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Ägyptische Gaststudentin überfahren - Fahrer soll noch beschleunigt haben

Die ägyptische Studentin Shaden M. wird in Cottbus von einem Auto überfahren - in einer Tempo-30-Zone. Später erliegt sie ihren schweren Verletzungen. Zudem soll das Opfer nach dem Unfall rassistisch beschimpft worden sein.

Cottbus Unfall

Der Berliner Platz in Cottbus, wo sich der tragische Unfall ereignete

Shaden M., 22 Jahre alt, ist in der Nacht zum Ostersamstag dieses Jahres in Cottbus unterwegs, um zu feiern, als am Berliner Platz im Zentrum der Stadt der Unfall passiert. In einer Tempo-30-Zone neben den Straßenbahngleisen wird die Studentin von einem erfasst. Ihre Kopfverletzungen sind so schwer, dass sie drei Tage später im Krankenhaus stirbt.

In der offiziellen Version der Polizei hieß es zunächst, sie sei plötzlich aus einer Gruppe heraus auf die Straße getreten und dort von dem Auto erfasst worden - ein tragisches . Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass der Unfall nicht zu verhindern gewesen sei. 

Zweifel am Unfallhergang in Cottbus

Doch an der Version zum Unfallhergang gibt es Zweifel. Eine andere Version sagt, dass Shaden M. absichtlich überfahren worden sei. Die zwei Begleiter von Shaden M. an diesem Abend, ägyptische Austauschstudenten wie sie, berichteten jetzt dem Rundfunk Berlin Brandenburg, dass der Unfallwagen schnell gefahren sei und vor dem Zusammenprall sogar noch beschleunigt habe. Zudem sei Shaden nicht plötzlich auf die Straße getreten, sie sei ihren Begleitern vorausgegangen, als das Auto sie überfuhr: "Wir hörten plötzlich hinter uns ein Auto beschleunigen. Es beschleunigte immer mehr. Shaden ging uns voraus. Der Wagen traf sie heftig. Sie landete auf dem Bürgersteig bei der Straßenbahnhaltestelle, und der Fahrer fuhr einfach weiter, ohne seine Geschwindigkeit zu verringern." So schildert es Momen Nabil. Sein Freund Youssef Salah bestätigt die Aussage: "Er beschleunigte immer mehr. Die Straße war nicht so breit, dass es lange gedauert hätte, sie zu überqueren. Und dann traf er sie."

Es gibt aber noch einen anderen schwerwiegenden Verdacht: Mehrere Zeugen sollen laut RBB übereinstimmend ausgesagt haben, dass die Insassen aus dem Auto zurückgekommen seien. Einer der Männer soll die schwer verletzte Studentin rassistisch beleidigt haben.

Die Aussagen der ägyptischen Studenten zum Unfallhergang und die Berichte über die rassistischen Beleidigungen werden jetzt von einem weiteren Zeugen bekräftigt, der sich ebenfalls gegenüber dem RBB äußerte. Der Mann wolle anonym bleiben, weil er Angst vor Ausländerfeinden in Cottbus habe, berichtet der Sender. Demnach schätze der neue Zeuge die Geschwindigkeit des Autos auf 60 bis 70 Stundenkilometer. Und er habe die rassistischen Beschimpfungen bestätigt. In einer WhatsApp-Sprachnachricht an Freunde kurz nach dem Unfall soll er angeblich gesagt haben: "Die Leute, die im Auto saßen, haben überhaupt keine Einsicht gezeigt. Sie haben gelacht und Sachen gesagt, wie: 'Ja, die müssen halt gucken, die haben ja da zu Hause keine Straßen. Und die sollen sich in ihr Scheiß-Land verpissen…' und so was. So ne Sprüche rausgehauen, obwohl die grad ein Mädchen vielleicht tot gefahren haben."

Ermittlungen gegen Mitfahrer wegen Volksverhetzung

Der Staatsanwaltschaft liegen nach eigenen Angaben für diese Version des Unfallhergangs und für eindeutig rassistische Pöbeleien keine Hinweise vor. Sie geht nach wie vor davon aus, dass der Unfall nicht zu verhindern gewesen wäre, auch wenn ein technisches Gutachten ergeben hat, dass das Auto ungefähr 50 Stundenkilometer gefahren sein soll. Um weitere Sicherheit über den Unfallhergang zu erhalten, hat die Cottbusser Staatsanwaltschaft zusätzlich ein medizinisches Gutachten in Auftrag gegeben. Es soll die Frage klären, ob die tödlichen Verletzungen bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h entstanden sein können oder ob das Auto möglicherweise doch schneller fuhr.

Auch im Fall der angeblichen Pöbeleien ermittelt sie zwar gegen einen der Männer im Auto, aber nur aufgrund einer einzelnen Zeugenaussage. Das Verfahren läuft noch. Ein Sprecher der Staatsanwalt sagte dem stern, dass von den rund 30 Zeugen niemand etwas gehört haben will, das den Tatbestand der Beleidigung oder gar Volksverhetzung erfülle. Die Polizeibeamten vor Ort hätten ebenfalls nichts mitbekommen. Und selbst wenn es Beleidigungen gegeben haben soll, ließen sich diese kaum einer Person zuordnen. Die Staatsanwaltschaft bittet die Zeugen, die sich gegenüber dem RBB geäußert haben, sich bei ihr zu melden.

Die anderen elf Austauschstudenten, die in Cottbus studieren, wohnen mittlerweile auf Betreiben ihrer Heimatuniversität in Berlin. 

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