombe besteht aus einem ungefähr 40 Zentimeter langen Metallrohr, das zündfähiges Ammoniumnitrat enthält und mit vier Druckgaspatronen umwickelt ist, dazu einen Wecker und mehrere Batterien, die als Zündvorrichtung dienen sollen. Aber die Bombe explodiert nicht. Dazu schreibt die Bundesanwaltschaft: "Weswegen der Sprengsatz nicht detonierte, bedarf weiterer Ermittlungen." Was den Täter betreffe, so lägen "belastbare Hinweise dafür vor, dass die verdächtige Person über Verbindungen in radikal-islamistische Kreise" verfüge.

Nach Informationen des Berliner "Tagesspiegels" passt der Sprengsatz von der Machart her zu einer Bombenbauanleitung aus dem Internet-Magazin "Inspire", das die Al-Kaida-Filiale im Jemen produziere. Bis auf wenige Abweichungen sei die Bombe mit der von "Inspire" beschriebenen Konstruktion identisch.

Nur die Unfähigkeit der Täter hat Bonn demnach vor einer Katastrophe bewahrt. Und auch das würde ins Bild passen. Auch der Anschlag der Kölner Kofferbomber misslang 2006 nur aufgrund eines Baufehlers. Die Wecker lösten zwar zur eingestellten Zeit die Zündung aus, das Gas-Benzin-Gemisch konnte aber mangels Sauerstoff nicht explodieren.

Häufig versagen Sprengsätze

Terroranschläge im Ausland sind in den vergangenen Jahren ebenfalls immer wieder gescheitert, weil die Sprengsätze falsch konstruiert waren. So versagten im Juli 2005 in London die Zünder selbst gebastelter Bomben, die in vier U-Bahn-Zügen hochgehen sollten. Zwei Wochen vorher hatte eine erste Anschlagsserie 52 Menschen das Leben gekostet.

Dass die Sprengsätze häufig versagen, wird von Experten für gewöhnlich damit erklärt, dass die Täter eben keiner schlagkräftigen Organisation angehören, sondern in einer kleinen Gruppe auf eigene Faust handeln. Dabei greifen sie auf Anleitungen aus dem Internet zurück - tatkräftige Hilfe von Sprengstoff-Experten steht ihnen eben nicht zur Verfügung. Ob dies auch in Bonn den vielen Wartenden an Gleis 1 das Leben gerettet hat, müssen die weiteren Ermittlungen zeigen.

Christoph Driessen, DPA/DPA

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