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Mit Fußfessel und Faible für iPads

24 Jahre lang saß Debra Milke in einer US-Todeszelle. Nun ist die gebürtige Berlinerin wieder frei - und konfrontiert mit einer neuen Welt. Vorsichtig tastet sie sich zurück ins Leben.

Von Niels Kruse

  Debra Milke: Unter Auflagen ist sie nun zurück in der Freiheit

Debra Milke: Unter Auflagen ist sie nun zurück in der Freiheit

Als Debra Milke ihre letzten Tage in Freiheit verbrachte, hieß der US-Präsident noch George Bush, war in Deutschland soeben die Mauer gefallen, entstand das World Wide Web und von Smartphones, geschweige denn von MP3-Spielern war noch keine Spur zu sehen. Jetzt, 24 Jahre später, ist die Deutsch-Amerikanerin aus dem Gefängnis entlassen worden. "Am faszinierendsten findet sie die heutige Technologie: Sie staunte über iPads, iPhones, Touchscreens, die Vernetzung der Geräte", sagte ihr Anwalt laut "Bild"-Zeitung.

Ein Vierteljahrhundert war Debra Milke weggesperrt, wegen Anstiftung zum Mord an ihrem kleinen Sohn. Es geschah in der Adventszeit 1989: Zwei Bekannte von ihr fuhren mitsamt dem vierjährigen Christopher in die Wüste. Schüsse fielen, der Junge war tot. Später sagte Jim Styers, mit dem Debra zusammenwohnte, dass die beiden von ihr beauftragt wurden, das Kind zu erschießen. Sie habe so an 5000 Dollar aus einer Lebensversicherung kommen wollen. Beweise dafür gibt es bis heute nicht.

Prozess geht Ende des Monats weiter

"Ich habe gesucht und gesucht und konnte nie auch nur einen Fitzel finden, der sie mit dem Verbrechen in Verbindung bringen würde", sagte ein privater Ermittler, der beauftragt wurde, sich um den Fall zu kümmern. Seine Ansicht teilt auch das Berufungsgericht in San Francisco, das das Todesurteil gegen die gebürtige Berlinerin vergangenen März aufgehoben hatte. Zudem muss das Verfahren gegen sie wieder aufgerollt werden. Ab Ende September geht es weiter.

Rechtsexperten glauben, dass Milke endgültig frei kommt. Als Schlüssel gilt die Aussage des Hauptbelastungszeugen, einem Polizisten, der nicht dafür bekannt war, es mit der Wahrheit sonderlich genau zu nehmen. Ihm habe sie die Tat angeblich gestanden. Zeugen dafür gibt es nicht, ebenso wenig wie eine Unterschrift unter dem Protokoll, auch sei sie nicht über ihre Rechte aufgeklärt worden. Kurzum: Allein schon aus Verfahrensgründen spricht einiges für ihren Freispruch. Daher schließen Beobachter auch nicht aus, dass der Staatsanwaltschaft auf einen neuen Prozess verzichten könnte, sollte die Aussage des diskreditierten Beamten gestrichen werden.

Unterstützung von Jauch, Glas und Weizsäcker

Bis zur möglichen Wiederaufnahme des Falls ist Debra Milke gegen Kaution auf freiem Fuß. 250.000 Dollar (etwa 190.000 Euro) hat ihr Anwalt Michael Kimerer bezahlt und sie Freitag aus dem Gefängnis abgeholt. Woher die Summe stammt, ist ungeklärt. Spekulationen zufolge hat ihre Mutter Renate Janka mithilfe von weiteren Unterstützern das Geld aufgetrieben.

Laut dem Lokalsender 12News wurde Debra von ihrer Mutter am Sonntag in der Stadt erwartet, um ihre Tochter erstmals seit vielen Jahren wieder in die Arme nehmen zu können. Der "Bild am Sonntag" hatte sie vor der geplanten Abreise gesagt: "Ich kann es kaum erwarten, sie endlich wieder riechen und berühren können." Janka, die ein Buch über den Fall geschrieben hat, kämpft seit Jahren für ihre Tochter - unterstützt von Prominenten wie Uschi Glas, Günther Jauch und Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

Ihr Ex-Mann glaubt an ihre Schuld

Obwohl Debra Milke nun wieder in Freiheit ist, wird die nächste Zeit keine leichte sein. Lächelnd, aber zugleich nervös und ängstlich verließ die 49-Jährige ihr Gefängnis in Phoenix/Arizona, wie 12News berichtet. "Nach einem Vierteljahrhundert eingesperrt erstmals ohne Ketten zu gehen, ihre eigenen Kleider zu tragen, das alles war völlig neu für sie", sagte ihr Anwalt. Vorerst werde sie wohl viel Zeit in der Wohnung verbringen. "Wir wollen sie nicht überstimulieren: Die Wahl der Speisen, der Kleidung, das alles bleibt vorerst beschränkt. Es sind kleine Schritte."

Ganz abschütteln wird sie ihre Gefängniszeit fürs Erste ohnehin nicht können. Offenbar muss sie eine Fußfessel tragen, die es ermöglicht, ihren Aufenthaltsort jederzeit festzustellen. Außerdem gelte für sie eine nächtliche Ausgangssperre von 21 Uhr bis 6 Uhr morgens. Milke dürfe auch keinen Alkohol trinken und müsse sich von ihrem Ex-Mann fernhalten. Der ist nach wie vor von ihrer Schuld überzeugt. Dem Sender Fox News sagte er, Debra Milke sei hinter Gittern besser aufgehoben.

mit DPA/AFP/AFP

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